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«Wir haben nichts zu verlieren»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Trotz Nieselregeln brutzeln Bratwürste auf einem Grill, in einer Tonne brennt ein Feuer, darum herum steht eine Gruppe von Männern und einigen wenigen Frauen. Ankömmlinge werden auf dem Gelände des Isolierplattenherstellers in Freiburg freundlich empfangen. «Willst du eine Wurst? Oder etwas zu trinken?», fragen sie. Wer den Hintergrund nicht kennt, könnte den Ernst der Lage leicht unterschätzen–wären da nicht die Plakate, welche die Pavatex-Mitarbeiter in der Nacht auf gestern, der ersten Nacht des Streiks, gemalt haben. «Besetzte Fabrik, wütende Arbeiter» ist darauf zu lesen oder–in Anlehnung auf die Reaktion des CEO Martin Brettenthaler auf den Streik–«Brettenthaler, du bist enttäuscht! Und wir?».

Personal streikt weiter

Während manche vor dem blockierten Tor Wache halten, wärmen sich andere in der Cafeteria auf und vertreiben sich die Zeit mit Jassen oder Zeitunglesen. An einem Anschlagbrett daneben hängen Blätter, auf einem ist die neueste Kommunikation der Firmenleitung zu sehen: Die Arbeiter sollen den «unverhältnismässigen» und «nicht rechtmässigen» Streik bis zum gestrigen 12. November um 13 Uhr beenden, ansonsten gebe es Lohnkürzungen. Zudem gefährdeten die Streikenden die Begleitmassnahmen und riskierten weitere Arbeitsplätze.

«Die Direktion hat uns ein Ultimatum gestellt. Aber die Leute sind entschlossen. Wir haben nichts zu verlieren», sagt Milenco Stojanovic vor der Versammlung um 13 Uhr, an der Personal und Gewerkschaft das weitere Vorgehen besprechen. Der ehemalige Personalvertreter, der ebenso wie sein Kollege Jean-Pierre Biollay aus der Personalvertretung demissioniert hat, soll recht behalten: «Alle Anwesenden waren einer Meinung: Wir werden weiter streiken», sagt Biollay nach der Versammlung. Dies bestätigt auch Unia-Sekretär Armand Jaquier. Was die Löhne betreffe, komme die Gewerkschaft während des Streiks für Entschädigungen auf. Zudem seien sie zum Schluss gekommen, dass der Streik völlig legitim sei. «Die Arbeiter entscheiden, wer sie vertritt. Und sie haben alle anderen Mittel ausgeschöpft, um die Direktion zu einem Gespräch mit uns zu bewegen.»

«Macht niemandem Spass»

 Im Oktober hat die Pavatex-Direktion die Schliessung des Produktionsstandorts Freiburg und die Entlassung von 45 Mitarbeitern bekannt gegeben. Da sie auf die Forderungen der Arbeiter, mit den Gewerkschaften Verhandlungen über einen Sozialplan aufzunehmen, nicht einging, trat ein Grossteil des betroffenen Personals am Montag in Streik (die FN berichteten).

Ganz allein ist das Personal bei diesem Vorhaben nicht. Immer wieder kommt Besuch, so etwa ein junger Mann aus Luzern, der über Facebook vom Streik erfahren hat und extra nach Freiburg gekommen ist, oder SP-Nationalrat Jean-François Steiert, der aufmunternde Worte und Schokolade vorbeibringt. Auch die kantonale SP hat per Communiqué ihre Unterstützung zugesichert und zusammen mit dem Gewerkschaftsbund Freiburg, der Syndicom, dem Verein des Personals öffentlicher Dienste, der Syna, der Alternativen Linken und der Kirchlichen Pastorale der Arbeitswelt eine Unterstützungskoalition gebildet.

«Wir verlangen nichts Unmögliches», sagt Stojanovic, der auf ein baldiges Einlen- ken der Direktion hofft, denn: «Es macht niemandem Spass, hier zu sein.»

Direktion: Streik verursacht Schaden bei Finanzen und Ruf

U ltimatum sei das falsche Wort, sagte Martin Tobler, Direktor Marketing und Entwicklung, zu der Frist, welche die Leitung des Isolierplattenherstellers Pavatex ihren Mitarbeitern für die Beendigung des Streiks gestellt hatte. «Wir wollten den Leuten Bedenkzeit geben.» Die Direktion habe gehofft, dass sich die Mitarbeiter während dieser Frist vom Streik abkehrten. Zu- dem habe sie ihren guten Willen gezeigt. «Wir haben den Lohn trotz des Streiks 24 Stunden weiterbezahlt», so Tobler. Nun sei aber damit Schluss – ausser für diejenigen, die sich bei der Direktion vom Streik distanziert hätten. Elf Personen hätten sich bis zum Ablauf der Frist gemeldet, um ihren Arbeitswillen kundzutun. Um noch mehr Arbeiter zu überzeugen, werde die Direktion auch weiterhin versuchen, das Personal in Einzelgesprächen vom Streiken abzubringen, meinte Tobler, sagte aber: «In der jetzigen Situation ist es nicht so einfach, auf die Leute zuzugehen, die Gewerkschaften üben sehr grossen Druck auf sie aus.»

Dass der Grossteil des Personals am Streik festhält, bedauert Tobler. «Pavatex wird weiter Schaden nehmen, sowohl finanziell als auch was die Reputation betrifft. Zudem gefährden die Streikenden je länger, je mehr die freiwilligen sozialen Begleitmassnahmen.» rb

 

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