Ski Alpin 11.02.2017

«Der Nebel hat uns ziemlich in Atem gehalten»

Transportprobleme und wandernde Nebeldecken: An der Ski-WM erleben die Sensler Helfer allerhand Kurioses. Was der Vorfreude auf die Abfahrtsrennen aber keinen Abbruch tut, wie Bruno Zbinden erklärt.

«An den letzten beiden Tagen sind wir beim Abschlusstraining der Herren für die heutige Abfahrt im Einsatz gestanden. Dieses Rennen ist für alle Beteiligten in St. Moritz der absolute WM-Höhepunkt. Man spürt so richtig, wie die Anspannung steigt. Dass es dabei hinter den Kulissen auch mal zu Problemen kommen kann, versteht sich wohl von selbst.

Am Donnerstag haben wir einen besonders turbulenten Tag erlebt. Als wir zusammen mit rund 50 Helfern am frühen Morgen in Celerina warteten, um mit dem Voluntari-Shuttlebus zur Piste gebracht zu werden, wollte der einfach nicht auftauchen; dafür kam leichte Hektik auf. Der Transport wurde dann kurzfristig mit kleineren Ersatzfahrzeugen durchgeführt, so dass wir doch noch irgendwie den Weg auf den Berg hinauf fanden.

Oben angekommen, erwartete uns ein traumhaft schöner Sonnenaufgang. Mit gezückten Kameras und einem Lächeln im Gesicht genossen wird das Naturschauspiel. Just in dem Moment als wir zur Arbeit übergehen wollten, zog die sogenannte Maloja-Schlange – ein spektakuläres regionales Wetterphänomen – das Tal hinauf und überzog die Abfahrtspiste mit dichtem Nebel. Diese rasch wandernde Nebeldecke hat uns den ganzen Tag über ziemlich in Atem gehalten. Erst als sie sich zurückgezogen hatte, konnte das Training der Herren endlich starten. Die Freude darüber währte aber nur kurz: Nachdem etwa 25 Fahrer im Ziel waren, zog der Nebel erneut auf. Es war etwa drei Uhr nachmittags, als die Jury das Training über Funk für abgebrochen erklärte.

Als sich der ganze Tross – Fahrer, Trainer und Funktionäre – bereits in Richtung Ziel bewegte und wi r mit dem Sichern der Piste schon fast fertig waren, wurde erneut ein Funkspruch herausgegeben: Der Nebel verschwindet – alle wieder zurück auf den Berg – das Training geht weiter! Keine fünf Fahrer später – wie könnte es auch anders sein – wieder Nebel, wieder Abbruch. Das Drunter und Drüber begann von Neuem. Dieses Mal war die Entscheidung aber endgültig. Nicht nur für uns Helfer, auch für Karl Frehsner, die grosse österreichische Ski-Legende, war das ein Abfahrtstraining der ganz besonderen Art. So was habe er jetzt auch noch nie erlebt, erklärte er uns in seiner urtümlichen österreichischen Mundart und sorgte damit für Erheiterung im Helfer-Team.

Waren wir zunächst doch etwas frustriert ob dem Durcheinander, können wir heute schon wieder alle darüber lachen. Es war ein ungewöhnliches Erlebnis, das uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird. Nun freuen wir uns aber umso mehr, wenn heute endlich die Speed-Cracks die Piste runterdonnern werden. Für mich und weitere Helfer aus unserem Team wird das nicht nur der Höhe-, sondern auch der Schlusspunkt der Ski-WM sein: Während die anderen in die zweite Woche starten, treten wir die Heimreise an. Aber zuerst geniessen wir jetzt noch die letzten gemeinsamen Augenblicke.»

bz/mz

Acht Mitglieder des Skiclub Schwarzsee sind als freiwillige Helfer bei der Ski-WM in St. Moritz dabei. Zwei davon, Bruno Zbinden und Bruno Wyss, erzählen in den FN in regelmässigen Abständen exklusiv von ihren Erlebnissen auf und neben der Piste.