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Warum es für Christian Schneuwly schwierig ist, seine Karriere fortzuführen

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«Vielleicht ergibt sich nochmal etwas», sagt Christian Schneuwly.
Keystone

Der Düdinger Christian Schneuwly steht vor dem Ende seiner Profikarriere. Obwohl erst 33-jährig, muss der Mittelfeldspieler der Jugend Platz machen. Jüngere Fussballer lassen sich besser gewinnbringend verkaufen.

Nach geschaftem Aufstieg in die Super League wurde Christian Schneuwly bei Lausanne-Sport ausgemustert. Am Mittwoch haben der Düdinger und der Waadtländer Verein ihren Vertrag aufgelöst. Nun sucht der 33-jährige Mittelfeldspieler einen neuen Arbeitgeber – was angesichts seines Alters, des Jugendwahns in der Super League und von Corona kein leichtes Unterfangen ist.

Christian Schneuwly, warum haben Sie Ihren Vertrag mit Lausanne-Sport aufgelöst?

Es war ja schon länger klar, dass ich bei Lausanne nicht mehr zum Spielen kommen würde. Ich habe zwar mit dem Team trainiert und meine Meinung war in der Kabine nach wie vor gefragt, aber mit dem neuen Sportchef ist im letzten Sommer auch eine neue Philosophie in den Verein gekommen, in der ich keine Rolle mehr spiele. Der Club ist deshalb vor wenigen Tagen auf mich zugekommen und hat mir die vorzeitige Vertragsauflösung angeboten (Schneuwly hätte noch einen Kontrakt bis im Sommer gehabt, Red.). Es war ein sehr faires Angebot und nicht zuletzt deshalb konnten wir uns im Guten trennen.

Wie hat sich die Klubphilosophie von Lausanne verändert?

Die Klubbesitzer (Lausanne gehört dem englischen Petrochemiekonzern Ineos, Red.) setzen vermehrt auf junge Spieler. Das ist ein Trend, der im Fussball momentan fast überall zu beobachten ist und der durch Corona zusätzlichen Aufschwung erhalten hat. Den Fussballvereinen sind durch die Pandemie Einnahmenquellen wie Ticketing, Catering und Sponsoring weggebrochen. Deshalb bilden die Clubs junge Spieler aus und versuchen, diese  später möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Es ist absolut nachvollziehbar, dass Lausanne diesen Weg geht. Ich würde es an ihrer Stelle auch so machen.

Sie werden am Sonntag 33 Jahre alt und gehören damit bereits zum alten Eisen?

Mit 33 ist man in der Super League schon sehr alt. Als ich vor 13 Jahren ins Profigeschäft eingestiegen bin, war das noch ganz anders. Da gab es viele ältere Spieler in einem Team, heute sind es höchstens noch eine Handvoll, die über 30 sind. Dafür hat es viel mehr 18- und 19-Jährige. Die Vereine geben den Jungen schon früh viel Spielzeit, damit sie in der Super League Fuss fassen und sich weiterentwickeln können. Junge Spieler sind günstiger, und mit ihnen kann der Club einen Mehrwert schaffen. Bei älteren Spielern ist das Entwicklungspotenzial geringer und damit auch die Möglichkeit der Wertsteigerung.

Ist es heute einfacher, den Sprung in die Super League zu schaffen?

Als ich im Jahr 2007 in der Super League debütierte, schafften es pro Jahrgang höchsten zwei, drei Spieler ins Team. Heute werden mehr Junge nachgezogen. Für die Schweizer Nationalmannschaft ist das gut, wenn es mehr junge, talentierte Fussballer gibt. In Bezug auf die Entwicklung im europäischen Fussball, wo die Schweiz den Anschluss verloren hat, verfolge ich den Trend hin zur Jugend eher skeptisch.

Das hat man am FC Basel gemerkt: Jahrelang hat er in der Champions League gespielt, als dann die Millionen der Königsklasse weggefallen sind, war der Verein gezwungen, links und rechts zu sparen. Anstatt auf bekannte und erprobte Namen setzt Basel nun auf junge Spieler. Damit an die alten Erfolge anknüpfen zu können, ist sehr schwierig, das bekommt der FCB momentan zu spüren.

Entwickelt sich die Super League hin zu einer Ausbildungsliga?

Das ist schon jetzt so, und es hat sich durch Corona nochmals akzentuiert. Drei Viertel der Super-League-Teams kämpfen um den Ligaerhalt. Ob sie die Saison auf Platz vier oder auf Platz acht abschliessen, ist nicht entscheidend. Wichtiger ist, dass Ende Jahr die Rechnung aufgeht. Wichtiger ist, dass der Verein Spieler verkaufen kann, um Geld zu generieren. Die Winnermentalität der einzelnen Spieler bleibt dabei leider immer öfter auf der Strecke.

