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Wenn ein Heim Dorfgespräch ist

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«Die Zustände im Wohnhaus Holzgasse in Kerzers sind nicht mehr tragbar.» Diesen Vorwurf hat ein Bewohner* der betreuten Wohnform der Stiftung des Seebezirks für Erwachsene Behinderte (SSEB) telefonisch den FN zugetragen. «Die Stimmung ist hochexplosiv, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben den Bewohnern falsche Pillen und öffnen deren Briefe.» Auch der Einkauf von Lebensmitteln klappe nicht, «es ist ein einziges ­Chaos, und es hat zu wenig Personal». Auf diese Anschuldigung hin haben sich die FN mit der Leitung in Verbindung gesetzt und sich tags darauf vor Ort ein Bild gemacht.

Das Wohnhaus an der Holzgasse bietet maximal 16 Bewohnern ein Zuhause. Im Moment sind 14 Plätze besetzt. Am Esstisch im einladenden Gemeinschaftsraum stehen nur wenige Stühle bereit. Viele der Bewohner sind auf den Rollstuhl angewiesen. «Die Vorwürfe sind nicht wahr», sagt Cyprian Eggenschwiler, Direktor der Stiftung. «Diese Anschuldigungen sind auf das Krankheitsbild der Person zurückzuführen.» Die FN hatten dem Direktor vor dem Besuch keinen Namen genannt. Dennoch wusste er, um welchen Bewohner es sich handelt. Es seien Einzelne, die Vorwürfe nach aussen tragen, sagt Franziska Eggenschwiler, die sich für die Wohnformen der Stiftung verantwortlich zeigt. «Es ist schon vorgekommen, dass meine Coiffeuse nachfragte, was denn bei uns los sei – weil eine Bewohnerin dort ebenfalls Kundin ist und sich bei ihr über das Heim beschwert hatte.» Das Wohnhaus sei immer mal wieder Dorfgespräch, sei es im Restaurant, im Einkaufsladen oder eben beim Coiffeur, «damit müssen wir leben».

«Das Problem ist oft, dass sich die Krankheit eines Menschen in einem kurzen Gespräch nicht erkennen lässt und das Gegenüber davon ausgeht, dass alles der Wahrheit entspricht», sagt Franziska Eggenschwiler. Kommt nun jemand von aussen mit den Anschuldigungen auf sie zu, «dann darf ich wegen des Persönlichkeitsschutzes nichts über diese Person sagen». Das sei schwierig, und es gebe Momente, da denke sie sich, «das darf doch nicht wahr sein, dass jemand so über uns spricht». Es sei schon ziemlich bitter. «Die Angriffe tun weh. Es braucht eine dicke Haut in diesem Job.» Wenn ein Bewohner mit schlimmen Fluchwörtern zum Personal spricht oder sich nicht an Regeln wie das Rauchverbot hält, «können wir fast gar nichts machen». Solange keine Fremd- oder Selbstgefährdung vorliege, bleibe die Person. «Es gibt Menschen, die nicht mehr sozialisierbar sind.»

Die Zimmer sind grosszügig, im Cheminée im Saal züngeln fröhlich Flammen; es ist schön in dem umgebauten Bauernhaus. Und dennoch: «Niemand kommt gerne hierher», sagt Cyprian Eggenschwiler, «oft ist der Frust sehr gross.» Das Personal kann damit umgehen: «In den letzten fünf Jahren gab es kaum Personalwechsel.»

*Name der Redaktion bekannt

«Die Angriffe tun weh. Es braucht eine dicke Haut in diesem Job.»

Franziska Eggenschwiler

Leiterin Wohnformen SSEB

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