skeleton 28.11.2019

Im Tiefflug durch den Eiskanal

Skeletonpilot Lars Rumo stürzt sich kopfvoran den Eiskanal in St. Moritz hinunter.
Vor drei Jahren hat Lars Rumo die Faszination des Skeletonsports gepackt. Der 17-jährige Plaffeier hat sich hohe Ziele gesetzt. Ein erster Schritt wäre die Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen 2020 in Lausanne.

Im Bob- und Skeletonsport sind schnelle Beine eine Grundvoraussetzung, um beim bereits entscheidenden Start keine Hundertstelsekunden zu verlieren. Deshalb arbeitet der Schweizer Verband Swiss Sliding eng mit dem nationalen Leichtathletik-Verband Swiss Athletics zusammen, um potenzielle Kandidaten für die Sportarten im Eiskanal zu rekrutieren. Über diesen Weg wurde Swiss Sliding auch auf Lars Rumo aufmerksam, der es für den TV Plaf­feien 2017 bis an die Schweizer U17-Meisterschaften im Sprint und Weitsprung geschafft hatte. «Aufgrund meiner Resultate erhielt ich im Spätherbst 2016 eine Einladung für einen Schnuppertag in St. Moritz.» Dort durfte der Sensler Probefahrten im Monobob und mit dem Skeletonschlitten absolvieren.

«Während es mit dem Monobob eher ein Rütteln war, empfand ich die Fahrt mit dem Skeleton wie ein Fliegen durch den Eiskanal. Da hat es mich gepackt.» Rumo überzeugte die Verantwortlichen von Swiss Sliding und wurde in das Programm für die Olympischen Jugendspiele 2020 in Lausanne aufgenommen.

Qualifikation in Reichweite

Nachdem der 17-Jährige im Winter 2017/18 gut 40 Fahrten im Natureiskanal von St.  Moritz bestreiten konnte, erhielt er im Sommer 2018 die Swiss Olympic Talent Card National. Dadurch fiel es ihm leichter, Schuldispensationen für das Training zu erhalten. Nach zwei Jahren am Kollegium Heilig Kreuz besucht Rumo seit dem Sommer das Sportgymnasium Feusi in Bern, womit sich Schule und Sport noch besser vereinbaren lassen.

Rumo ist fest entschlossen, im Skeletonsport zu reüssieren. «In der Leichtathletik habe ich gemerkt, dass ich nicht weiterkommen werde. Mit dem Skeleton hat sich eine neue Tür geöffnet. Weil es so wenige Skeletonfahrer gibt, bist du relativ schnell an der nationalen Spitze.» In der Tat ist es in dieser Sportart möglich, einen steilen Aufstieg hinzulegen. Der Weg zur absoluten Weltspitze ist aber dennoch weit. Bestes Beispiel dafür ist der Freiburger Ronald Auderset, der auf Stufe Weltcup – wo die Schweiz in dieser Saison nur einen Startplatz hat – hartes Brot isst. Das aber motiviert Rumo, der zuweilen mit Auderset trainiert und Tipps des routinierten Skeletonpiloten erhält, umso mehr. «Ich habe in jüngeren Jahren mit dem Sport begonnen, vielleicht bringt das ja etwas.»

Die richtigen Olympischen Spiele, Weltmeisterschaften und Weltcup – das sind die langfristigen Ziele des jungen Sportlers. Erst einmal stehen aber die Olympischen Jugendspiele (Youth Olympic Games YOG) vom Januar in Lausanne im Fokus. In einer für diesen Anlass speziellen Qualifikationsserie fuhr Rumo zuletzt in Lillehammer und Königssee in die Top Ten – die Qualifikation für die YOG, wo Platz für zwei Schweizer ist, ist auf einem gutem Weg.

Entscheidung in den USA

In der nächsten Woche stehen in Park City die letzten Qualifikationsrennen für die YOG auf dem Programm. Am Dienstag fliegt Rumo in die Vereinigten Staaten. Eine kostspielige Reise. «Swiss Sliding übernimmt relativ viel. Die Eigenkosten betragen noch rund 2000 Franken.» Rumo kann auf die Unterstützung einiger kleiner Sponsoren, von Sportstiftungen und seiner Eltern zählen. Dass der Skeletonsport kaum mediale Aufmerksamkeit erfährt, sei der Suche nach Geldern nicht zuträglich, erklärt Rumo. Die Teilnahme an den YOG wäre diesbezüglich gewiss ein erster Schritt, um neue Gelder zu generieren.

Klare Vorstellungen

Die werden nötig sein, wenn der Plaffeier seinen Weg konsequent weitergehen möchte. Für nächste Saison hat Rumo bereits die Junioren-WM in Winterberg im Visier, zudem will er erste Erfahrungen im Europacup sammeln. Für 2021 hat er sich die Sportler-RS vorgenommen. «So könnte ich ein Jahr lang wie ein Profi trainieren.»

Zahlen und Fakten

1900 Athleten aus 70 Nationen

Nach Innsbruck 2012 und Lillehammer 2016 finden ab dem 9. Januar 2020 in Lausanne zum dritten Mal die Olympischen Winter-Jugendspiele statt. Gut 1900 Sportlerinnen und Sportler im Alter von 15 bis 18 Jahren aus rund 70 Nationen werden am Grossanlass mit einem 40-Millionen-Franken-Budget teilnehmen. Bisher durften in den 16 Disziplinen (Biathlon, Bob, Curling, Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Freestyle Ski, Nordische Kombination, Rodeln, Short Track, Skeleton, Ski alpin, Langlauf, Skispringen, Skitouren-Wettkampf und Snowboard) aus Kapazitätsgründen nur je zwei Athleten pro Land teilnehmen, weshalb die jüngeren Jahrgänge kaum Einsatzchancen erhielten. Für die Jugendspiele in Lausanne wurden deshalb die Einzeldisziplinen erstmals in zwei Altersklassen aufgeteilt. Die Wettkämpfe finden unter anderem in Lausanne, Leysin und St. Moritz statt.

fs

Youth Olympic Games

Auch Biathlet James Pacal hofft auf die Selektion

Neben dem Skeletonpiloten Lars Rumo stehen noch einige weitere Freiburger im Swiss Olympic Youth Team, das die möglichen Nachwuchssportlerinnen und -sportler vereinigt, die Chancen auf die Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen in Lausanne vom 9. bis 22. Januar 2020 haben. Entsprechend gefördert und unterstützt wurden vom Dachverband des Schweizer Sports auch die Greyerzer Zwillinge und Skitouren-Wettkämpfer Robin und Thomas Bussard, der Freeskier Thomas Kolly, der Skifahrer Nicolas Macheret sowie der einzige Biathlet des Kantons, James Pacal. Für jede der Disziplinen wurden von Swiss Olympic klare Selektionskriterien festgelegt. Welche der Freiburger Talente es schlussendlich an die Olympischen Jugendspiele in Lausanne schaffen werden, wird von Swiss Olympics am 17.  Dezember kommuniziert.

fs