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Wenn Erwachsene Lesen und Schreiben lernen

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Autor: Imelda Ruffieux

Spätestens seit der aktuelle Mister Schweiz, André Reithebuch, zugegeben hat, Mühe mit Lesen und Schreiben zu haben, ist das Thema Illetrismus wieder aktuell. Gemäss einer Studie haben bis zu 800 000 Erwachsene in der Schweiz Mühe, einfache Texte zu verstehen.

Viele von ihnen schlagen sich auch ohne diese Fähigkeit durchs Leben, weichen dem Problem geschickt aus und trauen sich nach einer gewissen Zeit aus Scham nicht mehr, ihre Probleme einzugestehen und Hilfe zu holen. «Die Gründe, warum es so weit kommt, sind sehr vielfältig», hält Ann Walser fest. Sie hat Anfang September die Aufgabe der deutschsprachigen Koordinatorin beim Verein Lesen und Schreiben (siehe Kasten) übernommen.

Verschiedenste Gründe

«Einige haben eine Lernschwäche, z. B. eine Legasthenie, die in der Schule nie erkannt wurde», erklärt sie. «Andere hatten während ihrer Schulzeit ein einschneidendes Erlebnis, einen Todesfall in der Familie, die Scheidung der Eltern. Das hat ihr Schulleben derart beeinträchtigt, dass sie den Anschluss nie wieder gefunden haben.» Es gebe auch Fälle von Kindern, in deren Familien die geschriebene Sprache nicht angewandt worden sei: keine Bücher, keine Zeitungen oder Zeitschriften. «So hatten sie schon als Kind kaum Zugang zum geschriebenen Wort.»

Auch Menschen mit einem Migrationshintergrund haben oft Probleme, Texte in der für sie fremden Sprache zu lesen. «Sie lernen meistens Dialekt, können aber schriftdeutsche Texte nicht verstehen», erklärt Ann Walser. In anderen Fällen sind es ältere Leute, welche die Fähigkeit zu lesen oder zu schreiben verloren haben, etwa, wenn der Ehepartner stets alles «Schriftliche» erledigt hat.

Schwierig zu erreichen

Gerade weil Illettristen – also Menschen mit einer Leseschwäche – aus den verschiedensten Altersstufen, sozialen Gruppen und Berufsgattungen kommen, ist es schwierig, die Betroffenen zu erreichen. Ein Zeitungsartikel oder Broschüren erreichen sie gar nicht erst, weil sie ja in der Regel nicht Zeitung lesen. «Es ist halt immer noch ein grosses Tabu-Thema», sagt Ann Walser. Am besten erreiche man sie über Mund-zu-Mund-Propaganda.

«Wenn jemand merkt, dass es andere mit dem gleichen Problem gibt, geben sie sich einen Ruck.» Auch Radiospots oder Standaktionen auf Märkten seien geeignete Wege.

Jahrelang versteckt

«Viele haben Mühe, diesen Schritt zu machen.» Sie erzählt von einem Fall, bei dem nicht einmal der Ehepartner vom Problem wusste, weil der Betroffene es jahrelang geschickt versteckt hatte. «Manche werden dann plötzlich dazu gezwungen, sich dem Problem zu stellen.» Bei einigen ändern sich zum Beispiel die beruflichen Anforderungen: Der bisher hauptsächlich handwerklich tätige Mann muss nun auch Arbeitsrapporte ausfüllen.

Motivation durch Kinder

Einige raffen sich erst auf, wenn zum Beispiel die Kinder in die Schule gehen und sie Elternmitteilungen nicht verstehen oder ihren Kindern bei den Hausaufgaben nicht helfen können. «Sie verstecken sich und verlieren je länger je stärker an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen», erklärt Ann Walser. «Je mehr man über das Problem spricht und die Gesellschaft dafür sensibilisiert, desto kleiner wird das Tabu.»

Individuelle Kurse

Durch die Kurse, die der Verein Lesen und Schreiben organisiert, wird ihre Lebensqualität und die Selbständigkeit massiv verbessert. In kleinen Gruppen von fünf bis acht Personen werden die Teilnehmer von Fachpersonen (Erwachsenenbildner) unterrichtet. «Diese Kursleiter gehen individuell auf die Probleme der Teilnehmer ein», hält Ann Walser fest. Der Unterricht ist sehr praxisbezogen: Es werden Einkaufslisten geschrieben, Beipackzettel erklärt, Formulare ausgefüllt und Schulmaterial entziffert. Ein Vorteil ist auch, dass die Kurse fortlaufend sind: Ein Teilnehmer kann jederzeit einsteigen. «Einige sind schon seit Jahren dabei und verbessern sich schrittweise.» Es gehe darum, sich kleine Ziele zu stecken und die Teilnehmer zu motivieren, dran zu bleiben. «Es ist ein Erfolgserlebnis, wenn jemand zum ersten Mal einen Brief schreibt», führt die Koordinatorin aus.

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