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Wenn die Uhr nicht mehr richtig tickt: Zu Besuch beim Uhrendoktor

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

50 bis 60 Uhren sammeln sich in Robert Grauwillers Atelier an. Ordentlich sortiert liegen sie in verschiedenfarbigen Kistchen. Da sind jene, auf die er noch keinen Blick werfen konnte, jene, die bereits repariert wurden, jene, die sich noch im Reparaturprozess befinden, und jene, die auf die Ankunft eines Ersatzteils warten. Gerade arbeitet Grauwiller an einer gut fünfzehn Jahre alten Offiziersuhr, die um elf Uhr eins läutet und am Mittag bereits 14 Uhr schlägt. Mit einer speziellen Uhrmacherlupe versucht er, den Fehler zu finden. «Ich nehme an, der Besitzer hat hier etwas manipuliert», murmelt der Uhrmacher-Rhabilleur in sein Handwerk vertieft. Sorgfältig schraubt er das Gehäuse auf, legt die Glasfensterchen beiseite und reinigt währenddessen immer wieder seine Arbeitsfläche. «Sauberes Arbeiten ist sehr wichtig in unserem Beruf. Staub und Fremdkörper im Uhrwerk sind für die Uhr gar nicht gut», so Grauwiller.

Reparaturteile nicht erhältlich

Trotz Pensionierung ist der 65-Jährige noch fast täglich in seinem Atelier anzutreffen. «Uhren haben ihren Eigensinn. Doch auch Uhrmacher sind eigenwillig», lacht Grauwiller. So sollten die Schraubenzieher in seiner Werkstatt beispielsweise genau in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet sein, und der Schraubenzieher müsse perfekt auf die Schraube passen. «Wenn er zu gross ist, dann riskiere ich, andere Teilchen zu verletzen. Wenn er zu klein ist, beschädige ich die Schraube.»

Grauwiller ist der einzige Uhrmacher-Rhabilleur, der im Schmuck- und Uhrengeschäft Grauwiller tätig ist. Einen zweiten Experten einzustellen, ist nicht geplant. Der Grund dafür sei nicht die Nachfrage nach Reparaturen; die sei da. «Doch leider erhalten Uhrenateliers von den Fabrikanten oft keine Ersatzteile mehr», erklärt Grauwiller. In diesen Fällen muss die defekte Uhr dem Hersteller eingeschickt werden, der dann die Reparatur übernimmt.

Ein Tröpfchen Öl

Diese Tendenz kommt bei Grauwiller nicht gut an. «Der Kunde ist den Herstellern ausgeliefert.» Die Uhr werde zwar einer fachgerechten Totalrevision unterzogen, doch oft hätte eine Teilreparatur für die nächsten drei bis fünf Jahre einen tadellosen Gang garantieren können. «Manchmal würde ein Tröpfchen Öl an der richtigen Stelle ausreichen. Eine Totalrevision dagegen geht ins Geld», sagt Grauwiller. Als Beispiel nennt er ein Chronographen-Uhrwerk, bei dem er gerade ein Original-Ersatzteil ausgewechselt hat. «Bei einer solchen Uhr kostet eine Totalrevision gegen 900 Franken, die Teilreparatur kommt auf ungefähr 100 Franken zu stehen.»

60 Teilchen pro Uhrwerk

Generell sind Uhrreparaturen nicht günstig. «Wegen einer korrekten Marge auf dem Verkauf von Uhren und auch weil die Kunden keinen Rabattdruck ausgeübt haben, konnten zu Zeiten meiner Eltern gewisse Kleinarbeiten noch kostenlos angeboten werden», sagt Grauwiller. Dies sei heute nicht mehr möglich. Die Reparatur einer mechanischen Uhr koste schnell einmal 200 Franken – ein Preis, der aber gerechtfertigt sei. «In einem fünflibergrossen Uhrwerk stecken bis zu 60 funktionierende Teilchen», weiss der Uhrmacher. Dementsprechend kompliziert und lange kann eine Revision dauern. Da muss Robert Grauwiller das Uhrwerk auseinandernehmen, die Bestandteile alle reinigen und schliesslich die defekten Teile ersetzen. «Bei einem normalen Drei-Zeigeruhrwerk dauert dies ungefähr vier Stunden. Bei einem Chronographen, wo man zusätzlich zur normalen Zeitanzeige noch die Zeit stoppen kann, können es schnell sechs Stunden Arbeit werden.» Am meisten führt Grauwiller in seinem Atelier aber einfache Batteriewechsel durch.

