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«Wer eine Arbeit hat, hat eine Würde»

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Mit seinem weissen Bart und seinem ansteckenden Humor ist Bernard Tétard eine echt charismatische Person. «Mein Amt war für mich stets mehr als nur ein blosser Beruf», zieht er Bilanz. «Es war eine echte Leidenschaft.» Aus seinen Klienten sind im Laufe seiner zwölfjährigen Tätigkeit als kantonaler Delegierter für Integration längst seine Freunde geworden. «Mehr als die Hälfte der Nummern, die ich auf meinem Mobiltelefon gespeichert habe, sind Nummern von Migranten», schmunzelt der 65-Jährige. «Heute Morgen traf ich mich mit einem Portugiesen, morgen treffe ich mich mit einem Türke …» So habe sich ein regelrechtes Netzwerk ergeben. Auch den Kioskinhaber am Perolles-Park kennt er schon lange – ein Sri Lanker. «Er war damals der erste unbegleitete minderjährige Migrant im Kanton Freiburg», erinnert er sich. «Mittlerweile hat er sich selbst eine Existenz aufgebaut und begrüsst mich aber immer noch fröhlich, wenn er mich sieht.»

Am meisten gefalle ihm an seiner Arbeit das Teilen und Helfen – das konkrete Liefern von Antworten auf die Frage, wie Migranten ihr Leben konkret verbessern könnten. Sicher habe es auch schwierige Momente gegeben.

Man dürfe nicht vergessen, dass viele Migranten aus Kriegsgebieten kämen und oft entsprechend traumatisiert seien. «Aber ich fing jeden Morgen wieder aufs Neue an und sinnierte nicht den Geschichten von gestern hinterher», so Tétard. «Das war aber auch nötig – denn anders hätte ich mich auf meinen neuen, heutigen Klienten auch gar nicht einstellen können.»

Tétard ist einer, der das Gespür für die verschiedenen ethnischen Gemeinschaften hat, der sie aufsucht, um das Gespräch mit ihnen zu führen. «Die mit Abstand grösste ausländische Gruppierung im Kanton sind die Portugiesen», gibt er zu bedenken. «Es gibt 25 000 von ihnen im Freiburgerland, das sind 7 Prozent der Bevölkerung.» So gebe es etwa Baufirmen, wo die Portugiesen über die Hälfte der Belegschaft ausmachen.

Afrika: «ein ganzer Kontinent»

Die zweithäufigste Gruppe seien unerwarteterweise die Franzosen. Ihre Gemeinschaft mache immerhin auch etwa 10 000 Personen aus. Dann kämen die Albaner, Ex-Jugoslawen, Italiener, Spanier und die Deutschen. Von diesen gebe es hier jeweils einige 100 Personen. Insgesamt würden über 70 000 Migranten im Kanton Freiburg leben. «Als ich vor zwölf Jahren anfing, waren es noch 39 000», so Tétard.

Und die Schwarzafrikaner? Dass sie in den Statistiken erst weiter unten auftauchen, hat laut dem Integrationsdelegierten einen einfachen Grund. «Afrika ist ein ganzer Kontinent, der aus diversen kleineren Ländern wie Eritrea, Togo oder Tschad besteht», sagt er. Würde man alle Afrikaner zusammenzählen, so würden sie wohl etwa an vierter oder fünfter Position rangieren. Es gebe alleine rund 800 Eritreer im Freiburgischen.

«Das Wichtigste für eine erfolgreiche Integration ist immer noch die Kenntnis der Sprache», ist sich Tétard sicher. Dies könne in unserem Kanton das Deutsche oder das Französische sein – je nachdem, in was für einer Gemeinde sich ­jemand aufhalte. Er ­habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass Sprachkurse ­erfolgreicher seien, wenn sie von Landsleuten gehalten würden – wenn etwa Portugiesen andere Portugiesen unterrichten würden. Und nur wer die Sprache beherrsche, habe auch Zugang zu den nötigen Informationen, um sich im Sozial­leben überhaupt einmal zurechtzufinden.

