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Wenn die Loreto-Kapelle in Neapel steht

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Manch ein Besucher der Unterstadt hat sie vielleicht schon einmal gesehen: die original neapolitanische Krippe in der Sankt-Moritz-Kirche in Freiburg. Die FN waren bei den Aufbauarbeiten dabei.

Mit viel Kraft stemmen Salvatore Piscopo und einer seiner drei Helfer ein Element der Krippenlandschaft auf die eigens dafür gebaute, fünfeinhalb Meter lange Plattform in der Sankt-Moritz-Kirche. Jedes Jahr kommt der gebürtige Neapolitaner von Vevey nach Freiburg, um gemeinsam mit Freunden die typische Krippe aus seiner Heimatstadt aufzubauen. Die Elemente sind schwer: «Sie bestehen aus Holz und Gips, dekoriert sind sie mit Korkrinde.» Piscopo hat die Krippenlandschaft selber gebaut.

Er hat in Neapel Kunst studiert, für das Theater und das Fernsehen gearbeitet und sich später in der Schweiz zum Lehrer für Gestaltung weitergebildet. Heute betreibt er ein Restaurant in Lausanne – wo selbstverständlich auch eine Krippe steht. Für die Krippe in der Sankt-Moritz-Kirche hat der 45-Jährige auf Wunsch der Pfarrei Bauwerke der Stadt Freiburg nachgebildet. «Hier ist zum Beispiel die Loreto-Kapelle», sagt er. Hoch oben, links über der Heiligen Familie, thront das Bauwerk über der Landschaft. «Ich habe sogar einen ganzen Teil der Unterstadt nachgebaut, samt Beatus-Kapelle.» Dieser Teil befindet sich auf der rechten Seite der Installation und umfasst ungefähr einen Drittel der Landschaft. «Gestaltet habe ich sie in einer zweiten Etappe vor zwei Jahren.» Wer gut beobachtet, findet noch weitere Details, die Freiburgerinnen und Freiburgern bekannt vorkommen könnten: zum Beispiel zwei Brunnen aus der Unterstadt.

Ein schwarzes Schaf

Die Zusammenarbeit der Pfarrei mit Salvatore Piscopo kam vor rund zehn Jahren zustande, als dieser seine Krippe an einer Ausstellung in der OS Pérolles präsentierte. «Wir waren schon seit längerem unzufrieden mit unserer Krippe. Wir suchten etwas Liebreizendes, Volkstümliches. So entstand die Idee einer neapolitanisch-freiburgischen Krippe», sagt Pfarreirat Pierre Portenier. Und nun stehen das Berntor und ein detailgetreu nachgebautes Haus aus der Unterstadt im neapolitanisch-freiburgischen «Bethlehem». Auch drei Personen, die einen Bezug zu Freiburg haben, sind als Figuren verewigt: der Namensgeber der Kirche, der heilige Moritz, der heilige Petrus Kanisius samt seinem Hund sowie der heilige Nikolaus.

Zur klassischen neapolitanischen Krippe gehören reiche Bürger und die arme Bevölkerung, aber auch sogenannte groteske Figuren. So finden sich auf den Märkten Neapels karikaturenhafte Figuren, darunter auch von Prominenten wie etwa Angela Merkel oder Maradona. «Auf Groteske haben wir jedoch verzichtet, da man dies hier nicht verstehen würde.» Für ein bisschen Ironie ist jedoch Platz: ein schwarzes Schaf unter fünf weissen, das ganz nah bei der Krippe steht. 

Es steht für unsere Pfarrei, die ein bisschen das schwarze Schaf unter den Freiburger Kirchgemeinden ist: weder ganz welsch noch ganz deutschschweizerisch.

Auch die sieben Brücken aus dem Gebiet der Pfarrei sind verewigt – Objekte mit Symbolcharakter: «Wir sehen uns auch ein bisschen in einer Brückenfunktion», sagt Portenier. Die Krippe sei bei den Besuchern sehr beliebt. «Es kommen auch viele Familien mit Kindern.»

Alles nach Augenmass

Stück für Stück entsteht die Landschaft: passgenau. Oder fast: Piscopo und seine Freunde decken die Übergänge und kleine Lücken mit Moos ab. «Gebaut habe ich die Elemente nach Augenmass.» An den insgesamt 18 Elementen hat Piscopo ein Jahr lang gearbeitet. Ein Teil ist bereits bevölkert: Nebst der Heiligen Familie hat etwa ein Musikerpaar seinen Platz gefunden, die Tarantella spielt vor einer Metzgerei. Im oberen Stock geht auf dem Balkon eine Spinnerin ihrer Arbeit nach.

Das sind alles Gliederpuppen, die man in die gewünschten Positionen biegen kann. Ich sage immer, das waren die Barbiepuppen von früher.

Die Figuren wurden nach Vorbildern aus dem 17. und 18. Jahrhundert von spezialisierten Künstlern in Italien von Hand angefertigt. «Nur den Esel habe ich selber gestaltet.»

Der Metzger, der Menschen zerstückelt

Früher waren Krippen nur im Besitz von Adligen. Diese staffierten ihre Figuren mit Seide, echten Perlen und Korallen aus. Die Gesichter und Hände sind aus Terrakotta und Gips, die Augen aus Glas, die Flügel der Engel aus Holz. «Sehen Sie, wie filigran das gearbeitet ist», sagt Piscopo und zeigt auf die Finger der Engelsfiguren.

Die Puppen bilden das Alltagsleben ab, immer wieder kommen neue dazu. In kleinen Szenen, fast wie in der Commedia dell’arte, werden sie präsentiert. Die Figuren sind ausdrucksstark, sie gestikulieren, schneiden Grimassen oder haben weit aufgerissene Augen und Münder wie etwa der Metzger, der auf einem Nebentisch darauf wartet, in sein Geschäft einzuziehen. Furchterregend starrt er in Piscopos Hand den Betrachter an. «Er gehört zur Legende von Sankt Nikolaus.» Der Metzger hatte, ähnlich wie später die Musicalfigur Sweeney Todd, Menschen zerstückelt und zu Fleischprodukten verarbeitet. Als Sankt Nikolaus sein Geschäft betrat, überkam den Metzger das schlechte Gewissen, und wie durch ein Wunder entstiegen die drei Kinder unversehrt dem Pökelfass. Gezählt hat Salvatore Piscopo die Figuren noch nie. «Etwa fünfzig?» schätzt er. Er sei kein Zahlenmensch, meint er.

Noch bis im Februar

Die Aufbauarbeit ist aufwendig, sie hat am Nachmittag begonnen und wird noch bis nach Mitternacht dauern. Ein Chor probt auf der Empore, die Orgel spielt das Halleluja aus dem Messias von Händel. «Diese Krippe ist faszinierend, viel grösser als die, die wir im Restaurant haben. Dieser Detailreichtum…», sagt der junge Helfer Yvann Cossec und zeigt auf die roten Miniatur-Äpfel aus Wachs. «So etwas kennen wir in der Schweiz nicht.» Die Krippe wird noch bis im nächsten Jahr zu sehen sein. «Bis etwa im Februar. Am liebsten würde ich sie ja während des ganzen Jahrs stehen lassen», sagt Krippenbauer Salvatore Piscopo.

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