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Wenn die Grossmutter dem Junkie beim Suppentragen hilft

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: nicole jegerlehner

Wie eine von innen erleuchtete Weihnachtskugel strahlt abends der mit Plastikbahnen eingekleidete Musikpavillon auf dem Georges-Python-Platz im Zentrum Freiburgs. Wer durch die Tür eintritt, bleibt meist erst einmal stehen: Wärme, Stimmengewirr und der Duft von Suppe schlagen den Besucherinnen und Besuchern entgegen.

Eng ist es im Pavillon während des Suppenfestivals (siehe auch Kasten): Die sechs runden Tische und die beiden Stehtischchen sind besetzt. Der Mann, der sich gerade aus dem grossen Suppentopf über dem Gasfeuer eine Schale Suppe geholt hat, hat Mühe, bis zu seinem Platz zu kommen, ohne unterwegs einige Tropfen Suppe zu verschütten: Immer wieder stösst er fast mit anderen Leuten zusammen, die auf dem Weg zur Bar oder zum Suppentopf sind. An der Bar bestellt ein Stammgast einen Glühwein. Die zwei Franken dafür hat er schon in der Hand. Der Glühwein ist das Einzige am Suppenfestival, das einen festen Preis hat. Suppe, Kaffee, Tee, Brot und Gebäck sind gratis; beim Ausgang steht der Spendentopf.

«Guten Abend», ruft der neue Gast den Leuten hinter der Bar zu. «Kennen Sie mich noch?» Er habe früher auf den Strassen Freiburgs Mundharmonika gespielt. «Jetzt habe ich eine gute Arbeitsstelle», sagt er – und fasst sich wie zum Beweis mit beiden Händen ans Revers, um seine Lederjacke zu präsentieren. «Darum will ich heute etwas spenden – aber erst esse ich von der Suppe!»

Etwas später gesellt sich ein Bus-Chauffeur zur zufällig zusammengesetzten Runde an der Bar. «Ich wärme mich vor meinem Abendeinsatz etwas auf», sagt er. Er liebe die Atmosphäre am Suppenfestival. Manchmal schaue er nach seinem Dienst vorbei – je nach Arbeitszeit halt. Heute will er den Unbekannten, mit denen er ins Gespräch gekommen ist, einen ausgeben – zwei nehmen Tee, einer Kaffee, jemand einen Glühwein. Zwei Franken kostet die Runde. «Das kann doch nicht sein, ich will mehr geben – behalte zehn Franken», meint der Bus-Chauffeur zur Frau hinter der Bar, als sie ihm das Wechselgeld hinstreckt.

Kinder spielen im Anbau, der extra für sie aufgestellt worden ist. Freunde der freiwilligen Helferinnen und Helfer schauen vorbei. Mit 34 Kilogramm Gemüse hat die Familie Minder-Curty letzten Sonntag 70 Liter Suppe gekocht. Ihre Freunde sitzen neben Stammgästen der Notschlafstelle, einer Nonne und einer Gruppe Seniorinnen und Senioren. Eine ältere Frau steht auf, um einem Junkie die Suppe an seinen Platz zu tragen, weil dessen Hände so stark zittern, dass sie Angst hat, er verschütte alles.

Hinter der Bar waschen die Helferinnen und Helfer die Suppenschalen ab – mit heissem Wasser. Denn für die zwei Wochen Suppenfestival hat das Aufbauteam eine regelrechte Kleinküche samt Herd und Boiler eingerichtet. Andere Freiwillige schneiden Lebkuchen und verteilen die Stücke in Schälchen auf der Bar.

Je später der Abend, umso weniger Gäste sitzen noch im geheizten Musikpavillon. Langsam wird das zusammengewürfelte Mobiliar aus dem Brockenhaus mit Stühlen aller Stilrichtungen sichtbar. Auf der kleinen Bühne sitzt ein Musiker mit seiner Gitarre und gibt ein Konzert. Nach jedem Stück applaudieren die Gäste freundlich, holen sich noch ein Glas Glühwein oder einen Kaffee. Der Verantwortliche der Notschlafstelle La Tuile macht sich langsam ans Aufräumen. Im Saal sitzen nur noch wenige. Die einen wollen noch nicht nach Hause. Die anderen haben kein Zuhause.

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