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Wie weint man vor der Kamera?

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Autor: Urs Haenni

Beide sind jung, wirken sehr zierlich, im Gespräch aber äusserst lebhaft, und beide spielen an Filmen des Freiburger Filmfestivals Rollen von mutigen und äusserst starken Frauen. Die Südkoreanerin Kkobbi Kim spielt im Wettbewerbsfilm «Breathless» eine Oberstufenschülerin, welche es als Einzige wagt, einem gewalttätigen Geldeintreiber für einen Kredithai auf Augenhöhe entgegenzutreten und die sanfte Seite in ihm herauszukehren. Martina Gusman, die Argentinierin, spielt im Eröffnungsfilm «Leonera» eine Mutter, die im Gefängnis ein Kind zur Welt bringt und wie eine Löwin kämpft, damit sie mit dem Kind zusammen sein kann.

Wenn sie sich nun hier in Freiburg auf der Leinwand sehen, so ruft das bei den beiden Schauspielerinnen unterschiedliche Reaktionen hervor. «Es ist sehr seltsam, mich so zu sehen», sagt Martina Gusman. «Da ist zwar mein Bild, aber doch sehe ich nicht mich selber. Es ist eine andere Person, es ist eine konstruierte Person.» Sie sei viel nervöser, wenn sie zum Beispiel bei einem Interview gefilmt werde, weil sie dort wirklich sich selber sei.

«Ich hätte es besser machen können»

«Ich schäme mich», meint Kkobbi Kim zu ihrer Leinwandpräsenz. Sie wurde zwar bei einem Festival in Las Palmas für ihre Rolle ausgezeichnet, aber nachdem sie den Film zum zehnten Mal gesehen hat, findet sie in ihrer Darstellung Fehler. «Ich bedaure meine Interpretation. Ich hätte es besser machen können.»

Ein Beispiel? Es gibt eine Szene, wo ihre Figur mit dem Bruder streitet. «Beim Dreh hatte ich den Eindruck, dass ich einen durchstechenden Blick habe. Aber auf der Leinwand habe ich dann festgestellt, dass ich nicht diesen starken Blick zeige, wie eigentlich erhofft.»

Bei wem liegt denn da die Verantwortung, bei ihr oder beim Regisseur? «Ich habe keine Anweisungen vom Regisseur erhalten», sagt Kim. «Wir haben auch neben dem Drehen viel und über alles Mögliche diskutiert. Ich wusste deshalb sehr genau, was er will; es herrschte ein totales gegenseitiges Vertrauen. Dazu kommt, dass der Regisseur früher selber Schauspieler war und genau weiss, wie man Schauspieler fördert.»

Sehr eng ist auch das Verhältnis von Martina Gusman zum Regisseur, ist dieser doch gleichzeitig ihr Ehemann. «Bei uns braucht es am Drehort wenig Worte, um uns zu finden», sagt sie. Sie habe sehr viele Freiheiten gehabt. Das hat damit zu tun, dass sie als Co-Produzentin von «Leonera» schon zusammen mit ihrem Mann ein Jahr daran gearbeitet hatte, ihre Filmfigur zu konstruieren. Es sei ein Vorteil und ein Nachteil, wenn sie gleichzeitig Produzentin und Schauspielerin sei. Es sei positiv, wenn sie durch ihre Vorarbeit bei Drehbeginn schon voll in der Rolle drin sei. Doch spüre sie dadurch auch einen stärkeren Druck.

Wie stellt es denn eine Schauspielerin an, wenn sie beim Drehen auf Kommando vor der Kamera weinen soll?

Lachen bei Martina Gusman: Einfach so spontan, vor dem Journalisten oder bei einem Casting könne sie nicht weinen. «Man muss vorher physisch darauf hinarbeiten. Man muss im Bauch so eine Energie aufbauen und dann beim Dreh der Szene diese Energie aus sich herauslassen.»

Kkobbi Kim hat in «Breathless» ganz am Schluss eine Szene, wo sie zu weinen beginnt. «Ich lebe diese Momente sehr intensiv», erklärt sie. «Ich mag das Wort ?Interpretation? gar nicht, für mich ist es eher ein Abkoppeln von mir selber. Ich kann es gar nicht nachvollziehen, wie dieser Ausdruck aufgebaut wird. Es muss einfach alles stimmen, die Stimmung um mich herum, alles.»

Ihr Weinen im Film folgt direkt auf die Szene, wo die männliche Hauptrolle gewaltsam umkommt und das blutige Gesicht unerträglich lange zu sehen ist. «Ich konnte nach diesem Drehtag nicht nach Hause gehen. Ich habe geraucht, ein Bier getrunken, und bin nachts ein paar Stunden einfach durch die Strassen gelaufen.»

Kims Stimme stockt, und es fehlt nicht viel, bis sie beim Interview im Alten Bahnhof in Freiburg gleich nochmals zu weinen beginnt. Sie hat sich von ihrer Rolle in «Breathless» noch immer nicht vollständig in die Person Kkobbi Kim zurückverwandelt.

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