Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Was würden Sie denn tun, wenn Sie Chef der Groupe E wären?»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Regula Saner

«Ich frage mich einfach, wie wollen wir den stets steigenden Energiebedarf decken?», fragte FDP-Nationalrat Jacques Bourgeois verzweifelt, nachdem bereits eine Stunde diskutiert worden war. «Das fragen sich hier alle», entgegnete ihm Jacques Mirenowicz vom Kollektiv «Nein zum Kohlestrom» schnippisch. Die Grüne Christa Mutter blieb gelassen. Sie sprach von «unnötigem Alarmismus»: «Moritz Leuenberger hat zwar gesagt, dass der Strom ab 2012 knapper wird, aber er hat auch gesagt, dass wir weiterhin Energie haben werden. Die Frage sei, zu welchem Preis.» Mutter betonte: «Den billigen Strom wird es nicht mehr geben.» Die heutigen Diskussionen erinnerten sie zudem an die AKW-Debatte in den 70er-Jahren, als es geheissen habe, wenn Kaiseraugst nicht kommt, dann geht das Licht aus.

Energie- versus Klimakollaps

Groupe-E-Generaldirektor Philippe Virdis malte ein ganz anderes Bild. «Heute Mittag mussten wir das Wasserkraftwerk abstellen, weil die Saane zu wenig Wasser führte. Den fehlenden Strom mussten wir an der Strombörse einkaufen.» Virdis sieht den Crash auf dem europäischen Strommarkt kommen, und zwar nicht nur weil der Bedarf steige, sondern auch weil die Betriebsbewilligungen für die Atomkraftwerke ausliefen, der Bau von neuen oder anderen Kraftwerken aber mehrere Jahre dauern werde.

Jacques Mirenowicz dagegen fand, dass ein solcher Zusammenbruch in keinem Verhältnis stehe zum drohenden globalen Klimakollaps aufgrund des zu hohen CO2-Gehalts in Luft und Wasser. Um einen solchen zu verhindern, fordere die internationale Expertengruppe über die klimatische Entwicklung (GIEC), die mit Al Gore den Friedensnobelpreis erhalten habe, eindeutig: «Die Kohlekraftwerke müssen eingestellt werden.»

Auf die Frage von Gesprächsleiter Patrice Favre (Journalist La Liberté), warum die Groupe E denn meine, unbedingt in Kohlestrom investieren zu müssen, sagte Virdis, dass das Unternehmen hinter der Vier-Säulen-Politik des Bundesrates stehe: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Energie-Aussenpolitik und Grosskraftwerke. «Was ist, wenn das geplante Gaskraftwerk im neuenburgischen Cornaux wegen Einsprachen nicht gebaut werden kann?» Deshalb setze die Groupe E auf verschiedene Standbeine. Auf die Frage von Christa Mutter, warum nicht in Windkraftanlagen im Ausland investiert würde, wich Virdis aus. Stattdessen lamentierte er, wie schwierig es sei, Windanlagen in der Schweiz zu bauen.

Kommt CO2-Auffang?

Virdis drehte den Spiess um: «Warum sollen wir nicht in Kohle investieren?» Das Problem des CO2-Ausstosses könne man dank neuer Technologien lösen, und er verstieg sich zum Versprechen: «Wir werden die gesamten CO2-Emissionen auffangen und unter der Erde lagern, wir haben das dafür notwendige Grundstück bereits gekauft.» Mutter parierte: «Schön, noch steht diese Technologie auf dem Papier, sie wird noch nirgends angewendet.» Später sprach Virdis dagegen nur noch von Kompensationszahlungen für den CO2-Ausstoss. Als Jacques Mirenowicz fragte, ob es nun um Kompensationszahlungen oder um den Auffang von CO2 gehe, sagte Virdis: «Das ist doch das Gleiche.»

Effizienz und Gaskraft

Am Diskussionsabend vom Mittwoch im Théâtre des Osses waren die Positionen klar: Bourgeois und Virdis sind für alle Energieformen offen, Mutter und Mirenowicz lehnen sowohl Kohle als auch Atomstrom ab. Mutter ist überzeugt, dass mit mehr Effizienz 33 Prozent des heutigen Verbrauchs reduziert werden kann: «Beznau I, II, Mühleberg und Gösgen könnten abgestellt werden!» Sie ist sich jedoch auch im Klaren, dass es ohne Gaskraftwerke wohl nicht geht.

Plötzlich wedelte Philippe Virdis mit seinem Büroschlüssel in der Hand und fragte in die Runde: «Was würden Sie denn tun, wenn Sie Chef der Groupe E wären?» Schlagfertig antwortete Christa Mutter: «Ich würde endlich ein Konzept präsentieren, wie die Stadt Freiburg die Beleuchtung im öffentlichen Raum reduzieren kann.» Und sie würde Geräte verkaufen, die nicht mehr so viel Energie fressen und sie würde …

Typisch männlich?

Die Ideen scheinen der Politikerin der Grünen nicht auszugehen. Und das schien am Mittwochabend auch der grosse Unterschied zwischen dem Ansatz der Groupe E und den Kritikern ihrer Politik zu sein. Der Grüne Rainer Weibel, welcher unter den rund 70 Zuhörern sass, drückte es so aus: «Die Groupe E scheut die Kleinarbeit und setzt sich mit einem grossen Kraftwerk ein Monument. Es tut mir leid, aber das ist typisch männlich.»

Übrigens: Philipp Virdis erklärte sich am Ende der Diskussion bereit, ein Konzept für die öffentliche Beleuchtung der Stadt Freiburg auszuarbeiten.

Mehr zum Thema