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Wenn ein Orchester am Proben ist

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Was für eine Schar: Die 60 Musikerinnen und Musiker füllen den Saal im OS-Schulhaus Prehl von Murten. Hier probt die Sinfonia Varsovia für ihren Auftritt an den Murten Classics von heute Abend. Punkt 10 Uhr sitzt jeder an seinem Platz. Den Blick auf den Dirigenten gerichtet. Es ist still im Saal. Niemand schwatzt. Keiner lächelt. Eine Schar Musiker, konzentriert und diszipliniert. Was sie hier tun, ist harte Arbeit. Diesen Eindruck jedenfalls vermitteln die ernsthaften Gesichter. Die einen in kurzen Hosen. Der andere mit Flip-Flops. Ein anderer im dicken Wollpullover. Welch ein Unterschied zum gewohnten Look im schicken Smoking.

In Erwartung der Magie

«Rimski-Korsakow», sagt der kanadische Dirigent Charles Olivieri-Munroe, hebt die Hand und das Orchester spielt. Zuerst das ganze Werk, dann einzelne Stellen. «5 Takte vor K», sagt er. Gibt ein fast unsichtbares Zeichen und schon geht’s los. Keiner muss lange suchen. Der Dirigent wendet sich an die Streicher: «Denken sie an den Charakter dieser Passage.» Er visiert die Klarinettisten und fordert sie auf das «Molto dolce» besser zu beachten. «Nochmals dasselbe», ruft er. «Möchte mehr Stakkato, kürzer und präziser, tagg, tagg, tagg.» Und so wird jedes Werk an dieser Generalprobe durchgearbeitet. Zügig und präzis. Keine Knochenarbeit? «Nein, die haben wir bereits in den drei Proben in Warschau geleistet», meint der Dirigent. Ob sich den die Musiker auch wirklich an die einzelnen Stellen so genau erinnern, wenn es ernst gilt? «Noch mehr als das», sagt der 45-Jährige lächelnd. »Abends im Konzert erwarte ich das Magische, das Überraschende, den beseelten Einsatz.»

Keine Zeit fürs Vergnügen

Nach eineinhalb Stunden ist Pause. Die Musiker holen sich einen Kaffee und setzten sich draussen an die Sonne. Vereinzelte bleiben. Violinisten und Bläser spielen weiter. Vehement in aller Lautstärke. Eine Kakofonie, die einem aus dem Saal treibt. Auch den Geiger Staniewicz. Er ist zum ersten Mal in Murten. Auf die Frage, ob er sich die Region angesehen habe, meint er: «Wir haben keine Zeit fürs Stedtli. Entweder müssen wir üben oder uns erholen.» Aber um ein Uhr ist doch Schluss mit der Probe? «Ja aber da muss ich ins Hotel und zwei Stunden schlafen, damit ich abends fit bin», sagt er mit ernsthafter Mine. Das Orchester ist im Hotel Lully bei Estavayer-le-Lac untergebracht.

Weit gereistes Orchester

 Auf den Treppen im Saal sitzt auch Janosz Marynowski. Einst war er Kontrabassist im Orchester, jetzt ist er Direktor. Seit 27 Jahren hat er die Fäden in der Hand und organisiert die vielen Reisen. Die Sinfonia Varsovia sei weltweit gesehen das meistgereiste Orchester, betont Marynowski. «Wir haben in Warschau keinen geeigneten Konzertsaal und waren daher von Anfang an gezwungen, zu reisen.»

 Rund 110 Konzerte gibt das Orchester jedes Jahr, davon 50 auf Tourneen. Auch in Gstaad und Zürich treten die Musiker aus Warschau regelmässig auf. «Jetzt kommen wir grad aus Südfrankreich, und nach Murten verbringen wir ein paar Tage zu Hause, bevor wir nach Brüssel reisen.» Ein anstrengendes Musikerleben–und trotzdem begehrt, wie Marynowski bemerkt. «Unsere Neulinge haben das Privileg, ein Jahr lang mit dem Konzertmeister zu arbeiten, bevor sie Orchester voll eingesetzt werden», fügt er bei. Das Orchester–vor 30 Jahren gegründet – wurde vom berühmten Geiger Yehudi Menuhin, Gründer des Festivals von Gstaad, gefördert. Heute zählt die Sinfonia Varsovia zu den Toporchestern.

Sinfoniekonzert: Sa., 23.8., 20 Uhr, Schlosshof Murten, Leitung Kaspar Zehnder.Tickets: 0900 325 325.

Joel von Lerber. Bild Charles Ellena

Musiker: Der Harfenist aus Bern

A m Rand des Orchesters sitzt Joel von Lerber, einziger Musiker, den das Orchester beigezogen hat. Ein junger Mann – aufgewachsen in Riggisberg – mit Punkfrisur und Piercing. Smart und schlank, in weisser Hose und Turnschuhen. Wahrlich alles andere als ein Typischer aus der Klassikbranche.

«Nur weil ich jetzt Harfe spiele, will ich doch nicht aussehen wie ein blonder Engel», meint er lachend. Der 23-jährige Harfenist ist eine Ausnahmeerscheinung im wahrsten Sinn des Wortes. Normalerweise sitzen Frauen am Instrument. «Ich wollte schon mit vier Jahren Harfe spielen. Doch meine Eltern, die beide keine Musiker sind, nahmen das mir nicht so recht ab», meint der Harfenist. «Mit 6 hatte ich dann meinen ersten Unterricht in Basel.» So war Joel von Lerber mit 14 Jahren bereits Mitglied des Jugendorchesters Bern und gab die ersten Konzerte als Solist. Mittlerweile hat er einige Preise gewonnen. Darunter zwei Mal den Studienpreis des Migros Kulturprozentes. Joel von Lerber studiert zurzeit an der Hochschule für Musik «Hanns Eisler» in Berlin wo er mit dem Master of Music abschliessen wird. il

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