Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Wie das Schweizer Fernsehen seine Zuschauer quält

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Matthias Fasel

Bei Sportübertragungen zappe ich eigentlich nur auf SF, wenn bei ARD oder ZDF gerade Werbung läuft. Dennoch kann selbst ich nach der Vorrunde bereits sagen: Das SF hat sich wieder einmal selbst untertroffen. Das gilt insbesondere für das Studio, das, man möchte dieses Adjektiv ja eigentlich nicht als Schimpfwort verwenden, sehr schweizerisch daherkommt. Eckpfeiler des Konzepts sind der bis über die Schmerzgrenze hinaus narzisstische und ebenso bemühte wie ermüdende Rainer Maria Salzgeber und Stammgast Gilbert Gress. Beide stets auf der verzweifelten Suche, doch bitteschön «Kult» zu sein. «Salzgebers unterhaltsame Diskussionen im Studio mit Gilbert Gress, welche oft über die Grenzen des Fussballs hinausgehen, haben längst Kult-Status erreicht», glaubt das SF auf seiner Homepage gar zu wissen. Ohne PR-Sprache heisst das: Die beiden palavern über Nichtigkeiten und machen triviale Witze, die vielleicht Zuschauer, die Kurt Felix gut fanden und gerne Benissimo schauen, unterhaltsam finden, Fussballinteressierte und Zuschauer, die nicht auf Volkstheater-Humor stehen, aber bestenfalls langweilen. Von der Eloquenz und den sprachlichen Finessen des ehemaligen ARD-Duos Gerhard Delling und Günter Netzer, dem sie ganz offensichtlich nachzueifern versuchen, sind sie ungefähr so weit entfernt wie Hanspeter Latour vom Georg-Büchner-Preis. Ein Beispiel aus der gestrigen Vorberichterstattung: Salzgeber fragt Gress, warum Wayne Rooney seit 2004 nicht mehr getroffen hat. Gress macht ein Woher-soll-ich-denn-das-wissen-Gesicht. «Sie sind der Experte, Sie müssen es sagen», sagt Salzgeber, worauf Gress zu Studiogast Christian Gross schaut und sagt: «Christian, Sie müssen mir helfen.» Salzgeber sitzt, ob seines gleich folgenden Kommentars ganz aufgeregt, auf, hebt den Zeigefinger und sagt: «Das ist ein historischer Moment. Gilbert Gress bittet Christian Gross um Hilfe.» Das Publikum johlt und applaudiert. Hä? Habe ich den Witz nicht verstanden?

Humor ist individuell, könnte man einwenden. Mit der Auswahl der weiteren Gäste versetzt SF dem Sendegefäss jedoch einen definitiven Tiefschlag. Dabei denke ich nicht einmal an den Schiedsrichterexperten Carlo Bertolini, der offenbar zu rechtfertigen versucht, dass er fester Bestandteil des Konzepts ist und deshalb allenthalben Penaltys sieht. Nein, es geht um die übrigen «Experten». Zum Beispiel Arno Del Curto. Der ist – genau! – Eishockey-Trainer. Und sorgt an einer Fussball-EM ungefähr für so viel Mehrwert, wie man sich das von einem Eishockey-Trainer vorstellt. Ein ähnliches Experiment hat danach denn auch selbst das SF unterlassen. In der Folge hat es deshalb etwa Admir Mehmedi oder Innocent Emeghara eingeladen. «Fussballer? Check! Nationalspieler? Check! Verpflichtet!», werden sich die Verantwortlichen gesagt haben. Und haben dabei leider vergessen zu bedenken, dass es vielleicht nicht ideal ist, wenn der Gast sprachlich auf dem Niveau eines Drittklässers ist. Oder wie sagte der ebenso liebenswürdige wie hier fehlplatzierte Emeghara: «Das hat mi … das hat mich nöt so … ähh … viel … ähhhhhh … so beidruggt.» Zum Glück gibt es bei ARD oder ZDF nicht allzu viele Werbepausen…

Mehr zum Thema