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«Wer mit dem König paktiert, ist nicht neutral»

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November 1516. Seit Tagen schon halten sich bis zu 30 Gesandte aus den 13 Orten der damaligen Eidgenossenschaft in der Stadt Freiburg auf. Die Herbergen sind voll, Mahlzeiten müssen zubereitet werden, es wird viel Wein getrunken und verhandelt. Es ist ein Hin und Her. Die Gesandten müssen immer wieder zurück in ihre Orte reiten, um Rücksprache zu nehmen. Der Chefunterhändler des französischen Königs mahnt darum: «Geht nicht nach Hause, lasst euch Vollmachten geben.» Er sorgt sich, dass die Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und der Schweiz scheitern könnten.

Am 29. November 1516 aber – mehr als ein Jahr nach der verheerenden Niederlage der Eidgenossen bei Marignano (13./14. September 1515) – gelingt dann doch noch der Durchbruch: Der Ewige Frieden von Freiburg zwischen den 13 Orten (Zürich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Glarus, Basel, Freiburg, Solothurn, Schaffhausen und Appenzell), ihren zugewandten Gebieten (Abt und Stadt St. Gallen, Drei Bünde, Wallis und Stadt Mülhausen) und dem König von Frankreich ist zum Besiegeln bereit.

So beschreibt die Freiburger Historikerin und ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin am Staatsarchiv Kathrin Utz Tremp das Geschehen von damals. Sie ist im Organisationskomitee für die Feierlichkeiten zum Ewigen Frieden. Die FN sprachen mit ihr.

Kathrin Utz, dem Friedensvertrag von 1516 gingen kriegerische Auseinandersetzungen voraus. Es ging um die Eroberung des Herzogtums von Mailand, die in der Schlacht von Marignano gipfelte. Welche Mächte standen sich damals gegenüber?

Das waren keine gleichgestellten Mächte, das ist ja das Seltsame. Es ging um das Herzogtum Mailand, das weder dem französischen König noch den Eidgenossen gehörte. Die Eidgenossenschaft war ein Kon­glomerat von 13 Orten, die sich kaum je einig waren. Es war kein Staatenbund und noch weniger ein Bundesstaat, es war ein Bündnisgeflecht. Zunächst kämpften Schweizer Söldner im Rahmen eines Soldbündnisses mit Frankreich an der Seite des Königs. Als das Bündnis mit Frankreich 1509 auslief, halfen sodann wiederum Schweizer Söldner diesmal dem Herzog von Mailand, die Franzosen zu vertreiben. Bei der Schlacht von Marignano wurden sie von den Franzosen aber geschlagen. Dies auch deshalb, weil kurz vor Schlachtbeginn Bern, Freiburg und Solothurn bei Gallarate einen Sonderfrieden mit Frankreich abgeschlossen hatten, und sie ihre Männer daraufhin abzogen.

Die genannten Orte stimmten dem sogenannten Vertrag von Gallarate zu, der im Wesentlichen den Verzicht auf Mailand und die eroberten Gebiete im Tessin beinhaltete. Was war mit den anderen Orten der Eidgenossenschaft?

Handelsstädte wie Zürich, Basel und Schaffhausen wollten die eroberten Gebiete behalten. Die Interessen innerhalb der 13 Orte waren sehr unterschiedlich. Die westlichen Orte wollten den Frieden mit Frankreich. Die Zentralschweizer Orte wollten den Süden nicht aufgeben und Handelsbeziehungen mit Mailand. Obwohl insgesamt acht Orte, darunter Freiburg, für die Rückgabe der eroberten Gebiete waren, konnten sie sich nicht gegen die fünf anderen durchsetzen. Denn in der Tagsatzung (Kongress der Abgesandten der Alten Orte) galt nicht der Mehrheitsbeschluss.

Dennoch bekamen Bern, Freiburg und Solothurn kurz nach der Schlacht von Marignano die Vollmacht, mit Frankreich zu verhandeln.

Ja, aber das Ergebnis – der Frieden von Genf am 7. November 1515 – fand bei den Eidgenossen keine Zustimmung. Er war zu überstürzt abgeschlossen worden. Denn es war nicht nur ein Friedensvertrag, sondern beinhaltete ein Bündnis mit dem König von Frankreich. Das heisst, dieser hätte wieder das Recht auf Schweizer Söldner gehabt. Und der Vertrag beinhaltete immer noch die Aufgabe der südlichen Vogteien. Und das wollten die Kantone Zürich, Uri, Schwyz, Basel und Schaffhausen um keinen Preis.

Vom 7. November 1515 bis zum 29. November 1516 wurde mehr als ein Jahr lang verhandelt bis der Ewige Frieden von Freiburg endlich besiegelt werden konnte. Welche Position innerhalb der Eidgenossenschaft hatte sich durchgesetzt?

