skialpinismus 16.02.2018

Auf hohen Touren laufen

Teilnehmer der «Trophée des Gastlosen» bei der Wandflue-Passage.
Für viele Skialpinisten zählt nicht nur das Naturerlebnis, sie wollen sich auch mit der Konkurrenz messen. Skitouren-Wettkämpfe sind beliebter denn je. Die «Trophée des Gastlosen» vom Sonntag ist einer der ältesten.

Die «Trophée des Gastlosen» hat nur bedingt etwas zu tun mit der gemeinen Vorstellung von Skitouren. Die Wettkämpfer ziehen nicht gemütlich eine Spur in den Tiefschnee. Vielmehr eilen die ambitionierten Skialpinisten den Berg hoch, ausgerüstet mit Hightech-Material, das extrem leicht ist. Insbesondere die Ski, Bindungen und Schuhe sind federleicht, jedes überflüssige Gramm Gewicht wird eingespart, so dass die Athleten beinahe das Gefühl verspüren, mit Turnschuhen zu laufen. Nur so lassen sich die Touren mit zahlreichen Höhenmetern in beeindruckenden Zeiten realisieren. Viel schneller noch als in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, als der Skialpinismus noch olympisch war – bis 1948.

Limitierte Startplätze

Seit 1995 gibt es Schweizer Meisterschaften im Skitouren-Wettkampf, seit 2002 Weltmeisterschaften. Athleten, die mit einem Rennanzug den Berg hochstürmen, werden längst nicht mehr als Spinner bezeichnet. Der Skialpinismus erlebte einen veritablen Boom. Auch jetzt gibt es ständig neue Rennen im Kalender. Der Höhepunkt für jeden Wettkämpfer ist die alle zwei Jahre stattfindende Patrouille des Glaciers, die von der Armee ausgerichtet wird und über 53  Kilometer und 4000  Höhenmeter von Zermatt nach Verbier führt. Das Rennen ist begehrt: Die Teilnehmerzahl ist auf etwas über 4000 Athleten begrenzt, bei jeder Austragung müssen Patrouillen aus Platzgründen abgelehnt werden.

Seit 2011 sind die Startplätze auch bei der «Trophée des Gastlosen», einem der ältesten Skitouren-Wettkämpfe des Landes (siehe Box), limitiert. Das Kontingent ist auch an diesem Sonntag ausgeschöpft, wie OK-Präsidentin Isabelle Rime erklärt. «Am Anfang gingen die Startplätze schnell weg, dann hat es ein wenig stagniert. Nun sind aber alle Plätze vergeben.» Die zwischenzeitliche Zurückhaltung schreibt sie dem Umstand zu, dass der Event in den Gastlosen die letzten zwei Jahre aufgrund der Schneeverhältnisse und der meteorologischen Bedingungen abgesagt werden musste. «Diesmal sind wir sehr zuversichtlich. Es soll zwar in der Nacht auf Sonntag schneien, wichtig ist aber, dass die Skiverhältnisse gut sind. Und danach sieht es aus.»

Wettkampf kein Widerspruch

Dem Vorstand und den vielen freiwilligen Helfern hätten die letzten Absagen nach vielen Stunden Arbeit nicht weiter zugesetzt. «Alle lieben die Berge und sind topmotiviert. Deshalb sind viele jedes Jahr dabei.» Das Engagement lohne sich allemal, sag Rime. «Die ‹Trophée des Gastlosen› hat etwas Mystisches. Es ist ein sehr technisches Rennen in einer wundervollen Bergwelt.» Das Sich-Bewegen in einer aussergewöhnlichen Umgebung ist für Rime denn auch die Faszination am Skialpinismus. «Dorthin laufen zu können, wo man will, ohne viele Leute zu kreuzen, das ist das Tolle. Ich kehre jeweils wie ein neuer Mensch von einer Tour zurück.» Ist dies nicht ein Widerspruch zu den Skitouren-Wettkämpfen, bei denen um Sekunden gekämpft wird und sich Hunderte Skialpinisten miteinander messen? «Ja, es gibt viele Wettkämpfer, die sich mit anderen vergleichen wollen und für die ihre Zeit eine Herausforderung darstellt. Das steht jedoch nicht im Widerspruch mit dem Respekt vor der Natur. Es bleibt eine Skitour. Und ein guter Teil der Teilnehmer kommt zu unserem Rennen, um die Natur zu geniessen», sagt Rime.

Populärer in der Romandie

Zwölf Nationen und 15 Kantone werden am Sonntag in den Freiburger Alpen vertreten sein. Aus der Schweiz werden es mehr Teilnehmer aus der Romandie sein als aus den übrigen Landesteilen; in der Westschweiz ist der Skialpinismus verbreiteter. «Ich glaube, dass die Deutschweizer das Hochgebirge nicht derart mit Wettkampf in Verbindung bringen wie die Westschweizer», erklärt Rime.

Wenig erstaunlich ist also, dass die besten Skialpinisten denn auch aus der Romandie kommen. So wie Rémi Bonnet aus Charmey, der Sohn von OK-Präsidentin Rime. Zu Beginn des Jahres wurde der 22-Jährige in Veysonnaz Zweiter der Schweizer Meisterschaften im Vertikal, einer Disziplin im Skitouren-Wettkampf. Zusammen mit Werner Marti ist er am Sonntag einer der Favoriten bei der «Trophée des Gastlosen».

«Trophée des Gastlosen»

2001 als Teil des Europacups

Der 2011 verstorbene Erhard Loretan initiierte 1987 die «Patrouille des Poyets», ein Skitouren-Wettkampf über 2000  Höhenmeter. 1992 übernahm der Skiclub Charmey das Rennen unter dem Namen «Trophée des Gastlosen». 250 freiwillige Helfer sorgen seither jedes Jahr dafür, dass ein technisch anspruchsvoller Wettkampf in den Freiburger Alpen ausgetragen werden kann. Seit 1995 zählt der Event als Lauf der Schweizer Meisterschaft im Skialpinismus, 2001 war er gar Teil des Europacups. Die Teilnehmer können bei der «Trophée des Gastlosen» aus zwei Streckenprofilen auswählen und dabei ihre körperlichen Grenzen ausloten: von Abländschen ausgehend für den kleinen Parcours (1500  Höhenmeter) oder mit Start in Jaun für den grossen Parcours (2390  Höhenmeter). Nach der Überquerung der Gastlosenkette ist der Zieleinlauf für die Teilnehmer beider Strecken beim Ferienheim Gastlosen. Der Start erfolgt am Sonntag ab 8  Uhr. Die ersten Gruppen treffen gegen 9.45  Uhr im Zielgelände ein.

fs
«Die ‹Trophée des Gastlosen› hat etwas Mystisches. Es ist ein sehr technisches Rennen in einer wundervollen Bergwelt.»

Isabelle Rime

OK-Präsidentin