Wenn alle Vereine junge Spieler ausbilden wollen, wer soll denn die Talente verpflichten?

Es hat in jedem Team drei, vier ältere Spieler, die das Gerüst der Mannschaft bilden. Ganz ohne Erfahrung geht es nicht. Aber im Prinzip reicht es, wenn ein Verein einen Spieler pro Jahr gross herausbringt. So, wie Thun, das mit Steffen, Zuffi, Munsy oder Rapp regelmässig Spieler verkaufen konnte und so seine Wirtschaftlichkeit sichern konnte.

Was auffällt: Sehr viele der jungen Fussballer, die in die Super League kommen, sind gross gewachsen und kräftig.

Der Fussball ist in den letzten Jahren viel intensiver geworden, Athletik und Grösse sind heute von entscheidender Bedeutung. Ich war mit 21 Jahren erstmals in einem Kraftraum, heute arbeiten die Junioren schon mit 15 intensiv im Kraftbereich. Meine Stärken liegen eher im technischen Bereich, bei der Spielübersicht und bei der Taktik. Solche Spielertypen sind momentan weniger gefragt. Ich denke aber, dass sich dies in ein paar Jahren wieder ändert.

Inwiefern?

Irgendwann ist in puncto Athletik und Grösse das Ende der Fahnenstange erreicht. Wer dann den Unterschied machen will, muss dies über die Technik, die Schnelligkeit und das Spielverständnis tun. In taktisch-technischen Bereichen sind die Jungen heute allgemein weniger gut ausgebildet.

Sie wechselten letzte Saison von Luzern zu Lausanne, auch weil die Waadtländer Sie umworben hatten. Ein halbes Jahr später lässt der Verein Sie bereits wieder fallen. Wie gehen Sie damit um?

Als mich Lausanne geholt hat, war der Club in der Challenge League und wollte aufsteigen. Ihm fehlte es aber an der Routine, die es braucht, um so eine Promotion zu schaffen. Der Verein wollte, dass ich Verantwortung übernehme und etwas bewege. Ich bin deshalb davon ausgegangen, dass Lausanne längerfristig mit mir plant. Entsprechend war ich enttäuscht, als man mir nach dem Aufstieg klargemacht hat, dass man nicht mehr auf mich baut.

Hat es für alte Verdienste und persönliche Gefühle im Fussballbusiness immer weniger Platz?

Je mehr Geld im Spiel ist, desto weniger zählen Einzelschicksale. Aber das ist ja nicht nur im Sport so, sondern allgemein in der heutigen Arbeitswelt zu beobachten. Kollegen sagen mir immer wieder, dass ich als Profi ein schönes Leben mit viel Freizeit habe. Das stimmt, aber es hat auch seinen Preis. Als Profi bist du dauernd einem grossen Druck ausgesetzt. In jedem Training musst du dich beweisen, in jedem Spiel wirst du bewertet, nach einer Verletzung musst du dich schnell zurückkämpfen. Alles geht Schlag auf Schlag, du hast kaum Zeit, Erfolge und Misserfolge zu verarbeiten, weil schon das nächste Training oder der nächste Match warten.

Die Branche erlaubt es nicht, Gefühle zu zeigen.

Christian Schneuwly
Profifussballer aus Düdingen

Ich kann zum Glück mit diesem Druck umgehen, aber das können nicht alle. Der deutsche Nationalspieler André Schürrle zum Beispiel ist deswegen im Sommer zurückgetreten.

Wie wirkt sich die Corona-Situation auf Ihre Vereinssuche aus?

Wegen der Mindereinnahmen investieren die Vereine deutlich weniger Geld in Transfers. Es gibt momentan fast keine Neuverpflichtungen, sondern meistens nur Leihgeschäfte.

Befassen Sie sich mit Ihrem Karriereende?

Ich wäre naiv, das nicht zu tun. Ich würde gerne noch spielen, Fussball war in den vergangenen 14 Jahren mein Leben. Mein Körper funktioniert noch bestens, ich bin völlig im Saft. Ich habe einige lose Angebote erhalten, aber es hat sich nichts konkretisiert. Ich will allerdings nicht irgendein Angebot annehmen, es soll auch für meine Familie passen. Wir haben uns in Düdingen niedergelassen, mein Sohn komm im Sommer in den Kindergarten. Ich lasse die kommenden Wochen auf mich zukommen, vielleicht ergibt sich noch etwas. Und wenn nicht, dann werde ich zwar wehmütig, aber dankbar für die schöne und lange Karriere zurücktreten.

Könnten Sie sich vorstellen, später als Trainer zu arbeiten?

Als Trainer wird man mich nie sehen, da wäre ich zu sehr wieder im Business, würde wieder im ständigen Konkurrenzkampf stecken und an den Wochenenden weg sein. Aber irgendetwas im Bereich Scouting oder Video könnte ich mir sehr gut vorstellen.

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