Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Wie 5.-Liga-Spieler behandelt

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Während die Clubs der Super League in zwei Wochen die Saison 2019/20 – wenn auch ohne Zuschauer – fortsetzen können, bedeutete die Coronavirus-Krise für die Fussballerinnen der Nationalliga  A das vorzeitige Ende der Meisterschaft – so wie für die Amateur- und Junioren-Ligen auch. Es ist insbesondere diese Tatsache, die Gaëlle Thalmann, der Torhüterin beim Servette FCCF, zu schaffen macht. «Am meisten enttäuscht an der ganzen Sache hat mich, dass wir in den gleichen Topf wie die Amateure geworfen wurden», sagte die 34-jährige Freiburgerin unlängst in einem Interview mit dem Westschweizer Radio. «Wir wurden behandelt wie die 5.-Liga-Fussballer, dabei betreiben wir Spitzensport, spielen teilweise im Schweizer Nationalteam oder in der Champions League.»

«Es wäre die ­Chance gewesen, diese ausser­gewöhnliche ­Situation für eine aussergewöhnliche ­Lösung zu nutzen.»

Gaëlle Thalmann

Fussball-Nationaltorhüterin

Für die Clubs der höchsten Spielklasse sei der Abbruch der Saison ein harter Schlag gewesen, erklärt Thalmann. «Viele Vereine hatten sich hohe Ziele gesteckt. Und ganz persönlich ist das vorzeitige Saisonende ebenfalls eine grosse Enttäuschung.» Der Servette FC Chênois Féminin hatte zum Zeitpunkt des Meisterschaftsabbruchs die Tabelle mit einem Punkt Vorsprung auf den FCZ angeführt. Für die einstige Juniorin des FC Bulle, die auf diese Saison hin von Sassuolo an den Lac Léman gewechselt hatte, wäre es die Chance gewesen, ihren ersten Schweizer Meistertitel zu holen, nachdem sie mit Turbine Potsdam (2009) und Torres (2013) bereits die deutsche beziehungsweise italienische Meisterschaft gewinnen konnte.

Wo wird der Sparstift angesetzt?

Daraus wurde wegen der Coronavirus-Pandemie nun vorerst nichts. Im Gegensatz etwa zur deutschen Bundesliga der Frauen, in der seit dem letzten Wochenende mit dem gleichen Schutzkonzept wie bei den männlichen Berufskollegen wieder gekickt wird, verzichtete der Schweizer Fussballverband (SFV) darauf, in Sachen Frauenfussball einen Effort zu leisten. Dabei hatte der SFV erst im Februar die «Abteilung Frauenfussball» gegründet. Unter der Leitung von Tatjana Haenni sollen der Juniorinnen- und Frauenfussball und die Rolle der Frau im Schweizer Fussball professioneller gefördert und stärker positioniert werden. SFV-Zentralpräsident Dominique Blanc kommentierte damals den Entscheid mit den Worten, «dass der SFV damit die Absicht unterstreicht, dem Frauenfussball noch mehr Anerkennung zu geben». Thalmann, die im Februar an der Medienkonferenz des SFV als Nummer 1 im Tor des Schweizer Nationalteams teilgenommen und die Schaffung der «Abteilung Frauenfussball» als einen ersten wichtigen Schritt bezeichnet hatte – und sich dadurch eine grössere Sichtbarkeit für ihren Sport versprochen hatte –, findet zwar nach wie vor, dass der Verband viel für den Frauenfussball macht, «mit dem Abbruch der Saison wurde es aber verpasst, einen zweiten Schritt zu machen. Es wäre die Chance gewesen, diese aussergewöhnliche Situation für eine aussergewöhnliche Lösung zu nutzen, indem man beispielsweise die Zusammenarbeit mit den Proficlubs im Männerfussball hätte intensivieren können». Sie habe sich diesbezüglich doch schon ein wenig mehr erwartet, das jedoch im Wissen, dass die Umsetzung nicht einfach gewesen wäre.

Weniger Sorge bereitet Gaëlle Thalmann die Gefahr, dass im Zuge der Krise das allgemeine Interesse am Frauenfussball – das mit der stark mediatisierten WM 2019 in Frankreich gestiegen ist – wieder nachlassen könnte, sondern vielmehr, dass die Pandemie finanzielle und wirtschaftliche Konsequenzen mit sich ziehen wird. «Die Vereine müssen womöglich Entscheide fällen, in welchen Bereichen sie Kosten einsparen können. Ich hoffe, sie halten ihre Verpflichtungen ein und anerkennen auch den sozialen Aspekt im Frauenfussball.» Gerade für die kleineren Vereine könne es aber schwierig werden, das Überleben zu sichern, befürchtet die Freiburgerin. Bedenken, dass auch im Servette FC bei der Frauenabteilung gespart werden könnte, hat sie indes nicht. «Der Verein verfolgt mit dem Frauenteam ein langfristiges Projekt. Wie alle anderen Clubs muss wohl auch Servette den Gürtel enger schnallen, aber das Budget für die Frauen wird nicht für die nötige Differenz sorgen.»

EM bleibt auch 2022 das Ziel

Die Coronavirus-Pandemie hat bekanntlich nicht nur den Verlauf von zahlreichen nationalen Meisterschaften auf den Kopf gestellt, auch im internationalen Fussball blieb so gut wie kein Stein auf dem anderen. So wurde die EM der Männer auf 2021 verschoben, was zusammen mit den ebenfalls um ein Jahr verschobenen Olympischen Spielen von Tokio auch Folgen für den Frauenfussball hat. Die ursprünglich für 2021 geplante EM der Frauen soll neu vom 6. bis zum 31.  Juli 2022 in England stattfinden. «Durch die Verschiebung der Frauen-EM um ein Jahr stellen wir sicher, dass der Vorzeigewettbewerb des Frauenfussballs das einzige grosse Turnier des Sommers bleibt und somit seine wohlverdiente Aufmerksamkeit erhält», hatte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin diesen Entscheid begründet.

Auf Kurs, um 2022 an der EM dabei zu sein, sind auch die Schweizerinnen. Das Team von Torhüterin Gaëlle Thalmann liegt in seiner Qualifikationsgruppe nach Hälfte des Pensums verlustpunktlos zusammen mit Belgien an der Spitze. Läuft der 34-Jährigen bis dahin nicht die Zeit davon? «An meinem Ziel, nochmals eine EM zu spielen, hat sich dadurch nichts verändert», sagt die 80-fache Internationale. «Im Gegenteil, ich hätte dann noch ein Jahr mehr Erfahrung.»

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema