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Wenn das Leben in die Kunst dringt

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Hinaus an die frische Luft, hinein zur frischen Kunst. Im Parterre der Freiburger Kunsthalle Fri Art zeigt der Künstler Lauris Paulus, der in Freiburg lebt und den Kunstraum WallRiss gegründet hat, seine Ausstellung «Research & Development». Ebenfalls neu zu sehen ist im oberen Stock die Installation «As mountain winds» von Mitchell Anderson. Der in Chicago aufgewachsene Künstler war in der Schweiz bereits mehrmals zu Gast an Ausstellungen, darunter an den Swiss Art Awards 2016, und er hat in Zürich den Offspace Plymouth Rock gegründet. Die Jüngste in der Runde ist Selin alias Vaselin Aktekin aus Bern. Ihre Videokunst läuft im Keller des Fri  Art (siehe Kasten).

Auf und Ab der Psyche

Welche Gegenstände würden Sie wählen, um eine schwierige Lebensphase, vielleicht gar die schwierigste, darzustellen? Bei Lauris Paulus sind es: ein Schildkrötenpanzer, ein Fenster, ein Spiegel, goldene Messingplatten mit eingehämmerten Gedichten. Der Sinn der Dinge erschliesst sich nicht sofort. Dazu ist ein Blick auf die Textbeilage nötig. Sie umfasst Zitate des Künstlers, aufgeschrieben und geordnet vom französischen Kunsthistoriker und Kurator Yann Chateigné. «Die Ausstellung ist ein Autoporträt», lautet einer der wenigen expliziten Sätze im Text. Im Kern geht es, so ist zu erahnen, um eine psychische Erkrankung, die extreme Tiefs und Hochs verursacht. «Die Ausstellung reflektiert auf verschlüsselte und metaphorische Weise eine sehr schwierige Phase, die der Künstler im Verlauf des letzten Jahres durchlebt hat», sagt der Kurator Bal­tha­zar Lovay.

Da stösst eine rationale Annäherung schnell einmal an Grenzen. Auf zwischenmenschlicher Ebene berührt die Begegnung mit Paulus’ Gedankenwelt und Sprache am meisten – und beklemmt, wenn der Blick durchs fast blinde Fenster nur eine weitere Wand freilegt oder der kaputte Spiegel am Boden nur die Personen spiegelt, die sich gefährlich weit vorlehnen.

Programm für Arbeitslose

Eine andere Welt öffnet sich bei Mitchell Anderson. In zwei Räumen stehen drei Holzpodeste, auf denen feinsäuberlich Bastelarbeiten ausgelegt sind. Die Ostermotive, von der Hasenmaske bis zum Ei-Kerzenständer, lassen vergessen, dass in den Supermärkten bereits der Weihnachtsschmuck blinkt. Doch Anderson winkt nicht mit dem konsumkritischen Zaunpfahl. Auch hier verbirgt sich eine persönliche Geschichte.

Anfang dieses Jahres wird Anderson, der vor rund zehn Jahren aus den USA in die Schweiz eingewandert ist, zu einer Massnahme der «beruflichen Eingliederung» verpflichtet. Im «Programm zur Beschäftigungsförderung» für Arbeitslose im Kanton Zug stellt er in einer Werkstatt drei Monate lang Dekoartikel her. Der Künstler kauft, als er bald darauf wieder einen Job in einer Zürcher Galerie hat, für 2000  Franken die selbst produzierte Ware. Daraus wird nun im Fri Art zeitgenössische Kunst, die fragt: Was ist Kreativität? In welchem Verhältnis stehen Handwerk, industrielle Erzeugnisse und Kunst? Welche Rolle spielt dabei der Künstler, die Künstlerin? Sinnierend geht es auf den Heimweg.

«Kernaussage Normal. Wenn KA direkt unter Lead platziert wird, Spalte mit Weissraum füllen.»

Vorname Name

Funktion

Junge Videokunst

«Wild Girls»: Form vor Inhalt

Das Team um Fri-Art-Direktor Balthazar Lovay gibt bewusst auch jungem Schaffen eine Plattform, kürzlich etwa mit der «Carte Blanche Fribi». Solo tritt nun Vaselin Aktekin auf, Jahrgang 1992, frisch den Bachelor in Fine Arts der Hochschule der Künste Bern in der Tasche und auch in der Musik unterwegs. Gezeigt wird ihr Video «Wild Girls». Leider bleibt nur dessen trashige Youtube-Ästhetik hängen. Was die Frau in Pink, die durch den Wald stakst, an Rinde knabbert und Äste herumträgt, vermitteln soll, bleibt unklar. Irgendetwas mit Gender, wie Untertitel vage andeuten.

lin

 

Kunsthalle Fri Art, Kleinrahmengasse 22, Freiburg. Bis 21. Januar 2018.

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