Meist industrielle Herstellung

Was manch einen erstaunen mag: Als Uhrmacher-Rhabilleur produziert Grauwiller selber keine Uhren. «Die meisten Uhren werden heute industriell hergestellt», sagt er. Nur noch die höheren Preisklassen – Uhren ab rund 3000 Franken – würden teilweise von Hand angefertigt. Diese Entwicklung sei seit zehn bis fünfzehn Jahren im Gange; Grauwiller findet dies aber nicht bedauerlich. Alleine die mechanische Arbeit bei der Uhrenherstellung nehme fünf bis sechs Stunden Zeit in Anspruch. «Um eine mechanische Armbanduhr für 300 Franken anbieten zu können, braucht es die industrielle Produktion.»

Feinde der Uhr

«Grundsätzlich läuft eine Uhr 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr – wie unser Herz», sagt Grauwiller. Verschiedene Störfaktoren können diesen Rhythmus aber durcheinanderbringen. Ein Problembereich sind zum Beispiel Magnetfelder. So können Mobiltelefone, Induktionsherde oder Röntgenmaschinen, die alle solche Magnetfelder aufweisen, mechanische Uhren durcheinanderbringen. Daher überprüft der Uhrenspezialist heutzutage standardmässig, ob die Modelle, die ihm zur Reparatur gebracht werden, magnetisch sind. Falls ja, hat er ein kleines Gerät zur Verfügung, mit dem er die Uhren entmagnetisieren kann.

Ein weiterer Feind der Uhr ist Rost. Auch Schläge aufs Uhrwerk oder Wasserkontakt können negative Konsequenzen haben. «Eine wasserfeste Uhr, die regelmässig Wasserkontakt hat, sollte mindestens einmal im Jahr überprüft werden», rät Robert Grauwiller. «Wenn der Kunde auf Wasserdichtigkeit besteht, sollten alle zwei Jahre die Dichtungen ersetzt werden.» Ansonsten müsse die Uhr aber nicht regelmässig zur Revision gebracht werden.

Manchmal bringen Leute auch sehr alte Modelle zum Spezialisten. Die ältesten Uhren, die Grauwiller repariert hat, waren 80 bis 100 Jahre alt. «Solche Kunden brauchen Geduld», sagt Grauwiller. Da er unter Umständen sehr lange nach Ersatzteilchen suchen müsse, könne die Reparatur nämlich viel Zeit in Anspruch nehmen. So befand sich eine Uhr einmal ein ganzes Jahr lang bei ihm im Atelier. «Eines Abends, als ich ungestört war, nahm ich mir die nötige Zeit, die Reparatur zu beenden. Sobald das Uhrwerk wieder tickte, sandte ich der Besitzerin eine Whatsapp-Nachricht: ‹Das Herz Ihrer Uhr schlägt wieder.› Sie hat sich sehr gefreut.»

Ein weiteres Problem bei alten Uhren ist, dass trotz einer Reparatur oft die ursprüngliche Ganggenauigkeit nicht mehr erreicht werden kann. «Meistens finden die Leute dies aber nicht so schlimm», sagt Grauwiller. «Der emotionale Wert einer alten Uhr wird oft höher bewertet als der praktische».

Faszination Mechanik

Grauwiller ist, seit er 1972 seine Lehre begonnen hat, als Uhrmacher-Rhabilleur tätig. Wichtig für einen Uhrmacher sei vor allem ein gutes Fingerspitzengefühl. «Man muss ruhige Hände haben. Gerade bei kleinen Uhren darf man sich nichts erlauben.» Aber auch ein technisches Grundverständnis helfe bei der täglichen Arbeit. «Mich fasziniert besonders das Mechanische. Ich tüftle gerne an einer Uhr herum, um herauszufinden, was das Problem sein könnte, warum sie nicht richtig läuft». Obwohl Uhrmacher ein technischer Beruf sei, brauche man aber auch Kreativität. Schliesslich helfen Grauwiller auch all die Jahre Arbeitserfahrung. «Ich habe bereits viel gesehen und kann mich sicher ein bisschen auf meine Intuition verlassen», sagt er.

Heute werden nur noch wenige Uhrmacher-Rhabilleure ausgebildet. «Die meisten spezialisieren sich auf die Produktion und arbeiten dann in den grossen Industriebetrieben», so Grauwiller. Dies ist eine Entwicklung, die er bedauert. «Es geht viel Wissen verloren. Und wer repariert dann eines Tages die alten Uhren?»

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