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Wider die Eishockey-Götter

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 Auf der Pressetribüne hatten die Freiburger Journalisten ihre Fragen für die Saisonbilanz parat, und auf den Zuschauerrängen waren die Fans so frustriert, dass bei jedem Unterbruch Dutzende Matchprogramme auf das Eis flogen. Gottéron war eigentlich bereits in den Ferien. Schwierig zu sagen, wann das Saisonende am unausweichlichsten schien. Als Christian Dubé 2:55 Minuten vor Schluss beim Stand von 0:1 eine Zweiminuten-Strafe kassierte? Als Romano Lemm 30 Sekunden vor Schluss losziehen konnte und auf sicherem Weg zu sein schien, das 2:0 in das verwaiste Freiburger Tor zu schiessen?

Vandermeers Aussetzer

Es erwies sich beides nicht als entscheidend. Weil Kloten am Samstag zwar eine starke Partie zeigte, in den entscheidenden Situationen für einmal aber nicht vor Fehlern gefeit war: Lemm traf, im letzten Moment von Julien Sprunger gestört, den Puck nicht, und den Vorteil der Überzahl nahmen sich die Flieger eineinhalb Minuten vor Schluss selbst, als Jim Vandermeer im Powerplay den Puck völlig unbedarft Andrei Bykow in die Beine schoss. Um ihn am Konter zu hindern, musste Vandermeer Bykow daraufhin von den Beinen holen. Diese Zweiminutenstrafe ermöglichte Freiburg am Ende, ohne Torhüter mit sechs gegen vier Feldspieler anzutreten. So ereignete sich die Szene, die das St. Leonhard in Ausnahmezustand versetzte, die Szene, die sich wohl mancher Gottéron-Fan am Sonntag wieder und wieder im TV anschaute. Dubé gewann zehn Sekunden vor Schluss das wichtige Bully gegen Tommi Santala, aus dem Gewühl heraus kam die Scheibe noch einmal zu Dubé, der den Puck vors Tor brachte, wo ihn Sprunger vier Sekunden vor der Sirene reinstocherte. Ausgerechnet Sprunger, der zuvor in der gesamten Serie ohne Skorerpunkt geblieben war, der mit einer speziellen Plastikvorrichtung am Fuss spielt und offensichtlich angeschlagen ist.

«Von solchen Szenen träumt man als Kind»

Es war ein weiterer individueller Fehler Klotens, der Gottéron in der 14. Minute der Verlängerung den Sieg ermöglichte: Patrick von Gunten verlor den Puck im eigenen Drittel an Sprunger, Greg Mauldin zwang Kloten-Goalie Martin Gerber zu einem Rebound, den Marc-Antoine Pouliot verwertete. Die Freiburger besiegten Kloten somit quasi mit deren eigenen Waffen, indem sie Fehler des Gästeteams gnadenlos bestraften.

«Schöner kann man nicht gewinnen. Die Stimmung war grandios, es hat gebebt», sagte ein sichtlich immer noch euphorisierter Timo Helbling nach der Partie. «Von solchen Szenen träumt man als Kind. Lange hatte es danach ausgesehen, als seien die Eishockeygötter gegen uns. Aber am Schluss konnten selbst sie uns nicht stoppen.» Helblings Auftritt war ein gutes Beispiel für den unbändigen Ehrgeiz, den die Freiburger am Samstag an den Tag legten, den unbedingten Willen, das Saisonende zu vermeiden. Sonst eher für das Grobe zuständig, setzte er kurz vor Schluss in Unterzahl vor lauter Adrenalin und Verzweiflung zu einem Sololauf an, der fast noch gefährlich geworden wäre. Der Verteidiger, der nie ohne Kaugummi auf dem Eis steht, steigerte seine Kaufrequenz vor lauter Tatendrang in aus zahnmedizinischer Sicht gefährliche Höhen. Und als er mit einem Fehlpass ein Icing verursachte, zerstörte er zornesrot kurzerhand seinen Stock mit einem harten Schlag gegen die Bande.

Physisch verbessert

Es war für die Freiburger aber auch wirklich lange Zeit ein Abend zum Verzweifeln. Der Match schien zum Abbild der Serie zu werden. Trotz Chancenplus lag Gottéron bis in die Schlusssekunden 0:1 zurück. Gerber schien unüberwindbar, ein präziser Schuss Lemms, der in der 21. Minute von Andrei Bykow viel zu viel Platz erhalten hatte, schien der einzige Treffer der Partie zu bleiben. «Ich habe selten ein Team gesehen, das so hart für ein Tor arbeiten musste wie wir heute Abend. Aber ich wusste, dass das Glück irgendwann auf unsere Seite kippen muss», sagte Freiburgs Trainer Hans Kossmann.

