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Wenn am Arbeitsplatz die Fenster fehlen

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Bei Regen und im Winter sind sie praktisch: Die grossen Einkaufszentren, in denen Kundinnen und Kunden shoppen können, ohne sich dabei eine Erkältung zu holen. Was für die Konsumenten bequem ist, ist für die Angestellten aber nicht immer angenehm: Sie arbeiten oftmals in Räumen ohne Tageslicht.

Pausen nicht einheitlich

Vor einigen Wochen hat ein Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts für Aufruhr gesorgt: Dieses verlangte, dass das Migros-Personal in einer unterirdischen Filiale im Zürcher Hauptbahnhof zweimal täglich zusätzlich 20 Minuten bezahlte Pausen machen darf. Die FN haben bei Geschäften im Fribourg Centre nachgefragt, wie die Situation ist.

«Bei uns haben die Angestellten zweimal täglich 15 Minuten bezahlte Pausen», sagte Telma Matias, Personalverantwortliche Fnac, auf Anfrage. Auch der Brillenspezialist Koch Optik gewährt gemäss Geschäftsführer Friedrich Grimm zweimal täglich zwanzig Minuten bezahlte Pausen. Dies bestätigt eine Verkäuferin: «Wir sind genügend Leute und können die Pausen unter uns regeln.» Auf die Aussage einer Manor-Verkäuferin, sie habe keine bezahlten Pausen, sagt die Kommunikationsverantwortliche Elle Steinbrecher: «Wir können diese Aussage nicht nachvollziehen. In Absprache mit dem direkten Vorgesetzten können unsere Mitarbeiter jederzeit Tageslicht tanken.» Coop will keine konkreten Angaben machen, gibt jedoch an, sich an die Richtlinien des Staatssekretariats für Wirtschaft (siehe Kasten) zu halten.

Bei Dosenbach hingegen gibt es keine bezahlten Pausen. Zwar haben die Angestellten gemäss Steve Schennach, Pressesprecher der Dosenbach-Ochsner AG, an einem normalen Arbeitstag morgens und nachmittags je 15 Minuten und am Mittag eine Stunde Pause, zudem stehe ein Pausenraum mit Tageslicht zur Verfügung. Jedoch gilt: «Pausenzeiten sind Erholungszeiten und gelten demnach nicht als Arbeitszeit.»

Trotz des Mangels an natürlichem Licht: Die meisten der befragten Mitarbeitenden zeigen sich relativ zufrieden: «Ich kann in den Pausen rausgehen, das reicht mir», meint eine Angestellte von Dosenbach. Eine Mitarbeiterin von Manor sagt: «Mich stört es nicht, ohne natürliches Licht zu arbeiten. Man gewöhnt sich daran.» Einzig eine Verkäuferin, die anonym bleiben möchte, sagt: «Mir tun die Augen weh und mir fehlt das natürliche Licht. Die Verantwortlichen haben keine Ahnung, wie es ist, so zu arbeiten.»

Kontrolle oft nicht einfach

Bereits beim Bau von neuen Läden sorge das kantonale Arbeitsinspektorat dafür, dass wo immer möglich Fenster eingebaut würden, sagte Arbeitsinspektor Beat Zahno auf Anfrage. «Dies hat sich in den letzten sechs Jahren stark verbessert», betont er. Wo die Lichtbedingungen hingegen nicht erfüllt seien, müssten kompensatorische Massnahmen–wie zusätzliche Pausen–ergriffen werden. Dies zu beurteilen sei jedoch nicht immer ganz einfach, beispielsweise im Fribourg Centre. «Es ist zwar nicht ideal, aber der Lichtschacht in der Mitte bietet doch eine natürliche Lichtquelle», so Zahno. Trotzdem gelte: «Fühlt sich ein Arbeitnehmer ungerecht behandelt, kann er sich bei uns melden, und wir werden der Sache nachgehen.»

Ein Problem in der Handhabung solcher Richtlinien sei, dass die Angestellten ihre Rechte oft nicht kennen, sagte Armand Jaquier, Generalsekretär der Gewerkschaft Unia, den FN. «Zudem haben sie oft Angst, ihre Stelle zu verlieren, wenn sie sich wehren.» Jedoch hoffe er, dass das Urteil von Zürich Signalwirkung habe. Bleibe der Entscheid stehen, biete dies eine Basis für Diskussionen mit dem Arbeitgeber.

Zum Gesetz

Bauliche und organisatorische Massnahmen

Gemäss dem schweizerischen Arbeitsgesetz dürfen Räume ohne natürliche Beleuchtung nur dann als Arbeitsräume benutzt werden, wenn durch besondere bauliche oder organisatorische Massnahmen sichergestellt ist, dass die Gesundheit der Angestellten nicht beeinträchtigt wird. Als kompensatorische Massnahmen sieht eine Wegleitung des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) von 2009 unter anderem eine Rotation der Arbeitsplätze oder bezahlte Pausen von zweimal 20 Minuten pro Tag vor. Zudem müssen die Farben, die Beleuchtung sowie die klimatischen Verhältnisse so angenehm wie möglich gestaltet sein. Da es im Detailhandel immer mehr Geschäfte ohne Fenster gibt, hat das Seco die Richtlinien für Verkaufslokale etwas modifiziert. So ist die Länge der bezahlten Pausen nicht mehr vorgeschrieben, sondern es heisst: «Mit bewilligtem periodischem Aufsuchen von Kontaktfenstern oder einem kurzen Gang ins Freie kann das individuelle Bedürfnis nach Tageslicht im Rahmen des Arbeitsprozesses erfüllt werden.»rb

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