Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Wenn der Verlierer der eigentliche Sieger ist

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Man muss sie einfach mögen, die erste Hauptrunde im Schweizer Cup. Alle Jahre wieder herrscht im Frühherbst Volksfeststimmung rund um die Fussballplätze der Provinz, wenn sich die Super-League-Clubs die Ehre geben. So kommt es, dass sich der Walliser Sonnenkönig Christian Constantin auf der Tribüne des St.-Leonhard-Stadions wiederfindet. Was er durch seine getönten Brillengläser zu sehen bekam, dürfte ihn wenig unterhalten haben–auch wenn er dem altbekannten Spiel David gegen Goliath durchaus zugetan ist, wie sein Kampf gegen die Fussball-Obrigkeiten dieser Welt zur Genüge gezeigt hat.

 

 Genügsam war indes auch sein teures Personal. Sion trat zwar gegen den Freiburger 2.-Ligisten aus dem Guintzet nicht etwa mit der zweiten Garde an, im Gegenteil. Alles was Rang und Namen hat, stand auf dem Platz. Allen voran Gennaro Gattuso. Dass der italienische Weltmeister, welcher so angenehm frei von jeglicher Abgehobenheit zu sein scheint, erstmals im Sion-Dress eine Partie durchspielte, spricht für zweierlei. Erstens: Der Spielrhythmus war alles in allem gemächlich. Und zweitens: So richtig geheuer war die Sache den Wallisern bis ganz am Schluss nicht–obwohl der FC Richemond trotz dem honorablen 0:1-Rückstand nie wirklich an seine Chance geglaubt hatte.

 

 Wie sonst ist es zu erklären, dass der Freiburger Schlussmann–wer will es ihm verübeln–angesichts seiner tollen Leistung in der Nachspielzeit beim Abstoss lieber ein paar wertvolle Sekunden verstreichen liess, als mit einem schnellen Auskick noch für einen Hauch von Gefahr zu sorgen? Und dennoch: Dass die Gastgeber am Ende nicht alles nach vorne warfen–egal. Dass Richemond nüchtern betrachtet nicht eine wirkliche Torchance hatte–geschenkt. Dass der FC Sion sein Pensum letztlich emotionslos abspulte–sei’s drum.

 Denn im Grunde genommen ging es an diesem Sonntagnachmittag um ganz was anderes. Der kleine FC Richemond gegen den grossen FC Sion war in etwa so, wie man sich die heile Fussballwelt eben noch vorstellt. Die Mannschaften begegneten sich mit dem gebotenen Respekt. Grobe Fouls? Fehlanzeige. Reklamationen? Keine Spur davon. Nicht eine einzige Karte musste der Unparteiische zücken. Der Fairplay wurde grossgeschrieben, genauso wie die Gastfreundschaft. Jeder trug seinen Teil dazu bei, dass dieses Jahrhundert-Spiel für Richemond zu einem Happening der ersten Sorte wurde. Die freiwilligen Helfer zapften das Bier im Akkord, die von einem einst selbst für die Stadtfreiburger spielenden Metzger spendierten Bratwürste fanden reissenden Absatz, und sogar die Security liess die Fünf für einmal gerade sein und tolerierte, dass die Kids keine drei Meter hinter der Torlinie aus den Matten der Leichtathletik-Sprunganlagen veritable Hüpfburgen machten.

 

 Dies alles macht sie aus, diese erste Runde im Schweizer Cup. Dazu gehört auch, dass die Verlierer die eigentlichen Gewinner sind. Wo sonst wird der Unterlegene noch so gefeiert? Wann sonst geht der Fussball-Interessierte mit einem Gefühl der Zufriedenheit nach Hause, nachdem ihm zuvor 90 Minuten lang ein mehr oder weniger müder Kick präsentiert wurde? Das Drumherum, so unspektakulär es letzten Endes sein mag, ist die eigentliche Essenz. Allein der Gedanke, Zeuge einer dieser legendären Cup-Sensationen werden zu können–und sei die Wahrscheinlichkeit noch so klein–ist Anreiz genug, um ins Stadion zu pilgern. Genau gleich wie die profane Tatsache, den Profis, welche man ansonsten nur aus dem Fernsehen kennt, ganz nahe zu sein, sie mit eigenen Augen zu sehen. Gennaro Gattuso in Freiburg–und ich war dabei.

 

 So hat der Schweizer Cup gestern einmal mehr dafür gesorgt, dass es schliesslich nur Gewinner gab. Die Spieler des FC Richemond, die sich in der Tat achtbar geschlagen haben, der Klub-Kassier, der dank 3680 Zuschauern einen fetten Gewinn einstreichen konnte, die Zuschauer, die einen gelungenen Sonntagnachmittag verbracht haben und natürlich die Profis vom FC Sion, die eine Runde weiter sind–aber noch viel mehr, weil sie sich in der fussballerischen Provinz nicht zu Deppen der Nation gemacht haben.

Mehr zum Thema