Er hatte vor dem Spiel für eine Überraschung gesorgt, indem er den formschwachen und schmalbrüstigen Nationalstürmer Thibaut Monnet als überzähligen Spieler auf die Tribüne setzte. Die Taktik ging auf, sein Ersatz Adrien Lauper brachte mehr Energie ins Spiel; in den Bandenduellen hinterliess Freiburg den besseren Eindruck als bei der Auswärtsniederlage vom letzten Donnerstag.

«Das wird unglaublichen Auftrieb geben»

Mit dem Sieg haben die Freiburger Spieler dem Publikum einen magischen Playoff-Abend beschert; noch lange nach Spielschluss waren vor dem Stadion lautstarke Fangesänge zu hören. In der Serie (best of 7) hingegen liegen die Freiburger immer noch 2:3 zurück. Verlieren sie morgen in Kloten, war die ganze Müh umsonst. «Es wird sicher eine schwierige Aufgabe», sagt Kossmann. «Aber wir waren vier Sekunden von den Ferien entfernt und haben ein neues Leben erhalten. Das wird einen unglaublichen Auftrieb geben.» Helbling glaubt, dass man in Kloten so spielen muss wie zu Hause. «Wir dürfen nicht mit dem Kopf durch die Wand, müssen geduldig bleiben, aber gleichzeitig müssen wir pushen, angreifen, nicht reagieren, sondern agieren und einfach nicht zu viel überlegen.»

Klotens Cyrill Bühler (r.): «Jede Niederlage ist bitter.» Bild Keystone

Telegramm

Gottéron – Kloten 2:1 (0:0, 0:1, 1:0, 1:0) n.V.

6700 Zuschauer (ausverkauft). – SR Kämpfer/Kurmann, Arm/Küng.Tor:21. (20:56) Romano Lemm (Bieber) 0:1. 60. (59:56) Sprunger (Benny Plüss/Ausschluss Vandermeer) 1:1 (ohne Torhüter). 74. (73:56) Pouliot (Mauldin, Sprunger) 2:1.Strafen:2-mal 2 Minuten gegen Gottéron, 4-mal 2 Minuten gegen Kloten.

Freiburg-Gottéron:Conz; Ngoy, Kwiatkowski; Helbling, Abplanalp; Kamerzin, Schilt; Huguenin; Hasani, Dubé, Plüss; Sprunger, Bykow, Hagman; Mauldin, Pouliot, Lauper; Fritsche, Ness, Vauclair; Mottet.

Kloten:Gerber; DuPont, von Gunten; Randegger, Vandermeer; Blum, Schelling; Frick; Mueller, Santala, Bieber; Stancescu, R. Lemm, Bühler; Bodenmann, Liniger, Steinmann; Herren, Jenni, A. Lemm; Hoffmann.

Bemerkungen:Gottéron ohne Jeannin, Huber (beide verletzt), Miettinen, Jurcina, Monnet und Birbaum (alle überzählig), Kloten ohne Stoop, Félicien Du Bois (beide verletzt). – Timeouts: Gottéron (59:25); Kloten (57.).–Schussstatistik: 46:32.

Die FN-Besten:Pouliot und Bieber.

Stand Serie(best of 7): 2:3.

Kloten: «Natürlich ist das nicht so einfach»

F ür die Kloten Flyers war der Samstag ein bitterer Abend. Vier Sekunden fehlten dem Team, um die Serie klar mit 4:1 für sich zu entscheiden. «Sie sind fast im Final gestanden und müssen jetzt einen Umweg machen, das wird nicht leicht für sie», brachte es Gottéron-Stürmer Benjamin Plüss nach der Partie auf den Punkt. Dementsprechend niedergeschlagene Gesichter zeigten die Klotener nach dem Spiel im Kabinengang. Es dauerte einige Minuten, bis die ersten Spieler zu den Interviews erschienen. Dann aber versuchten sie, den Puck flachzuhalten.

«Wir haben ein Spiel verloren, nicht mehr und nicht weniger», fasste sich Matthias Bieber kurz. Vorwürfe wollte er sich und seiner Mannschaft keine machen. «Freiburg hat am Ende sehr viel Druck gemacht, und es ist noch ein Puck reingefallen. Das kann passieren. Aber am Dienstag geht es weiter.»

«Energie gekostet»

Cyrill Bühler sprach von einer bitteren Niederlage. «Aber in den Playoffs ist jede Niederlage bitter.» Einzig Michael Liniger liess durchblicken, dass die Niederlage für die Zürcher doch sehr schmerzhaft war.

«Das Tor kurz vor Schluss war schon ein bisschen bitter. Aber wir haben das weggesteckt und danach eine gute Verlängerung gespielt.» Nun müsse man sich eben wieder auf den Dienstag konzentrieren. Auf Nachfrage gab er dann aber zu: «Natürlich ist das nicht so einfach. Natürlich müssen wir diesen Abend erst einmal verarbeiten. Das alles hat Energie gekostet.» fm

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