Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Wenn der Grenzstein zum Grabstein wird

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Wenn der Grenzstein zum Grabstein wird

Kellertheater Murten spielt «Ds gfrorene Härz»

Das Kellertheater Murten präsentiert sich ab Freitag mit einer eigens bearbeiteten Fassung von «Ds gfrorene Härz» dem heimischen Publikum. Das Ensemble geht dabei in verschiedener Hinsicht neue Wege.

Autor: Von URS HAENNI

Ein Schirmflicker erfriert über Nacht in einer gefrorenen Winterlandschaft. Sein Freund, ein Korber, findet ihn genau auf der Grenze zwischen den beiden Gemeinden Vorderau und Hinterau. Doch keiner der beiden Orte will den Toten; die anderen sollen die Begräbniskosten übernehmen. Nun beginnen die Intrigen und Turbulenzen in diesen beiden Dörfern erst recht.Die Geschichte von «Ds gfrorene Härz» enthält alle Elemente, die es für einen rechten Schwank braucht, wie sie in diesen Tagen und Wochen landauf, landab auf kleinen Theaterbühnen gespielt werden.Doch das Kellertheater Murten hat andere Ansprüche. Aus der ursprünglichen Kurzgeschichte «Begräbnis eines Schirmflickers» von Meinrad Inglin entstand der Film «Das gefrorene Herz» von Xavier Koller, aus dessen Drehbuch Annette Windlin wiederum eine Theaterfassung geschrieben hat. Diese Theaterfassung haben Regisseur Rolf Brügger und Dramaturg Thomas Gsteiger aufgenommen und für das Kellertheater Murten umgeschrieben.So versuchten die beiden, die Geschichte aus dem starren innerschweizerischen Rahmen herauszunehmen, sie zu entkatholizieren und auch sprachlich auf Murtner Bedürfnisse anzupassen.

Grenzlinien werden aufgehoben

Das Stück ist damit zu einer Satire geworden, die mehr noch als ihre Vorgänger universell anwendbar wird. Vorderau und Hinterau könnten auch Oberwistenlach und Unterwistenlach oder Bösingen und Kleinbösingen heissen. Das Spiessbürgertum, das Ablehnen von Verantwortung, die Dorfrivalitäten werden zum gesamtgesellschaftlichen Phänomen.Das Bühnenbild mit einem grossen weissen Tuch, die kontrastreichen Bühnenelemente mit einer Farbe hinten und einer anderen vorne sowie der Einsatz moderner Technik machen das Geschehen zeitlos. Die einzige geographische Unterscheidung, welche mit Bühnenbild und Licht hervorgehoben wird, ist das Drinnen und das Draussen.Symbolisch ist dabei der Grenzstein, der wie ein Grabstein hinter dem toten Schirmflicker steht. Er wird immer wieder hin- und hergeschoben, so dass die Leiche mal auf dem einen, mal auf dem anderen Gemeindegebiet liegt. Und während die Leute aus den beiden Dörfern noch über Grenzverläufe streiten, zeigt das Ensemble des Kellertheaters, dass Grenzen eigentlich etwas Relatives sind und nur in den Köpfen der Leute existieren.

Weg vom klassischen Mehrakter

Die beiden Dörfer erscheinen dem Publikum sowieso als eines. Aus der Not der kleinen Anzahl Schauspieler macht Regisseur Brügger eine Tugend: Eine Handvoll Akteure spielen nämlich einen Part – zum Beispiel den Gemeindepräsidenten – sowohl im einen wie auch im anderen Dorf.Mit diesem Stück geht das Kellertheater Murten in mehrerer Hinsicht neue Wege. Es arbeitet erstmals mit dem Nidauer Theaterprofi Rolf Brügger als Regisseur zusammen. Und mit Brügger kommt auch ein neuer Umgang mit technischen Hilfsmitteln hinzu. Der Einbau von neuer Technik bringt wohl Überraschendes und Innovatives, er macht es dem Laien-Ensemble aber nicht leichter. Das Zusammenspiel von Spiel, Kulisse, Technik und Live-Musik muss sauber aufeinander abgestimmt sein. Jede Szene fliesst in die nächste hinein; strenge Schnitte wie in einem klassischen Mehrakter gibt es nicht. Die Hommage an Xavier Kollers Vorlage ist nicht zu übersehen.«Ds gfrorene Härz»; Kellertheater Murten, Kulturhaus im Beaulieu, Murten. Premiere: Sa., 13. Januar; www.kellertheatermurten.ch

Mehr zum Thema