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Winterberger stellt die Weiche auf Pension

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«Die Bahn hat mich fasziniert, seit ich mich erinnern kann», sagt Beat Winterberger. Woher diese Faszination genau gekommen ist, weiss der Murtner Bahnhofvorstand nicht. «Wir waren keine Bähnlerfamilie, ich wurde also nicht in diese Richtung beeinflusst.» Aber schon als Bub sei für ihn klar gewesen, dass er eines Tages bei der Bahn arbeiten würde. Nun geht er nach 41 Jahren im Dienst der SBB in Pension: Am 31. Juli ist sein letzter Arbeitstag.

Mit seiner Pension in Murten schliesst sich ein Kreis. Der Bahnhof Murten war im Jahr 1973 einer seiner ersten Arbeitsorte: Als damals 18-jähriger SBB-Lehrling verliebte er sich in die Region. Für ihn sei damals klar gewesen, dass Murten der Ort sei, wo er eines Tages leben wolle. «Das Murten-Virus hat mich nie mehr losgelassen.»

 Und auch die Leidenschaft für die Eisenbahn hat nie nachgelassen. «Für mich war das eben eine Berufung», erzählt er und lacht. Das riesige Räderwerk des Bahnbetriebs, das Tag und Nacht läuft, fasziniert ihn. «Und mit meiner täglichen Arbeit kann ich einen kleinen Teil dazu beitragen, dass dieses Räderwerk läuft.»

Expo als Bewährungsprobe

Einer der Höhepunkte in den über 40 Jahren bei den SBB war für Winterberger die Expo 02. Damals war er stellvertretender Bahnhofsvorstand in Kerzers. Und dieser Bahnhof war der zentrale Knotenpunkt für die Anreise zu den Arteplages Murten und Neuenburg. «Ich war an vorderster Front.» Die Zugdurchfahrten stiegen während der Landesausstellung in Kerzers von 150 auf 236 am Tag an. «Und wir mussten diesen Besucherstrom mit einer 100-jährigen Stellwerkanlage und ohne die heutige Unterführung bewältigen», erzählt Winterberger. Dass sei eine grosse Herausforderung gewesen, die das Team aber gut gemeistert habe. «Und die antike Anlage hat gehalten.»

Bis heute ist Winterberger mit dem historischen Stellwerk Kerzers eng verbunden: Er war die treibende Kraft für die Erhaltung der Anlage, als diese im Jahr 2004 ersetzt wurde (die FN berichteten). Heute ist er Präsident des Vereins Stellwerk, der die Anlage in Schuss hält und sie als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

 Gewaltige Veränderungen

Seit seiner Lehre als Bahnbetriebsdisponent habe sich vieles stark verändert, erzählt Winterberger. Als Beispiel nennt er seinen ersten Arbeitsort, den Bahnhof Bümpliz Süd: «Damals war das ein Bahnhof mit allem, was dazugehört. Heute ist es nur noch eine Haltestelle der S-Bahn, Personal ist keines mehr vor Ort.» Technisch habe er in seinem Arbeitsleben einen gewaltigen Wandel erlebt: Sowohl im Verkauf als auch im Betrieb habe eine faszinierende Revolution stattgefunden. Als junger Lehrling stellte Winterberger teilweise noch Billette von Hand aus. Die Einführung des Billettdruckers sei für ihn ein Meilenstein gewesen. «Heute läuft alles über den Computer, die Jungen können sich gar nicht vorstellen, wie es früher war.»

Voller Körpereinsatz

Im Bahnbetrieb brauchte Winterberger als Lehrling manchmal noch die Hilfe der Rangierarbeiter, um eine Weiche zu stellen. «In Münsingen hatten wir eine, deren Hebel ich auch mit vollem Einsatz des Körpergewichtes nicht herunterbrachte», erzählt er und lacht. «Heute ist alles einfacher, die Weiche wird per Knopfdruck gestellt.»

Betrieblich hätten sich die SBB in den vier Jahrzehnten vom schwerfälligen Beamtenunternehmen zu einem offenen Konzern gewandelt. «Als ich anfing, war es gut, wenn wir am Schalter viele Billette verkauften. Wenn wir keine verkauften, war es aber auch gut.» Die Entwicklung zu einem leistungsorientierten Unternehmen sei richtig und wichtig gewesen. Sie habe aber auch negative Seiten. «Das Management ist heute oft nur noch auf Zahlen ausgerichtet, das Persönliche leidet.» Und wenn eine Reorganisation beginne, bevor die Tinte der letzten Neustrukturierung getrocknet sei, sei das fragwürdig.

Die Veränderungen sind auch Mitgrund für seine vorzeitige Pensionierung: «Eigentlich wollte ich bis 2018 arbeiten.» Vor kurzem gab es aber in Murten eine Umstrukturierung: Seit Anfang Jahr ist der Verkauf abgetrennt und wird von der BLS geführt. Die SBB sind nur noch für den Betrieb zuständig (die FN berichteten). «Aufgrund dieser neuen Situation habe ich mich entschieden, aufzuhören.» Sein Nachfolger als Teamleiter werde nicht mehr in Murten stationiert sein, sondern in Biel. «Ich persönlich bedauere die Umstrukturierung.»

Keine Langeweile

Angst vor Langeweile als Rentner hat Winterberger nicht. Neben seiner Arbeit im Verein Stellwerk will er wieder vermehrt als Stadtführer für Murten Tourismus aktiv werden. Und auch das private Glück will er auskosten: Winterberger will mehr Zeit mit seiner Partnerin und ihrem Enkelkind verbringen. «Und ich möchte eines Tages noch in die Antarktis reisen. Das ist der einzige Kontinent, den ich noch nicht bereist habe.»

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