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Wer steckt heute im Nachthemd?

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Wer steckt heute im Nachthemd?

Autor: Imelda ruffieux (Text) und Charles Ellena (Bilder)

Es ist kurz vor 19 Uhr. Die Tribüne ist noch leer, und vor der Kulisse des Bauernhauses, wo eine Stunde später das Freilichtspiel aufgeführt wird, treffen langsam die Schauspielerinnen und Schauspieler ein.

Man grüsst sich, lässt den einen oder anderen Spruch fallen. Regisseur Mark Kessler lobt sie für ihre bisherige Leistung und ermuntert sie, die Konzentration weiter zu behalten. Er teilt ihnen auch mit, dass der Trägerverein erste Überlegungen anstellt, ob es allenfalls im nächsten Jahr eine Neuaufführung geben soll. «Entschieden ist noch nichts», betont er.

Grosser Einsatz

«Es geht schon ans Limit», sagt Mark Kessler später und spricht dabei den Einsatz an, den die Truppe allein in der Woche zuvor mit sechs Vorstellungen erbringen musste. «Manche kommen direkt von der Arbeit an den Spielort, und vor Mitternacht kommt keiner nach Hause.»

Nur eine Rolle wechselt

Den Spielerinnen und Spielern ist keine Müdigkeit anzusehen. Alle scheinen das anstrengende Programm gut zu verkraften. Niemand wurde krank oder fiel gar aus. Nur bei einer Rolle gibt es ständig einen Wechsel in der Besetzung: Sozusagen als «Running Gag» wird die sogenannte «Nachthemden-Figur» bei fast jeder Vorstellung von jemand anderem gespielt: Kürzlich waren die Staatsräte Beat Vonlanthen und Erwin Jutzet an der Reihe, einmal ist es jemand vom Vereinsvorstand, dreimal war es schon Romanautor Christian Schmutz oder auch einmal Regisseur Mark Kessler.

Wer diese Rolle noch verkörpern wird, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur soviel: Man munkelt, dass auch der Chefredaktor einer deutschsprachigen Tageszeitung sich nicht zu schade sei, mal im Nachthemd aufzutreten …

Bisher Wetterglück

Zwei Wochen sind bereits gespielt, knapp zwei Wochen stehen noch bevor. Der Regisseur selbst hat seit den ersten Vorführungen eigentlich nicht mehr viel zu tun, oder? «Das Wetter stresst mich am meisten», sagt er mit einem Blick auf den wolkenverhangenen Himmel. Bisher hatte man diesbezüglich Glück, nur bei einer der Hauptprobe hat es ziemlich geregnet.

Perfekte Verwandlungen

Gegen 19.30 Uhr sind alle umgekleidet und geschminkt. Hie und da wird noch eine Frisur zurechtgezupft. Aus dem Bfu-Berater ist flugs ein Polizist geworden, und Kathrin Zurkinden alias Margrit hat sich dank passender Kleidung und vor allem durch die eingeflochtenen Haare von einer Primarlehrerin in eine junge Frau vom Lande verwandelt.

Atmen, hüpfen, schütteln

Eine nervöse Ausgelassenheit ist beim Einwärmen in der Truppe zu spüren. Simon Käser, Schauspielschüler in Bern, animiert die Spielerinnen und Spieler dazu, tief ein- und auszuatmen, sich zu schütteln, zu hüpfen, sich zu bewegen, zu lockern und macht mit ihnen Wortspiele.

Es ist jetzt zehn Minuten vor Spielbeginn. Einige der Darsteller wiederholen im Geist oder auch halblaut ihre ersten Sätze. Andere schauen noch rasch nach den Requisiten. Wo ist das alte Militärvelo? Wo sind die Fackeln? Jeder Spieler ist in seiner Szene selbst für seine Requisiten zuständig.

Worte, Mimik und Gestik

Einige stärken sich an einer kalten Platte, die vor allem für Spätankömmlinge bereit steht. Man sieht vielen an, dass sie die Nervosität abzuschütteln versuchen. «Ich muss mich jedes Mal wieder neu in die Rolle hineinversetzen», sagt Markus Cotting alias Polizist Raemy.

Er denke daran, wie sich ein Polizist in den 1930er-Jahren gefühlt habe: in der Bevölkerung nicht anerkannt, schlecht bezahlt und durch die Vorgesetzten unter Druck gesetzt. «Diese Gefühle versuche ich in die Rolle einzubringen, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gestik und Mimik.»

Was wäre, wenn …?

«Die Unzuverlässigsten sind die beiden Motorräder», sagt Mark Kessler. Jeden Abend brauchen die Töffs, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, ein paar Anläufe, bis sie schön rund laufen. Offenbar trauen die «Hintercher-Buebe» der Sache nicht ganz. Wenige Minuten vor Spielbeginn hört man sie über einen Alternativ-Dialog beratschlagen – falls die Maschinen tatsächlich einmal versagen sollten.

Ins richtige Licht gerückt

Auch Cheftechniker Kari Ott ist bereit. Er hat für die richtige Beleuchtung in jeder Szene extra ein Drehbuch geschrieben. Er sorgt auch dafür, dass die Spieler im richtigen Moment die Bühne betreten: Mittels Funkgerät an drei Orten weist er ihnen den Einsatz zu. «Das erfordert zweieinhalb Stunden volle Konzentration», erklärt er.

Auf den Glockenschlag

Es ist fünf Minuten vor 20 Uhr. Die Tribüne ist längst gefüllt. Gespannte Erwartung macht sich im Publikum breit. Dann erfolgt das Startsignal: Die Turmuhr der Pfarrkirche Alterswil schlägt acht Mal, und die Glocken läuten. Kaum sind sie verstummt, betreten die Hintercher-Buebe die Szene und machen es sich auf dem Bockwägeli bequem. Die Musik beginnt zu spielen, und es wird auf einmal still in den Zuschauerreihen …

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