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Wie die Füsse, so das Leben

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Das Kind ist ausgezogen, der Mann krank, und mit dem bisherigen Schriftstellerleben klappt es nicht wie gewünscht. Katja Oskamp wagt mit Mitte  40 einen Neuanfang in einem ungewöhnlichen Berufsfeld, sie wird Fusspflegerin. Ihre Arbeitsstelle befindet sich in Marzahn, der grössten Plattensiedlung der DDR in Berlin.

Menschen, die sich die Füssen pflegen lassen (müssen), erzählen gerne; sei es, weil sie so Peinlichkeiten bezüglich ihrer Füsse überspielen wollen oder weil die Fusspflegerin die richtigen Fragen stellt und vor allem gut zuhören kann. Die älteren Menschen haben den Krieg miterlebt und die Teilung Berlins. Das Leben der DDR-Bürger ist grundlegend anders nach der Wende. Die sehr arbeitsreichen, aber auch abenteuerlichen und ungewöhnlichen Lebensgeschichten haben die Fusspflegerin nachdenklich gemacht und sie bewogen, dieses Buch zu schreiben.

Herr Paulke, einer ihrer ersten Kunden, hat den Bau der Plattensiedlung in den 1970er-Jahren miterlebt und gehört sozusagen zu den Ureinwohnern von Marzahn. Seine Füsse widerspiegeln sein hartes Leben als Lastenschlepper – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Herr Pietsch ist das wandelnde Klischee eines Parteifunktionärs, der, Wende hin oder her, seinen Auftritt inszeniert. Gerlinde Bonkat kam 1945 als Kind zu Fuss aus Ostpreussen nach Berlin. Sie hatte viel zu enge, harte Schuhe und genetisch feine Knochen und Gelenke. Trotz verformter Füsse hat sie sich jedoch stets allein durch das Leben geschlagen und als gläubige Frau immer auch anderen geholfen. Jüngere Kundinnen werden von ihren Müttern bei der Fusspflege angemeldet, weil diese vermuten, jene hätten Pro­blemfüsse, aber eigentlich brauchen die jungen Frauen vor allem Zuspruch. Die verwahrlosten Füsse gehören auch in diesem Buch einem Sozialhilfebezüger.

«Marzahn mon amour» ist ein Buch voller Geschichten über die Liebe und die Treue, über Verlust, Glück und die kleinen Freuden des Alltags – ein sehr kurzweiliges Buch über das Leben.

Katja Oskamp: «Marzahn mon amour». Roman, 142 Seiten. Verlag Hanser, 2020.

Barbara Schwaller ist freie Rezensentin.

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