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Wie eine Siedlung entsteht

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Wie eine Siedlung entsteht

Vortrag beim Deutschen Geschichtsforschenden Verein

Es gibt nicht viele Gehöfte im Sensebezirk, deren Entstehung so gut dokumentiert ist wie jene von Ginggenrain in der Gemeinde Rechthalten. François Guex leuchtete in einem Vortrag vor dem Deutschen Geschichtsforschenden Verein die Geschichte des Herrschaftssitzes aus.

Von ANTON JUNGO

François Guex, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim kantonalen Amt für Kulturgüter und Präsident des Geschichtsforschenden Vereins, überschrieb sein Referat mit dem Titel «Vom Gestrüpp bei Lussen zum Herrensitz Sonnenberg auf Ginggenrain bei Rechthalten». Von Giffers wie von Rechthalten her gesehen, liegt Ginggenrain gleichermassen abgelegen und ist von viel Wald umgeben, umschrieb er die geografische Lage des Gehöfts, und er führte aus: «Der Hof steht im spät erschlossenen Land abseits der Siedlungskerne, abseits der Ackerflur. Bis vor kurzem lief die Grenze zwischen den beiden Gemeinden durch den Garten des Herrenhauses. Das Haus gehört zu Rechthalten, Stall und Scheune stehen auf Gifferser Boden.»

Wie Walter Schafer, Gemeindeschreiber von Rechthalten, gestern auf Anfrage erklärte, kam die Liegenschaft Ginggenrain im Rahmen der Neuvermessung 1993 ganz auf Gemeindegebiet von Rechthalten zu liegen.

Wie kommt es, dass ein einst so abgelegenes, von Gebüsch und Niederwald bewachsenes Stück Land so gut dokumentiert ist? «Ausgehend von den Zuständen im mittleren 18. Jahrhundert, ist es namentlich dank der Urbare des Zisterzienserinnenklosters Magerau möglich, die Geschichte der vier Jucharten Wald in Lussen (so hiess die Gegend ursprünglich) und der benachbarten Grundstücke von heute bis ins 16. Jahrhundert zu verfolgen», erklärte der Referent. «Urbare» sind Verzeichnisse von Gütern, deren Inhaber dem Kloster einen jährlichen Zins schulden.

Verzeichnisse des Klosters
Magerau ausgewertet

Auch die Gegend von Ginggenrain gehörte ursprünglich dem Kloster Magerau. In den Urbaren sind die zinspflichtigen Grundstücke so umschrieben, dass die Anstösser auf allen vier Seiten – oft sogar die früheren Besitzer – genannt werden. «Ähnlich wie bei einer archäologischen Ausgrabung oder beim Freilegen von Malereischichten liest sich die Geschichte (an Hand dieser Urbare) rückwärts. Es wird möglich, von bekannten Verhältnissen zu früheren, unbekannten, vorzustossen», führte er aus.

So ist es François Guex gelungen aufzuzeigen, dass am 30. Mai 1559 ein Ruff Ecker (Rudolf Egger) von Rechthalten vom Kloster Magerau für 100 Pfund das Stück Land erworben hat, auf welchem heute das Herrschaftshaus Ginggenrain steht. Zugleich anerkannte der Käufer, dass er dem Kloster einen jährlichen Zins von 20 Schilling, einem Huhn und einem Hähnchen schulde.

Vom Taglöhner zur Patrizierfamilie

Er zeigte auf, wie das Gebiet zuerst von Kleinbauern und Taglöhnern bewohnt und bewirtschaftet wurde. Langsam ging es in den Besitz von Freiburger Patrizierfamilien (Brünisholz und Gottrau) über. 1692 lässt François Prosper Gottrau auf Ginggenrain eine Scheune und 1693 ein Herrenhaus errichten. «Familienschicksale, aber auch gezielte Entscheidungen der Erben haben zwischen 1691 und 1695 zu einer völligen Umschichtung der Besitzverhältnisse geführt», hielt der Referent fest. In einem Dokument aus der gleichen Zeit (am 19. März 1698) taucht erstmals der Name «Sonnenberg» für den Herrschaftssitz auf.

Am 28. November 1831 verkauft François Philippe Titus de Gottrau de Granges sein Gut «Sonnenberg», auch «Quinqueray» genannt, dem französischen Grafen Alexander-Henri-Jules de Bourcière de Montureux. François Guex vermutet, dass der neue Eigentümer in der Schweiz sein Geld in Sicherheit bringen wollte. Nach verschiedenen Handänderungen kam das Gut Sonnenberg 1860 in den Besitz von Johann von Niederhäusern, dessen Nachkommen es heute noch bewirtschaften.

Weitere Informationen in: Freiburger Kulturgüter, Heft vom 15. november 2003. Hrsg. vom Amt für Kulturgüter.

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