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«Wie ist es, wenn man tot ist?»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Ein Arzt entdeckt anlässlich einer Konsultation beim fünfjährigen Martin Tanner einen bösartigen Weichteiltumor. Elf Monate später stirbt der Junge an dieser praktisch unheilbaren Krankheit. Das ist schon über 35 Jahre her. Vater Bernhard Tanner brauchte Distanz, um über die Ereignisse von damals zu schreiben. Er hat lange an seinem Buch gearbeitet und das Schreiben immer wieder unterbrochen. Und doch war es ihm wichtig, dranzubleiben. «Ich wollte verhindern, dass Martins Geschichte vergessen geht», sagt er.

Belastend für die Familie

Es ist aber nicht nur Martins Geschichte, die in «Wie ist es, wenn man tot ist?» erzählt wird. Es ist auch die Geschichte seiner Eltern, die mit der schrecklichen Diagnose konfrontiert werden. Die Hilflosigkeit und Angst, die Unsicherheit und Verzweiflung kommen zum Ausdruck. Bernhard Tanner gibt die Dialoge mit Ärzten wieder, die auf den Leser teilweise einen zwiespältigen Eindruck machen: Die Gespräche finden unter Zeitdruck statt, einige Äusserungen wirken etwas gefühllos.

Der Autor gibt Einblick in die grosse Belastung, die ein todkrankes Kind für eine Familie darstellt. Denn Martin hat eine vier Jahre jüngere Schwester. Und noch während er mitten in einer Serie von Bestrahlungen steht, erfährt seine Mutter, dass sie wieder schwanger ist.

Im Dilemma

Sehr eindrücklich schildert Bernhard Tanner, wie den Eltern immer klarer wird, dass ihr Kind keine Überlebenschancen hat, dass es aber für sie auch nicht infrage kommt, einfach aufzugeben. Es folgen Bestrahlung, Chemotherapie. Mal geht es dem Kleinen etwas besser, mal leidet er fürchterlich unter den Nebenwirkungen der Medikamente.

«Ist es richtig, ein Wunder ‹erzwingen› zu wollen?», fragt sich der Vater im Buch – zerrissen vom Mitgefühl und der Hoffnung, dass die Qual wider Erwarten doch noch etwas nützt.

Bernhard Tanner schildert offen, wie schwierig die Gratwanderung zwischen normalem Familienleben und Berufsalltag und dem Umgang mit der Krankheit seines Sohnes war. Was antwortet man auf die Frage von Arbeitskollegen oder Bekannten, wie es dem Kleinen gehe?

Am Ende bleibt der Familie nichts weiter, als auf das Unvermeidliche zu warten, die Schmerzen von Martin mit hohen Dosen von Medikamenten zu lindern und bei ihm und für ihn da zu sein. Eines Nachts schläft er friedlich ein und erwacht nie mehr.

Umgehen mit der Lücke

Damit ist das Buch von Bernhard Tanner aber nicht zu Ende. Ihm war auch die Schilderung des «Danach» wichtig–ganz banale Dinge wie die Benachrichtigung eines Arztes, das Gespräch mit einem Leichenbestatter und dem Pfarrer über die Beerdigung. Er erzählt aber auch, wie die Familie versucht, mit der entstandenen Lücke, dem Gefühl der Leere umzugehen.

Das ausführliche Nachwort widmet Bernhard Tanner der Verarbeitung eines Verlusts. Denn diese war der zweite Grund, warum er das Buch geschrieben hat. «Ich wollte zeigen, wie es den Hinterbliebenen ergeht», führt er aus. «Ein solches Erlebnis zu verarbeiten, ist nicht einfach.» Wer es nicht selbst erlebt habe, könne nicht nachvollziehen, was in einem trauernden Menschen vor sich gehe. «Es gibt kein Rezept für das Verarbeiten eines Verlusts», sagt er. Jeder Fall sei anders. «Man muss lernen, mit den Tatsachen zu leben, und zwar auf seine ganz eigene Art.» Denn vergessen könne man das Geschehene nicht, weil es im Gehirn ja keine «Delete»-Taste dafür gebe. Für einige sei es zum Beispiel wichtig, dass das Zimmer des Verstorbenen noch für längere Zeit unangetastet bleibe.

 In seinem Buch schildert er auch die Hilflosigkeit von einigen Bekannten im Umgang mit Trauer, in dem sie Floskeln wie «Die Zeit heilt alles» und «Das Leben geht weiter» zu Hilfe nähmen.

Tränen zulassen

Der 68-Jährige möchte mit seinem Buch auch Verwandten und Bekannten die Angst nehmen, das heikle Thema eines Verlusts anzusprechen. Es werde rasch klar, wer wirklich darüber sprechen wolle und wer nicht. «Das Gegenüber sollte sich auch nicht genieren, wenn jemand anfängt zu weinen», sagt er. «Wir wurden so erzogen: Ja nichts sagen, was heikel sein könnte und einen Gefühlsausbruch auslösen könnte. Dabei ist das nichts Schlimmes und muss nicht peinlich sein.» Er rät, diese Momente kurz stehen zu lassen und dann das Gespräch mit einer konkreten Frage in andere Bahnen zu lenken.

Authentisch

Es ist ein kleines, feines Taschenbuch von knapp 70 Seiten, das Bernhard Tanner geschrieben hat. Was es auszeichnet, ist zum einen die grosse persönliche Nähe, welche die Erzählung sehr authentisch macht. Ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Tabus und auf die eigenen Gefühle lässt der Autor den Leser an ganz intimen Momenten teilhaben. Zum anderen sind es die kleinen Szenen und Dialoge, die ans Herz gehen. Etwa als der todkranke Junge fragt, wie es sei, wenn man tot sei, oder wie sein bester Freund sich bei der Beerdigung weigert, Blumen ins offene Grab zu werfen, weil Martin sie dann ja nicht sehen könne …

Bernhard Tanner:«Wie ist es, wenn man tot ist?». Eigenverlag. Im Buchhandel (auch online) erhältlich; der Richtpreis ist Fr. 12.80.

«Ich wollte verhindern, dass Martins Geschichte vergessen geht.»

Bernhard Tanner

Buchautor

«Es gibt kein Rezept für das Verarbeiten eines Verlusts.»

Bernhard Tanner

Buchautor

Damals und heute: Eltern sind Teil der Pflegearbeit

D er Sohn von Bernhard Tanner ist 1977 gestorben. Der Vater schildert im Buch so ganz nebenbei, wie ihm und seiner Frau gewisse Strukturen rund um die Behandlung des Sohnes zu schaffen machten. Kurz vor Beginn der Chemotherapie liegt Martin im Spital, wo Raumnot herrscht. Er wird deshalb mit anderen tumorkranken Kindern in einem Anbau, einem Pavillon, untergebracht. Die Raumverhältnisse sind eng, es herrscht eine bedrückende Stimmung. Die Besuchszeiten sind sehr eingeschränkt, und das Personal ist teilweise sehr strikt bei deren Einhaltung. «Heute ist das zum Glück nicht mehr so», sagt Tanner, der betont, dass es ihm nie darum gegangen sei, Fehler anzukreiden und Vorwürfe zu machen. Eltern könnten heute sogar bei ihren kranken Kindern übernachten. Der Umgang mit Angehörigen sei gelebter Teil der Pflege. im

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