Muslime und der Extremismus

Der zweitwichtigste Faktor sei die Arbeit. «Wer eine Arbeit hat, hat auch eine Würde», so Tétard. «Denn dann ist er ein Teil der Gesellschaft.» Vor allem junge Migranten – und das sei das Schöne – wollten sich ja eben integrieren. Natürlich gebe es auch schwarze Schafe, aber die allermeisten von ihnen wünschten sich nichts anderes als eine sichere Existenz für sich und ihre Kinder.

Das mit den Vorurteilen gegen Ausländer sei sowieso so eine Sache: Laut Tétard beruhen sie vor allem auf Unkenntnis. «Sobald man sich aber persönlich kennt, wird alles viel einfacher», bemerkt er dazu. «Die Integration funktioniert bei uns im Alltag in der Regel gut», ist er sich sicher. Dies gelte namentlich auch für die muslimische Gemeinschaft – obwohl Muslime zum Teil darunter leiden würden, dass man sie mit Extremisten verwechsle. «Für moderne, integrierte Muslime ist dies etwas schwierig zu verstehen», so Tétard. Eigentliche Ausländerghettos wie etwa in Frankreich gebe es in der Schweiz nicht. Hier würden sich alle gesellschaftlichen und ethnischen Schichten in der Regel viel besser durchmischen als in unserem westlichen Nachbarland.

Zuvor beim Roten Kreuz

Die Integrationsarbeit ist dem heute in Bulle wohnhaften 65-Jährigen in keiner Weise in die Wiege gelegt worden. Zwar arbeitete er schon 17 Jahre für das Freiburgische Rote Kreuz mit Asylbewerbern, bevor er seine Stelle als Integrationsdelegierter am 1. April 2005 antrat. Insgesamt war er aber ein «absoluter Quereinsteiger» in diesem Sektor.

Sein Amt nun abzugeben, fällt ihm nicht besonders schwer. «Ich habe meine Arbeit gemacht», schmunzelt er. «Jetzt beginnt eine neue Etappe im Leben. Man nennt die Rente in Spanien schliesslich nicht umsonst die Zeit des Jubilierens!» Das Aufhören falle ihm auch deshalb leicht, weil er wisse, dass er ein ausgezeichnet funktionierendes Team hinterlasse. Und seine Nachfolgerin Giuseppina Greco habe ihn ja schon seit Jahren bei seiner Arbeit unterstützt. Zudem spreche sie fliessend deutsch, französisch und italienisch, was für dieses Amt wichtig sei.

Nach Kanada und Bhutan

Und was macht der Rentner Bernard Tétard? «Ich habe verschiedene Hobbys», antwortet er. «Dazu gehört das Sammeln historischer Postkarten, Flohmärkte, aber auch die Traditionelle Chinesische Medizin.» Hierfür habe er erst gerade eine Ausbildung begonnen. Denn Lernen sei für ihn ein lebenslanger Prozess. Nicht zuletzt wolle er aber auch mehr Zeit mit seinen zwei 20- und 25-jährigen Kindern verbringen. Und er habe zwei Traumziele: Kanada und Bhutan. Aus­serdem ist er diesen Sommer zu einer Hochzeit in den Kosovo eingeladen – von einem ehemaligen Klienten …

«Ich fing jeden Morgen wieder aufs Neue an und sinnierte nicht den Geschichten von gestern hinterher.»

Bernard Tétard

Integrationsdelegierter

Integrationsförderung

Seit 13 Jahren ein Thema im Kanton

Die Integrationsförderung im Kanton begann 2004 mit der Einsetzung der kantonalen Kommission für die Inte­gra­tion der Migrantinnen und Migranten und für Rassismusprävention. 2005 wurde die Stelle des Integrationsdelegierten geschaffen, die seither mit Bernard Tétard besetzt war, der nun sein Amt an Giuseppina Greco abgibt. 2008 wurde das kantonale Leitbild zur Integration genehmigt. Das entsprechende Gesetz über die Integrationsförderung und Rassismusprävention wurde 2011 vom Grossen Rat verabschiedet, die zugehörige Verordnung trat 2012 in Kraft.

jcg

 

«Mein Amt war für mich stets mehr als nur ein blosser Beruf. Es war eine echte Leidenschaft.»

Bernard Tétard

Integrationsdelegierter

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