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Wenn der Turmbau zu Babel funktioniert

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Eine nackte Bühne in der Aula Magna der Universität Freiburg, auf die Rückwand ist ein Wald projiziert, bis zu 16 junge Schauspieler stehen auf der Bühne, sie spielen «Love’s Labour’s Lost» («Verlorene Liebesmüh») von Stardramatiker William Shakespeare. Seine Stücke werden gerade von Jugendlichen gerne gespielt, in der Regel im englischen Original oder in einer Übersetzung.

Sechs Sprachen und mehr

Das Theaterprojekt unter der Leitung von Englisch-Professorin Elisabeth Dutton ist anders, ein Experiment. Entstanden aus einer Idee in einer fröhlichen Runde, hat eine Gruppe von Studierenden den Shakespeare-Stoff überarbeitet und bringt nun die «Fribourg Style»-Version auf die Bühne, wie sich Dutton ausdrückt. Prägend ist die schwindelerregende Vielsprachigkeit. «So etwas habe ich davor noch nie gemacht», so Dutton.

Offiziell sind sechs Sprachen vertreten, neben dem englischen Original, Hochdeutsch und Französisch auch Schweizerdeutsch, Italienisch und Rätoromanisch. Mit-Regisseurin Tamara Vögeli gibt zu bedenken, dass die Schauspieler auch im indischen Sanskrit, dem ausgestorbenen Latein und verschiedenen Dialekten parlieren, darunter dem Greyerzer Patois. Das babylonische Sprachgewirr zu ordnen, war natürlich die grösste Herausforderung, so Dutton, zumal sie kein Schweizerdeutsch verstehe, geschweige denn Rumantsch. Das machte die Sache aber spannend. Denn die Übersetzung war nicht einfach und musste selbst gemacht werden. Eine Vorgabe war, so Dutton, «trotz des ständigen Wechsels der Sprache die Dialoge fliessen zu lassen».

Nur selten werden dem Publikum zuliebe wichtige Textstellen in verschiedenen Sprachen wiederholt. Ansonsten sprechen sich die Schauspieler im Eilzugstempo durch ihren Text. «Es ist Teil des Experiments, dass sie sich auch nonverbal ausdrücken», sagt Dutton. Dies helfe dem Publikum, dem Stoff zu folgen. Eine Herausforderung bleibt, dass die Zuschauer dem Verlauf des Stücks synchron folgen können. Denn Humor und Wortwitz–und davon strotzt das Stück nur so–sind von Verständnis abhängig.

Einsätze sind das A und O

Und die Proben zeigen: Die Einsätze funktionieren. «Mir fällt es gar nicht mehr auf, wenn die Schauspieler die Sprache wechseln», sagt Thomas Aeppli, der für die Übersetzung verantwortlich war und mitspielt. Die Wechsel geschehen in schneller Abfolge, manchmal noch im selben Satz. Das Team habe entdeckt, dass zum Beispiel der Rhythmus und die Reime zwischen Englisch und Rätoromanisch gut ineinander passen, so Aeppli. Christoph Mayer, der einen der vier Jünglinge mimt, fügt an: «Shakespeares Sprache ist voller Feinheiten, sie ist nicht trivial.» Das mache es ihnen nicht gerade einfacher.

Vier Frauen sprechen im fünften Akt über Geschenke, die ihnen ihre Verehrer gegeben haben. «Lueget, was dr verliebt Chönig mir schickt», sagt die Prinzessin. «N’y avait-il rien d’autre avec, madame?», fragt Rosaline und erhält die Antwort: «Rien que cela! U so vil Liäbesvers wiä mä uf äs Papier chan ynemürde.» Daraufhin wirft Katherine auf Englisch ein, dass Rosaline ja auch einen Gunstbeweis erhalten habe. In der Folge maskieren sich die vier Damen, um die Herren zu verwirren, da diese sich an die jeweiligen Geschenke halten. Es kommt zum amurösen Durcheinander und zum Finale.

Betonung und Emotionen

Die Übersetzungskommission musste nicht nur die Sprache berücksichtigen, sondern diese auch auf die Schauspieler und ihre Figuren anpassen, sagt Aeppli. Hinzu komme, dass der Versrhythmus möglichst nahe ans englische Original gebracht werden musste. Und Mayer schliesst: Besonders schwierig sei, trotz unterschiedlicher Sprachen die richtige Betonung und die passende Emotion rüberzubringen.

Hinter dem verbalen Ping Pong in x Sprachen steht der ewige Kampf zwischen den Geschlechtern; eines der Lieblingsthemen des britischen Sprachzauberers aus dem 16. Jahrhundert.

Aula Magna,Miséricorde. Mo., 14. April, 20 bis 23 Uhr. Das Stück ist gratis, Anmeldung empfohlen. Weitere Aufführungen: 9. Mai (Freiburg) und 16. Mai (Bulle). Anmeldung: www.unifr.ch/125. Einen Trailer gibt es auf Youtube (Stichwort «Love’s Labour’s Lost @ University Fribourg»)

Sprachen: Ein Durcheinander mit System

E s ist ein Stück über die Sprache, über Verstehen und vor allem über Missverstehen», sagt Regisseurin Elisabeth Dutton zu «Love’s Labour’s Lost». Schon im Shakespeare’schen Original aus dem Jahr 1598 spielen Akzente und sprachlicher Wirrwarr eine wichtige Rolle. Vier junge Männer, ein König und drei seiner Freunde, schwören, sich während dreier Jahre dem Studium zu widmen, nur noch drei Stunden zu schlafen, einmal in der Woche zu fasten und vor allem nie ein einziges Wort zu einer Frau zu sprechen. Wie es bei Shakespeare-Komödien üblich ist, versagen sie mit ihrer Absicht kläglich. Es entwickelt sich eine verschachtelte Liebesgeschichte. Mit vielen Tricks versuchen die vier, ihre Auserwählten – eine Prinzessin und ihre Hofdamen – zu bezirzen. Diese durchschauen das Spiel und machen sich über die Herren lustig. Es kommt zu einer Art Happy End. fca

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