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Wer den Vorhang hebt, sieht das Himmelreich

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Wort zum Sonntag

Autor: Urs Zimmermann/Kipa

Wer den Vorhang hebt, sieht das Himmelreich

Sie warten auf ihren grossen Auftritt. Ich meine die Krippenfiguren: Maria, Josef und das Kind, die Hirten, der Engel, die Könige und das Kamel. Im Advent tun sie das eigentlich immer, aber dieses Mal ist es anders.

Für gewöhnlich warten sie im Kirchenestrich. Aber jetzt wird die Kirche renoviert. Sie musste leergeräumt werden, ganz, auch der Estrich. Die Krippenfiguren mussten weg. Wohin? Es wurde ein provisorischer Gottesdienstraum eingerichtet, und alle liturgischen Geräte fanden irgendwo Platz. Nur die Krippenfiguren, einen Meter hoch, in Gips, zerbrechlich und schwer, waren nirgends unterzubringen. Man trug sie in den «neuen» Gottesdienstraum und stellte sie in eine Ecke. Etwas anderes fand sich nicht. Aber sehen durfte sie jetzt noch keiner. Im Advent ist es dafür zu früh. Und deshalb fertigte man einen Vorhang an und verdeckte sie.

Im Advent waren sie noch nie so nahe. Ich meine die Krippenfiguren. Normalerweise stehen sie im Kirchenestrich. Jetzt trennt sie nur ein Vorhang von der feiernden Gemeinde.

Würde dieser Vorhang angehoben, wären sie zu sehen. Der Engel zum Beispiel, und wer die Weihnachtsgeschichte kennt, würde sich an seine Botschaft erinnern: «Fürchtet Euch nicht!» Die Hirten wären zu sehen, und wer die Weihnachtsgeschichte kennt, würde sich erinnern, dass sie froh von der Krippe zurückkehrten, und annehmen, dass diese Freude ihren Alltag trug. Maria wäre zu sehen und mit ihr auch ihre Offenheit für das Wunder. Und die Könige wären da. Sie trauten ihrer Sehnsucht, machten sich auf und gelangten ans grosse Ziel. Es bräuchte nur jemand den Vorhang zu heben, und alles wäre sichtbar. So nahe sind sie.

Nahe? Wie das Himmelreich etwa? In jeder Kirche wird es am 2. Advent verkündet. «Das Himmelreich ist nahe.» Der Täufer predigt so. Nahe? Vielleicht ähnlich nahe wie die Krippenfiguren? Bloss verdeckt durch einen Vorhang. Und würde dieser Vorhang angehoben, wäre das Himmelreich zu sehen. Warum nicht? Nur, wo ist dieser Vorhang? Wie ist er zu heben? Was bekäme man zu sehen? Antwort: Suchen, ausprobieren und sich von den Krippenfiguren hinter dem Vorhang leiten lassen.

So könnte es gehen: Die Partnerin, den Partner oder einen Freund sehen, den Vorhang heben, in ihnen den Engel erkennen und die Botschaft hören «Fürchte Dich nicht!» Auf mich kannst du zählen.

Liebe Menschen sehen, die Kinder vielleicht oder die Enkel, den Vorhang heben, und in ihnen erkennen, was den Hirten Freude machte und ihren Alltag trug.

Werdendes Leben sehen oder den Kreis der Jahreszeiten, den Vorhang heben und darin das Wunder erkennen, wie es Maria tat.

Auf meine Sehnsucht hören, den Vorhang heben und in ihr die Stimme erkennen, die schon die Könige zum grossen Ziel führte.

Wo Angst vergeht, wo Freude den Alltag trägt, wo Wunder geschehen, und wo man der Sehnsucht traut und sich aufmacht, da ist das Himmelreich. Es ist nahe. Wir brauchen bloss den Vorhang zu heben.

Urs Zimmermann (*1964) ist Pfarrer in Bad Zurzach, Kanton Aargau, priesterlicher Mitarbeiter im Pfarreienverband Zurzach-Studenland und betreut die Wallfahrt zur Heiligen Verena.

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