Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Warum Freiburg in der Impfstatistik das Schlusslicht bildet

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Der stellvertretende Freiburger Kantonsarzt Christophe Monney erklärt, warum Freiburg in der Impfstatistik das Schlusslicht bildet, dass sich bereits weniger Leute anmelden und dass er davon ausgeht, dass die Fallzahlen nach den Ferien wieder steigen werden.

Was denken Sie, wenn Sie während dieser Fussballeuropameisterschaft die vollen Fussballstadien in Budapest sehen?

Ich habe noch gar kein Spiel gesehen. Die Stadien sind voll? Das ist gar nicht vorsichtig.

Die Zahlen des Bundesamts für Gesundheit zeigen es ganz klar: Der Kanton Freiburg ist in der Schweiz das Schlusslicht beim Impfen. Wieso ist das so?

Zuerst waren wir benachteiligt, weil der Bund die Impfdosen anteilmässig an die ältere Bevölkerung abgegeben hat – und im Kanton Freiburg haben wir eine vergleichsweise junge Bevölkerung. Auch heute noch erhalten wir weniger Dosen als andere Kantone. Und zweitens werden die Einwohnerinnen und Einwohner der Broye in Payerne geimpft. Sie verbessern damit die Impfstatistik des Kantons Waadt und werden bei uns nicht abgezogen. Sie machen rund zehn Prozent der Freiburger Bevölkerung aus. Wir stehen also besser da, als es die Statistik des Bundes zeigt, da die Vergleiche nicht stimmen.

Wird das Impftempo in den nächsten Wochen noch erhöht?

Wir fahren weiter wie bisher. Es melden sich unterdessen auch weniger Leute an als zu Beginn. Seit Mittwoch haben wir regelmässig freie Termine. Wer sich heute einschreibt, der hat sehr rasch einen Termin. Und ab Montag kann man sich in den Impfzentren zwischen 13 und 16 Uhr ohne Termin impfen lassen. Wir überlegen bereits, ob wir die Kapazitäten in den Impfzentren herunterfahren. 

Heisst das, es zeigt sich eine gewisse Impfmüdigkeit?

Mehrere Tausend Freiburgerinnen und Freiburger sind noch immunisiert, weil sie krank gewesen sind. Sie werden sich wohl zum Impfen anmelden, wenn ihre Covid-Erkrankung mehr als sechs Monate zurückliegt. Wir werden jedoch nächste Woche besprechen, wie wir die Bevölkerung motivieren können, sich impfen zu lassen.

Halten sich die Leute nun auch zurück, weil Ferien anstehen und der Termin in ihre Ferien fallen könnte?

Da sind wir sehr flexibel. Die zweite Dosis kann auch nach mehr als sechs Wochen verabreicht werden, falls die Leute am ursprünglich gedachten zweiten Termin verreist sind. Wer sich nun vor den Ferien wenigstens das erste Mal impfen lässt, der hat so zumindest einen teilweisen Schutz. Das wäre für die Ferien empfehlenswert.

Werden Sie die ganze Bevölkerung davon überzeugen können, sich zu impfen?

Nein, Impfgegner werden wir nicht erreichen. Aber es hat einige, die noch zögern; und diese möchten wir motivieren.

Nun können sich auch 12- bis 15-Jährige impfen lassen. Haben Sie da spezielle Vorkehrungen getroffen?

Ja. Wir impfen sie nur im Forum in Granges-Paccot, und wir haben für sie eigene Linien und Impfboxen reserviert. Ab Samstag wird ein Kinderarzt im Forum sein; er klärt ab, ob sich die 12- bis 15-Jährigen die Impfung gut überlegt haben und sie diese wirklich wollen. Zudem erhalten die 12- bis 18-Jährigen ausschliesslich die Impfung von Pfizer-Biontech.

Haben sich bereits viele 12- bis 15-Jährige angemeldet?

Etwas mehr als 200. Ziel ist es nicht, alle Jugendliche dieser Kategorie zu impfen; wir wenden uns vor allem an Chronischkranke und solche, die mit Personen aus Risikogruppen leben.

Ab Samstag sind Grossanlässe wieder möglich, allerdings benötigen die Gäste ein Covid-Zertifikat. Andere Kantone stellen dieses bereits aus, der Kanton Freiburg jedoch schreibt auf seiner Homepage, er befinde sich noch in der Pilotphase. Wann erhalten die Freiburger ihr Covid-Zertifikat?

Wir sind daran, das bereitzustellen. Wer bereits das zweite Mal geimpft worden ist, hat ein SMS bekommen oder wird spätestens am 28. Juni einen Brief erhalten und kann sich das Zertifikat herunterladen.

Das heisst, auch im Kanton Freiburg werden bereits Zertifikate ausgestellt? Warum wird dann von einer Pilotphase gesprochen?

Weil man das Zertifikat offiziell frühestens ab dem 1. Juli im Ausland nutzen kann. Aber es funktioniert.

