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Wenn der Lohn nicht reicht

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Zähneputzen ist Leila Rahmani* besonders wichtig. «Ich brauche regelmässig die Zahnseide», erzählt sie. Das hat einen einfachen Grund: Je besser gepflegt die Zähne sind, desto weniger muss sie zum Zahnarzt. Und desto weniger hohe Zahnarztrechnungen erhält sie. Denn die Zahnarzt- und Arztrechnungen sind in manchen Monaten unbezahlbar für die vierköpfige Familie.

«Es kommen immer wieder Rechnungen, es hört einfach nicht auf», sagt Leila Rahmani, verwirft die Hände und lacht gleichzeitig. Sie sitzt in ihrem Wohnzimmer auf dem Sofa, vor ihr liegen die Belege von Einzahlungsscheinen auf einem einfachen, aber eleganten Glastisch. Das Zimmer ist penibel aufgeräumt, kein Papierchen liegt herum, kein Staub auf dem Fern­seher. An einer Wand hängt ein kleiner, schwarzer Teppich mit goldenen arabischen Schriftzeichen. Leila Rahmani ist vor zwanzig Jahren aus dem Nahen Osten nach Freiburg gekommen. In ihrem Heimatland war sie ursprünglich Lehrerin, verlor aber ihren Job, weil sie sich gesellschaftlich engagiert hatte. Sie folgte ihrem jetzigen Mann in die Schweiz.

Bald wurde sie schwanger. «Ich wusste damals nicht, dass es hier Kinderkrippen gibt», erzählt sie. «Ich dachte, dass ich doch mein Kind nicht alleine zu Hause lassen kann.» Also war sie zunächst Hausfrau und kümmerte sich um die Kinder, während ihr Mann arbeitete. Jetzt sind die Kinder im Teenageralter, und Leila Rahmani putzt jeweils vier Stunden am Tag. Ihr Mann arbeitet als Küchenaushilfe, wie seine Frau im Stundenlohn. Das heisst, die beiden müssen auch arbeiten, wenn sie sich nicht so fit fühlen – sonst fehlt sofort Geld.

Kein Diplom

«Ohne Diplom ist es schwierig, einen anderen Job zu erhalten», sagt Rahmani. Sie habe sehr lange gesucht. Ihr Lehrerinnendiplom hat sie nie anerkennen lassen. Dafür gibt es nicht nur einige bürokratische Hürden, es kostet auch Geld, das sie nie hatte. Allerdings sagt Rahmani, dass sie nach den Erfahrungen im Heimatland lieber nicht mehr als Lehrerin arbeiten will. «Da kommt alles wieder hoch.»

Als eins ihrer Kinder vor rund zehn Jahren grössere Zahnprobleme hatte, suchte die Familie erstmals Hilfe bei der Caritas. Die Zahnarztrechnung von mehreren Tausend Franken war für sie nicht bezahlbar. Leila Rahmani hörte damals von der Hilfsorganisation, wandte sich an sie und bekam Hilfe bei der grossen Rechnung. «Die Caritas hat uns in den letzten Jahren sehr viel geholfen, dafür bin ich wirklich dankbar.»

Gut im Rechnen

Kopfrechnen kann Leila Rahmani gut. Den Taschenrechner braucht sie fast nie. Flink zählt sie auf der Rückseite eines Couverts mehrere Zahlen zusammen, zieht eine Linie unter das Resultat und schreibt darunter den Lohn ihres Mannes. Diese Zahl ist tiefer als der kumulierte Betrag aller Rechnungen. «Sehen Sie, das geht nicht auf», sagt sie. In solchen Fällen ruft sie manchmal bei den Rechnungsstellern an und erklärt, dass sie die Rechnung erst im nächsten Monat begleichen könne. «Meistens ist das kein Problem.»

Leila Rahmani hat gelernt, zu haushalten. «Ich kaufe Kleider im Second-Hand-­Laden, schminke mich nicht, habe ein Prepaid-Handy», zählt sie auf. Und fügt an: «Warum soll ich auswärts einen Kaffee trinken? Zu Hause ist er auch gut.» Gemüse kaufe sie jeweils am Samstagnachmittag, wenn die Preise runtergesetzt seien. Dann friere sie einiges ein für die kommende Woche. Mit Geschenken warte sie bis zum Ausverkauf. Wenn sie verreist, besucht sie ein Familienmitglied anderswo in Europa.

Schämt sie sich für die prekäre finanzielle Situation ihrer Familie? «Nein. Ich mache das Maximum, versuche alles. Aber es geht eben nicht anders. Und deshalb schäme ich mich nicht.» Sozialhilfe will die Familie nicht beantragen, denn sie will sich bald einbürgern lassen – das wäre schwierig als Sozialhilfebezüger. Zudem muss man die Sozialhilfe zurückzahlen, und Schulden will Leila Rahmani auf keinen Fall machen.

Schwierig für Teenager

Schwieriger ist die Situation geworden, seit die Kinder grös­ser sind. «Früher habe ich ihnen die Kleider gekauft, das ging gut.» Jetzt als Teenager wollen sie selbst auswählen, was sie tragen. Und sie wollen Natelabos und in die Ferien. Für Diskussionen sorgt auch jeden Abend die Tatsache, dass sich die Kinder in der Dreieinhalbzimmer-Wohnung ein Zimmer teilen. «Wenn ich schlafen gehen möchte, ist noch Licht, und das stört mich», sagt die jüngere Tochter. Die Mutter hat schon ihr Bett angeboten und vorgeschlagen, selber auf dem Sofa zu schlafen. «Das wollten sie aber auch nicht», sagt Leila Rahmani und lacht.

Dann wird sie wieder ernster, faltet die Hände und sagt, ihre Kinder seien sehr gut. «Wenn ihre Freunde in ein Fast-Food-Restaurant gehen, sagen sie nur: Warum soll ich Geld für schlechtes Essen ausgeben?» Sie will ihnen trotz des knappen Budgets nicht jeden Wunsch abschlagen. Als eins von ihnen kürzlich einen neuen, modischen Schulrucksack wollte, hat sie den gekauft – und die Ausgabe eben anderswo eingespart. Reisen aber liegen nicht drin, da müssen die Kinder geduldig sein. «Ich sage ihnen jeweils, dass sie zuerst die Schule abschliessen müssen. Wenn sie dann Arbeit haben, können sie so viel reisen, wie sie wollen.»

*Name geändert

In einer Herbstserie geben die «Freiburger Nachrichten» der Armut in diesem Kanton ein Gesicht. Wir gehen der Frage nach, was Armut ist und wo sie fundamentale Bedürfnisse tangiert.

«Ich mache das Maximum, versuche alles. Aber es geht eben nicht anders. Deshalb schäme ich mich nicht für unsere Situation.»

«Ich kaufe Kleider im Second-Hand-Laden, schminke mich nicht, habe ein Prepaid-Handy. Und warum soll ich auswärts Kaffee trinken?»

Zahlen und Fakten

Hilfe für Familien am Limit

Wenn Familien finanziell in Schwierigkeiten geraten, können sie sich an Caritas Freiburg wenden. Der gemeinnützige Verein wurde 1943 gegründet und gehört dem Caritas-Netzwerk der Schweiz und weltweit an, wie es auf der Homepage heisst. Die Caritas hilft etwa, ein Budget zu erstellen, den Umgang mit Geld im Alltag zu verbessern oder unvorgesehene Ausgaben zu verkraften. Auch im Umgang mit den Behörden oder bei administrativen Schreiben hilft die Organisation weiter.

nas

Weitere Informationen: www.caritas-freiburg.ch

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