Olympia 23.02.2018

Ganz La Roche im Mathilde-Style

La Roche hat gestern seine Silbermedaillengewinnerin von Pyeongchang, Freestylerin Mathilde Gremaud, gefeiert. Die 18-Jährige war lange Zeit so locker, wie sie es auf den Skiern ist – bis doch noch die Tränen flossen.

Wenn der Dorfwirt um ein TV-Interview gebeten wird, die vollzählige Dorfbevölkerung auf den Beinen ist, die Kirchenglocken an einem Donnerstagabend plötzlich läuten, die Kleinsten in corpore «Mathilde!, Mathilde!, Ma­thilde!» skandieren und die Handys wie bei einem Rockkonzert in die Höhe gestreckt werden, damit Fotos geschossen werden können, ja dann muss Aussergewöhnliches geschehen sein: La Roche feierte gestern seine Silbermedaillengewinnerin von Pyeongchang, Mathilde Gremaud. Die 18-jährige Freestyle-Skifahrerin hatte in der Nacht auf den letzten Samstag im Slopestyle die erste Freiburger Medaille an Olympischen Winterspielen seit Slalomfahrer Jacques Lüthy 1980 in Lake Placid gewonnen. Überraschungsgast Lüthy liess es sich denn auch nicht nehmen, seiner Nachfolgerin persönlich zu ihrer Medaille zu gratulieren und ihr ein Präsent zu überreichen.

Nicht jemand der grossen Worte

Das Sport- und Kulturzentrum in La Roche platzte zu Ehren der Olympia-Zweiten aus allen Nähten, so dass einige gar in der Kälte – wie sie diese Tage auch im südkoreanischen Pyeongchang herrscht – vor den Türen ausharrten, um irgendwie doch dabei zu sein. Und mittendrin war Mathilde Gremaud, die – so machte es zuweilen den Eindruck – gar nicht richtig begriff, wie ihr geschah. Bereits am Mittwochabend vom Empfang ihrer Familie und Bekannten am Flughafen Zürich überwältigt, nahm sie die offizielle Feier ihrer Gemeinde staunend wahr. «Ich habe nicht die Worte meiner Vorredner, aber ich sage euch von Herzen, dass ich allen, besonders aber meiner Familie, für die Unterstützung danke, die diesen Erfolg überhaupt erst möglich gemacht hat. Und jetzt wünsche ich uns allen ein tolles Fest!»

«Ja, Mathilde hat eine verrückte Seite an sich, aber sie ist auch entschlossen und macht keine halben Sachen.»

Chantal Gremaud

Mutter

 

Nein, Mathilde Gremaud ist keine Sportlerin, die grosse Reden hält. Das tut sie auch nicht, als die Feier für ein Live-Interview der Hauptnachrichtensendung des Westschweizer Fernsehens RTS unterbrochen wird. Deutlich wortgewaltiger erwiesen sich da schon Staatsratspräsident Georges Godel, der einen Scheck über 20 000  Franken aus dem kantonalen Sportfonds mitbrachte, oder Jean-Pierre Doutaz, der Syndic der Gemeinde Greyerz, der anmerkte, dass die erfolgreiche Olympionikin nun zu einem Vorbild für die Jugend und zum Aushängeschild eines ganzen Kantons geworden sei.

Gremauds Unbekümmertheit

Gremaud nahm all dies lächelnd und gerührt zur Kenntnis, ganz so, als ob sie mit dieser Verantwortung wie selbstverständlich wird umgehen können, mit ihrer Unbekümmertheit, die sie auszeichnet und die sie letztlich nach der schweren Knieverletzung und dem Trainingssturz vor dem Wettkampftag zur Medaille getragen hat. Erst als die Dorfmusikkapelle die Schweizer Nationalhymne spielte, konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten und weinte hemmungslos. «Ja, Mathilde hat eine verrückte Seite an sich», sagt ihre Mutter Chantal, «aber sie ist auch entschlossen und macht keine halben Sachen.» Nur so habe sie Grosses erreichen können. Und ihre Schwester Jeanne ergänzt scherzhaft: «Jeder beschreibt Mathilde als fröhliche Person. Diese Leute haben sie aber noch nie frühmorgens gesehen …»

Nach den Anstrengungen, den vielen Eindrücken und der Party in Pyeongchang, der 22-stündigen Rückreise und dem gestrigen Fest sei es ihr wahrlich verziehen, wenn sie am Morgen für einmal nicht gleich auf Touren kommt. Strahlen werden Gremaud und ihre Medaille noch lange genug.