Das Zertifikat erhalten Geimpfte und Genesene. Warum müssen Genesene einen PCR-Test vorweisen? Warum reicht nicht ein serologischer Antikörper-Test, der billiger ist?

Die Europäische Union akzeptiert den serologischen Antikörper-Test als Beweis nicht. Weil das Schweizer Zertifikat europaweit anerkannt werden soll, macht es Sinn, wenn wir uns daran halten. Innerhalb der Schweiz hingegen können Genesene mit einem serologischen Antikörper-Test, der älter als 14 Tage ist, sich nur einmal impfen lassen, das wird anerkannt. So erhalten sie dann das Covid-Zertifikat. Aber der serologische Antikörper-Test reicht nicht, damit man als genesen gilt. Auch nicht der Schnelltest.

Muss jemand, der wegen einer Covid-19-Erkrankung in Isolation war, auch einen Test vorlegen? Oder reicht die Isolation als Beweis?

Wenn der Kanton jemanden in Isolation geschickt hat, dann reicht dies; damals wurde ja ein PCR-Test gemacht. Und wer wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital war, wurde darauf getestet. Diese Leute gelten als genesen.

Der Bundesrat hat nun sehr weitgehende Lockerungen verfügt, und viele Menschen sind zumindest einmal geimpft. Befürchten Sie, dass die Leute nun zu unbeschwert werden?

Wir haben das letzten Herbst ja bereits einmal erlebt. Die Situation ist aber doch anders als damals; immerhin ist fast die Hälfte der Bevölkerung im Kanton Freiburg zumindest einmal geimpft.

Es besteht also kein Risiko mehr?

Doch. Wir sehen in Grossbritannien, wie sich die Delta-Variante ausbreitet. Wir dürfen nun nicht zu schnell den Sieg ausrufen. Wir müssen weiter impfen und vorsichtig sein.

Gibt es bereits viele Delta-Fälle im Kanton Freiburg?

Wir haben bisher einige wenige Delta-Varianten gefunden. Wir führen in diesen Fällen das Contact-Tracing sehr feinmaschig aus. Das können wir gut bewältigen, da derzeit sehr wenige Leute positiv getestet werden. Das Problem bei der Delta-Variante ist jedoch, dass eine Sequenzierung nötig ist, um sie zu entdecken, und das braucht rund eine Woche.

Die Massnahmen werden gelockert, die Leute verreisen in die Ferien, und die Delta-Variante ist in der Schweiz aufgetaucht. Gehen Sie davon aus, dass nach den Ferien die Fallzahlen wieder steigen?

Ja, sicher. Je mehr die Leute unterwegs sind, umso grösser ist das Risiko, dass sich das Virus erneut verbreiten kann. Und die Möglichkeit steigt, dass sich die Delta-Variante weiter verbreitet.

Befürchten Sie eine vierte Welle im Herbst?

Ich kann nicht in der Kristallkugel lesen. Aber wir sind aufmerksam. Es ist wahrscheinlich, dass die Fallzahlen im Herbst wieder steigen. Aber ob es eine vierte Welle gibt, weiss ich nicht.

 

Der stellvertretende Freiburger Kantonsarzt Christophe Monney ist zusammen mit der Kantonsapothekerin für die Impfungen zuständig.
Alain Wicht/a

Zahlen und Fakten

Freiburg ist kein Gebiet mit erhöhtem Ansteckungsrisiko mehr

Im Oktober schnellten die Zahlen mit den Covid-19-Ansteckungen im Kanton Freiburg in schwindelerregende Höhen. Nun hat sich die Lage beruhigt. Am letzten Sonntag wurde kein einziger neuer Ansteckungsfall gemeldet, und in der laufenden Woche wurden bis am Donnerstagabend 23 Personen positiv getestet. In der ersten Novemberwoche hatten die Ansteckungen mit 4641 gemeldeten Fällen ihren traurigen Höhepunkt erreicht. Letzte Woche waren noch 8 Personen mit einer Covid-19-Erkrankung in Spitalpflege; dies gegenüber 192 im November. Der R-Wert, der anzeigt, wie viele Menschen eine erkrankte Person im Schnitt ansteckt, ist Anfang Woche auf 0,63 gesunken. Und erstmals seit Ende August gilt Freiburg nicht mehr als Gebiet mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, wenn auch nur knapp: Auf 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner wurden im Labor noch 59,67 positive Fälle bestätigt. Die Grenze liegt bei 60 Fällen.

Der Kanton Freiburg ist laut Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz das Schlusslicht beim Impfen: Während schweizweit bereits 47,24 Prozent der Bevölkerung zumindest einmal geimpft sind, sind es im Kanton Freiburg nur 43,72 Prozent. Im Kanton Genf sind es 51,86 Prozent, in Bern 49,14 Prozent. Diese Statistik datiert vom 20. Juni. Der Kanton Freiburg selber stellt aktuellere Zahlen online: So wurden bis am 21. Juni 47 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft. Letzte Woche wurden im Kanton Freiburg 24’937 Impfdosen verabreicht. njb

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema