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Wieder ist es Advent

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Für alle meine Chefs und Chefinnen, die immer verständnisvoll waren.

E

s ist fünfunddreissig Grad heiss und schwül. Soeben habe ich im Einkaufszentrum Metrocentro von Managua zu Mittag gegessen. Es gibt Nicas – so nennt man die Bewohner Nicaraguas in Zentralamerika –, die sich dorthin begeben, damit sie einmal erfahren können, wie es ist, wenn man mit der Rolltreppe rauf- und runterfährt. Ich fahre mit dem Auto ins Büro zurück. Obwohl keine Millionenstadt, ist Managua so weitläufig, dass kaum jemand zu Fuss unterwegs ist.

Im Büro setze ich mich an den Arbeitstisch und versuche zu arbeiten. Meine Kollegin, eine über siebzigjährige Nonne, macht wie üblich eine Siesta auf der Matratze. Auch ich bin schläfrig, vor meinen Augen flimmert es, mein Kopf neigt sich langsam auf die Brust. Der Schlaf des Seligen.

Wenn wir im Büro doch nur eine Klimaanlage hätten! Oder wenigstens einen Ventilator! Es muss ja nicht gleich so kalt sein wie im Kino, wo wir jeweils frieren und vorsorglich einen Pullover mitnehmen. Auch nicht so kühl wie in der Vorratskammer im Haus eines ausländischen Beamten – aus einem Land, das zwar zu Europa gehört, aber à tout prix nicht in die EU will –, im Haus eines Beamten also, in dem die aus weiter Ferne eingeführten Lebensmittel fachgerecht aufbewahrt werden, eben kühl, durchgehend, Tag und Nacht. Natürlich braucht das ziemlich viel Energie, und Energie kostet. Wer bezahlt die Rechnung? Gewisse Fragen sollte man lieber im Raum stehen lassen.

Die Rechnung wird also bezahlt, von wem auch immer. Die Ruhe im Haus des ausländischen Beamten ist gewährleistet. Was alle Staaten und Institutionen vermeiden möchten: unzufriedene, sich langweilende und nörgelnde Partnerinnen – und heute vermehrt auch meckernde Partner – zu Hause, die das Wohlbefinden und die Arbeitsleistung der Beamten und somit deren Mission beeinträchtigen. Es gibt nichts Nervenaufreibenderes, als wenn Sweet heart & Mi amor & Dušo moje & Mon chéri & Schätzeli dauernd ins Büro anruft. «Du, bitte, im Moment nicht, ich bin gerade in einer Sitzung mit dem Direktor, mit dem Botschafter, mit dem Minister.»

Nach der Arbeit fahre ich nach Hause und entdecke ein ungewohntes Bild von Managua. An jeder Rotonda, jedem Kreisel, steht eine überdimensionale künstliche Tanne mit farbigen Girlanden und leuchtenden Paketen und Kerzen. Purer Kitsch.

Es ist der erste Adventstag. Aber bei diesen tropischen Temperaturen kommt kein vorweihnachtliches Gefühl auf.

Nachtrag:

Mittlerweile sind in der nicaraguanischen Hauptstadt 150 riesige, leuchtende, metallische Bäume aufgestellt worden, zur Verzierung der Stadt, das ganze Jahr über. Eine Idee von Rosario Murillo, der Primera Dama, der Frau des sandinistischen Revolutionsführers und gegenwärtigen Präsidenten Daniel Ortega. Sie berief sich dabei auf Gustav Klimts «Lebensbaum». Böse Zungen in Nicaragua behaupten von ihr, dass eigentlich sie die Hosen anhat und nicht ihr Mann, und dass sie das Präsidentenamt anpeilt. Eine Machthungrige. Jeder dieser 150 Bäume kostete an die 20 000 Euros. Mit diesem Geld hätte man eine ganze Reihe von neuen Schulen errichten können. In Managua ist Advent und Weihnachten zu einem Dauerzustand geworden, zu einem tropischen.

Bernard Waeber ist zweisprachiger Stadtfreiburger. Studium der Germanistik und Romanistik in Freiburg und Berlin. Dann Mittelschullehrer. Es zog ihn in die Ferne. Als Rucksacktourist unterwegs in Amerika, als freiwilliger Lehrer in Ghana, als Praktikant bei der NGO Swisscontact in Indoniesen. «Die Welt ist dein Zuhause», pflegte der verstorbene Freund und Förderer Hermann Bürgy zu sagen. Seit fast fünfundzwanzig Jahren ist Bernard Waeber Begleitperson. Seine Ehefrau ist als Diplomatin für die DEZA (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) tätig. Längere Aufenthalte in Nicaragua, Peru, Serbien und Mali. Bernard Waeber übt Mandate im Erziehungsbereich aus. Ausserdem ist er der Koch des Hauses. Manchmal bleibt ihm noch etwas Zeit zum Schreiben. Von seinen Erlebnissen und Erfahrungen hier und anderswo handelt sein Blog auf www.freiburger-nachrichten.ch. Dort veröffentlicht Bernard Waeber bis Weihnachten täglich eine neue Episode.

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