Die der fünf Orte. Denn der Ewige Frieden war immer noch kein Bündnis, und die eroberten Gebiete Lugano und Locarno verblieben in den Händen der Eidgenossen.

Der französische König erkaufte sich den Frieden regelrecht mit einer riesigen Kriegsentschädigung, warum machte er das?

Weil er unbedingt ein Bündnis mit den Schweizern wollte, was er mit dem Ewigen Frieden von Freiburg noch nicht erreicht hatte. Denn die Eidgenossen waren unglaublich begehrt als Söldner. Der Kaiser, die Engländer, die Spanier, alle wollten sie. Durch den einjährigen Widerstand der fünf Orte nach dem Frieden von Genf respektive nach der Schlacht von Marignano holten darum die Eidgenossen mit dem Ewigen Frieden von Freiburg das Maximum heraus, wovon übrigens auch die unterlegenen Orte profitierten. Fünf Jahre später, 1521, bekam der König mit dem Soldbündnis von Luzern übrigens doch noch, was er wollte.

Freiburg gehörte zu den unterlegenen Orten, wie kam es trotzdem dazu, dass es zur Hauptstadt der Diplomatie wurde?

Es kristallisiert sich in der Geschichtsforschung immer mehr heraus, dass es wegen seiner potenten Kanzlei war. Sie war fähig, die Schriften auf lateinisch, deutsch und französisch zu verfassen. Freiburg war zudem der westliche Aussenposten der Eidgenossenschaft.

Im Zusammenhang mit der Schlacht von Marignano und in der Folge mit dem Friedensvertrag ist oft zu lesen, dass die beiden Ereignisse der Anfang der Schweizerischen Neutralität und einer gemeinsamen Aussenpolitik sind, ist das so?

Nein. Das sind Thesen, die die SVP bei den letztjährigen Feierlichkeiten zur Schlacht von Marignano gerne kolportierte. Das stimmt nicht. Wer mit seinem mächtigen Nachbarn ein Soldbündnis eingeht, wie das fünf Jahre nach dem Ewigen Frieden von Freiburg in Luzern geschah, ist nicht neutral. Und den Beginn einer gemeinsamen Aussenpolitik kann ich auch nicht ausmachen. Dafür waren die Tagsatzungen im Hinblick auf den Ewigen Frieden viel zu unprofessionell. Die Eidgenossen waren uneins. Mit dem Ewigen Frieden hatten sie höchstens etwas Gemeinsames, das sie zusammen mit den gemeinsamen Herrschaften etwa über das Thurgau und das Tessin zusammenhielt. Erst danach wurden sie – furchtbar langsam allerdings – zum Staat.

Gilt das Abkommen heute noch?

Nein, es wurde zwar nie ausser Kraft gesetzt, aber gebrochen, und zwar als die französischen Revolutionäre die Eidgenossenschaft 1798 besetzten. Aber immerhin hielt der Vertrag 400 Jahre lang.

Was können wir aus dem Ewigen Frieden lernen?

Nichts.

Nichts?

Ja, aus der Geschichte lernt man nur begrenzt etwas.

Warum feiern wir denn?

Es ist schöner, einen Frieden zu feiern als eine Schlacht. Mir geht es bei den Feiern zum Ewigen Frieden ums Verstehen, ums Kontextualisieren, um Aufklärung, um Forschung. Darum bin ich auch im Organisationskomitee zu den Feierlichkeiten. Und weil ich hoffe, die Geschichtsklitterung, welche die SVP letztes Jahr bei den Feiern zur Schlacht von Marignano betrieben hat, ein wenig korrigieren zu können.

Programm

Gedenktafel und Theater

Nach dem offiziellen Gedenkakt zum 500. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrags über den Ewigen Frieden zwischen der Schweiz und Frankreich in der Aula Magna der Universität Freiburg, bei dem auch Bundesrat Guy Parmelin spricht, wird um 17.30 Uhr auf dem Rathausplatz eine Gedenktafel enthüllt. Dazu ist die ganze Bevölkerung eingeladen. Redner sind der Syndic der Stadt Freiburg Thierry Steiert, Staatsratspräsidentin Marie Garnier sowie Eric Davoine, Professor der Uni Freiburg und französischer Staatsbürger. Der Anlass wird von der Landwehr und der Concordia musikalisch untermalt. Dazu wird ein Aperitif spendiert. Um 19.30 Uhr findet die öffentliche Vorstellung des Theaters «Der Kampf um den Frieden» in der Aula Magna der Universität statt (siehe Text links). Weitere Vorstellungen sind am 2. Dezember um 20 Uhr und am 4. Dezember um 17 Uhr. Vom 29. November bis zum 11. Dezember gibt es zudem eine Ausstellung zum Ewigen Frieden von 1516 im Franziskanerkloster der Stadt Freiburg.

rsa

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