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Wiedersehen mit Franz und René

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Wiedersehen mit Franz und René

Sommerzeit, Saure-Gurken-Zeit. Wer vor dem Fernseher Erholung von der Dauerhitze im Freien sucht, erlebt derzeit Nervtötendes. Sämtliche TV-Sender scheinen aus den Tiefen ihrer Archive all das herauszusuchen, was schon während des restlichen Jahres keiner sehen will (auch wenn die Einschaltquoten oft das Gegenteil beweisen): Deutsche Talk- und Gerichtsshows in der zweiten oder dritten, amerikanische Sitcoms in der zwanzigsten oder dreissigsten Wiederholung. Seifenopern, Casting-shows, Reality-Formate, Infotainment-Magazine, Helpshows – auf sämtlichen Kanälen ist die ganze Bandbreite dessen zu geniessen, was die schöne neue Fernsehwelt zu bieten hat.

Auf seine Kosten kommt auch, wer es lieber nostalgisch mag. Von Magnum bis Twin Peaks, von WesternKlassikern aus den Sechzigern bis zu Spielfilmen mit Achtzigerjahre-Groove hat im sommerlichen TV-Programm alles Platz. Gerade im Jahr seines fünfzigsten Geburtstags kann sich auch das Schweizer Fernsehen dem grassierenden Retro-Fieber nicht entziehen. Um das Jubiläum angemessen zu begehen, haben die Programmverantwortlichen von SF DRS die Nostalgienächte erfunden, die jeden Freitagabend über den Bildschirm flimmern und ein Wiedersehen ermöglichen mit längst vergessen geglaubten Serien und Shows, Stars und Sternchen, Ansagerinnen (ja, die gabs damals noch) und Moderatoren (so lustig, der junge Beni Thurnheer).
Solche Reisen in die TV-Vergangenheit mögen bisweilen lustig, bisweilen heimelig sein und haben unbestritten ein gewisses Kultpotenzial. Manchmal aber wäre es besser, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Die kürzlich ausgestrahlte Nostalgienacht zum Thema «Kindersendungen der letzten 25 Jahre» jedenfalls hat mich gnadenlos einerder letzten Illusionen meiner Kindheit beraubt. Eine halbe Stunde «Spielhaus» mit «Franz und René» (Jahrgang 1981) stand gleich zum Auftakt auf dem Programm, und ich freute mich auf ein Wiedersehen mit zwei der ganz grossen Helden meiner Kinderjahre: Was hatten wir damals nicht gelacht über den besserwisserischen Franz mit dem Vollbart und den unsäglichen Hosenträgern und viel mehr noch über den trotteligen René mit seiner Schoggi-Papierli-Sammlung und den einzigen von ihm je gehörten Worten: «I bi de René ù säge nüt.»

Voller Vorfreude setzte ich mich also vor den Fernseher, genoss ein erstes warmes Gefühl des Wiedererkennens – und dann das: Plötzlich setzte sich die Perspektive der Erwachsenen aus dem eben angebrochenen 21. Jahrhundert gegen jene des Kindes aus den 1980er Jahren durch, und mit einem Schlag fand ich Franz und René irgendwie überhaupt nicht mehr lustig: langweilige Geschichten, eine vorsintflutliche Szenerie, schauspielerische Leistungen wie in einem besseren Schülertheater und laue Witzchen wie: «Den Käse vertrage ich schon, aber von den Löchern bekomme ich immer Blähungen.»

Und das sollte alles gewesen sein? Deshalb nun hatte ich jahrelang den TV-Zückerchen meiner Kindheit nachgetrauert? Darauf hatte ich mich damals immer schon Tage im Voraus gefreut? Die Ernüchterung war grenzenlos, und ehe ich mich an die Verarbeitung dieses Traumas einer verlorenen Kindheitserinnerung mache, möchte ich die Gelegenheit nutzen, eine kleine Bitte an SF DRS loszuwerden: Wenn Sie das nächste Mal alte Kindersendungen aus Ihren Archiven holen, dann lassen Sie wenigstens eine einzige in Ruhe: «Piggeldy und Frederick», das schweinische Brüderpaar aus der Gutenachtgeschichte. Das Andenken an dieses ungeschlagene Highlight meiner frühkindlichen Fernseherfahrungen möchte ich gerne genau so bewahren, wie es ist, ohne desillusionierende, kritisch-nüchterne Erwachsenenfragen.

Unvergessen der Schlussatz dieser Geschichten: «Und Piggeldy ging mit Frederick nach Hause.» Dort und tief in meinem Kinderherzen sollen die beiden in Frieden ruhen.

In regelmässig erscheinenden Kolumnen halten FN-Redaktorinnen und -Redaktoren ihre Beobachtungen und Erfahrungen zu sommerspezif>ischen Aktivitäten oder Ereignissen fest.

Von CAROLE SCHNEUWLY

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