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«Weihnachten ist ein Tag wie jeder andere»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Joyeux Noël» heisst es auf dem Bildschirm über dem Eingang. In der Ecke steht ein kleiner Tannenbaum, geschmückt mit glitzernden Kugeln und einer goldenen Girlande. Was die Gefängnisbesucher an der Reception sehen, bleibt vielen Insassen verborgen. Ihr Alltag spielt sich auf engstem Raum ab, in ihrer Zelle verbringen sie die meiste Zeit. Auch der 40-jährige Fabrice*. Er sitzt vor dem Computer. Das Fenster ist offen, es ist kalt. «Weihnachten ist ein Tag wie jeder andere», sagt er. Weihnachten hat er schon lange nicht mehr in Freiheit gefeiert. Wegen ei- nes bewaffneten Raubüberfalls muss er fünfeinhalb Jahre absitzen. Die ersten zweieinhalb Jahre war er im überbelegten Genfer Gefängnis Champ-Dollon, seit einem Jahr lebt er in Bellechasse. «Im Januar kommt aus, wie lange ich noch sitzen muss.»

 Unrasiert und beschäftigt

Fabrice hätte sich gerne besser auf den Besuch der FN vorbereitet. Er sei halt jetzt unrasiert, sagt er entschuldigend. Doch sein Zimmer ist aufgeräumt. Auf dem Bett stapelt sich Wäsche, die er versorgen muss. «Meine Tage sind voll durchgeplant. Am Abend falle ich todmüde ins Bett.» Fabrice ist verantwortlich für den Reinigungsdienst. Er leitet fünf Personen und ist für die Planung in der Wäscherei und in der Küche zuständig. «In Orange kann man eine spannende Arbeit machen», sagt er lachend und zeigt auf seinen Pulli. Die Kleidung macht deutlich, in welcher Abteilung die Häftlinge sitzen: Gelb bedeutet vorzeitigen Strafantritt, Grau und Schwarz geschlossenen Strafvollzug, Orange offenen.

Seinen Job hat er sich verdient. Zu Beginn spaltete Fabrice tagein, tagaus Brennholz. «Sechs Monate habe ich das gemacht. Das ist keine würdige Arbeit.» Der Häftling bewährte sich, und statt Holz zu spalten konnte er alte Fernsehgeräte auseinandernehmen. Daneben machte er einen Weiterbildungskurs in der Küche. Mit seiner heutigen Arbeit ist Fabrice mehr als zufrieden. «Ich habe eine der interessantesten Arbeiten hier im Gefängnis.» An seiner Zellentür ist ein blaues Magnetschildchen mit der Aufschrift «Office responsable» angebracht. Das bedeutet, dass Fabrice heute der Tagesverantwortliche ist. «Um halb sechs habe ich mit Arbeiten begonnen.»

An diesem 24. Dezember finden zwei Weihnachtsfeiern in Bellechasse statt, an denen wohl auch Fabrice teilnimmt. Er ist katholisch erzogen worden. Als Kind sei er jeweils mit der Mutter in die Mitternachtsmesse gegangen, erinnert er sich. Was bedeutet ihm Weihnacht denn heute? «Von Weihnachten merkt man im Gefängnis nicht viel.» Es habe auch viele Muslime hier, die das Fest gar nicht feierten.

Fabrice scheint der Weihnachtszeit nicht allzu viel abzugewinnen. Kommt er aber auf seinen Sohn zu sprechen, wird er sentimental. Fünf Jahre alt sei dieser, alle zwei Mo- nate sehe er ihn. An der kar- gen Wand hängt eine farbige Zeichnung von ihm. «Letzten Samstag war er hier.» Zu Weihnachten habe er ihm ein Couvert mit einem Gutschein geschickt. «Es ist schon sehr hart, ihn so selten zu sehen.» Doch bei seiner Mutter, mit der Fabrice nicht mehr liiert ist, sei er gut aufgehoben. «Und ich kann oft mit ihm telefonieren.»

«Ich spüre nicht mehr viel»

Wie Weihnachten wird für Fabrice auch Silvester ein normaler Arbeitstag sein. Denn nicht nur Weihnachten hat er schon oft hinter Gitter verbracht, sondern auch den Jahreswechsel. «Ich spüre nicht mehr viel.» Am Abend wird er das machen, was er schon so oft gemacht hat: TV schauen. Alleine.

 * Name von der Redaktion geändert.

Festtage: «Emotional aufgeladene Zeit»

W eihnachten im Gefängnis ist eine schwierige Zeit, weiss Bellechasse-Direktor Franz Walter. «Die Zeit vergeht langsamer bei uns.» Der Betrieb laufe reduziert, die Häftlinge hätten somit mehr Zeit zum Grübeln. «Weihnachten ist sowieso ein emotional aufgeladener Begriff.» In Bellechasse haben am 24. Dezember zwei Messen stattgefunden. «Die Feste sind christlich, aber es machen auch viele Muslime mit.» Nach Weihnachten organisiert die Gefängnisleitung zudem jedes Jahr ein Rockkonzert. Für ihn seien die Konzerte zu laut, sagt Walter. «Aber die Häftlinge können Dampf ablassen.» hs

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