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«Wir haben zwei Schritte zurückgemacht»

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Im April fand in Murten die Gründung des Vereins Zukunft Drei-Seen-Land statt. Gestern Nachmittag trafen sich in Ins rund 40 Mitglieder zur ersten ordentlichen Mitgliederversammlung. Der Verein bezweckt gemäss seinen Statuten eine «koordinierte Weiterentwicklung der Kulturlandschaft Dreiseenland in den Bereichen der Landwirtschaft, der Biodiversität und der wirtschaftlichen Weiterentwicklung».

Zukunft Drei-Seen-Land zähle mittlerweile rund 80 Mitglieder mit und ohne Stimmrecht, informierte Geschäftsführer Markus Ith. Davon waren gestern etwas über 40 anwesend.

Städte und Gemeinden, Burger- und Bürgergemeinden, Flur-, Meliorations- und Bewässerungsgenossenschaften sowie Grundeigentümer aus dem Dreiseenland können dem Verein angehören und haben ein Stimmrecht. Eine Mitgliedschaft ohne Stimmrecht gibt es für Wirtschafts- und Interessenverbände sowie Umweltverbände. Zur letzteren Kategorie gehören neu auch «Unternehmen der Privatwirtschaft mit Sitz oder Betriebsstätte in der Region und mit einem intensiven Bezug zum Grossraum Dreiseenland». Diese Ergänzung der Statuten winkten die Mitglieder diskussionslos durch.

Jetzt vor allem Verwaltung

Seit der Gründung seien vor allem administrative Arbeiten angefallen, sagte Ith bei der Vorstellung seines Tätigkeitsberichts. Er habe den Verein Zukunft Drei-Seen-Land in verschiedenen Gemeindeverbänden vorgestellt. «Das will ich fortführen und intensivieren.» Auch sei die Website Zukunft-dsl.ch erstellt worden. Zu seinen Tätigkeiten habe ebenfalls die Lancierung eines Visionsprozesses gehört: Alle Mitglieder hätten einen Fragebogen erhalten, und ausgewählte Anspruchsgruppen seien zu Interviews eingeladen worden (siehe Kasten).

Die ursprüngliche Idee sei gewesen, ein Projekt auf die Beine zu stellen und alle davon zu überzeugen, so Ith. Doch schnell habe der Verband bemerkt, dass es zuallererst eine gemeinsame Vision brauche. «Es macht für den Vorstand wenig Sinn, mehrere Visionen parallel zu entwickeln und sie erst später aufeinandertreffen zu lassen. Das ist wenig zielführend», sagte Ith. Durch den nun gestarteten Visionsprozess – «wir haben damit zwei Schritte zurückgemacht» – solle klar werden, «was es braucht, damit wir alle mitnehmen können».

Mehr Engagement erwartet

Die Teilnehmer eines Podiumsgesprächs äusserten sich unterschiedlich zum Vorgehen des Vereins punkto Vision. Der ehemalige Regierungsstatthalter von Nidau und Biel, Werner Könitzer, begrüsste es, dass der Verein auf das Feld null zurückkehrt. Es sei wichtig, mit Personen, die bis jetzt nicht ins Boot geholt wurden, zu diskutieren, damit Vertrauen entstehe.

«Wenn wir zurück auf null gehen, beginnen die gleichen Diskussionen nochmals», sagte der Kerzerser Pierre-Alain Sydler, Präsident der Stiftung Biotopverbund Grosses Moos. «Jetzt beginnen wir doch mal, vielleicht eher mit einem kleinem Gebiet, holen die Leute ins Boot, sitzen zusammen und versuchen, durch Gespräche Vertrauen aufzubauen.»

Ith äusserte an der Versammlung die Hoffnung, dass die Mitgliederzahl weiter wachse. «Einige Gemeinden und Organisationen warten noch ab, um zu sehen: Was kommt da wirklich vom Verein?» Präsident Christian Wanner ergänzte, dass er von den involvierten Kantonen und Gemeinden ein stärkeres Engagement erwarte. «Jetzt geht es darum, das politische Terrain vorzubereiten, damit wir etwas aufbauen können.»

Befragung

Die Problemwahrnehmung ist unterschiedlich

Der Verein Zukunft Drei-Seen-Land schickte allen Mitgliedern einen Fragebogen. Mit acht ausgewählten Anspruchsgruppen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt, Raumplanung und Energie/Wasser wurden Interviews geführt. Die Ergebnisse dieser Befragung stellte Rolf Weingartner, emeritierter Professor für Hydrologie der Universität Bern, im Anschluss an die Mitgliederversammlung vor.

Seine Feststellung lautete: «Zwischen den Gruppen besteht eine unterschiedliche Problemwahrnehmung.» Es gebe keine gemeinsame Vision. «Letztlich geht es um rund 100 000 Hektaren ackerfähiges Land», habe eine befragte Person gesagt. Eine andere: «Für uns ist diese Initiative nur mit Blick auf unser Wasserkraftwerkprojekt interessant.» Die Interessen innerhalb des Vereins seien sehr heterogen, habe eine dritte Person angemerkt.

Ansprüche zusammenführen

Einig waren die Interviewten bei der Frage, wie eine gemeinsame Vision aufgebaut werden muss. Diese müsse integral, gerecht, umfassend und durchdacht sein. Weingartner brachte als Beispiel mehrere Zitate aus der Befragung und den Interviews: «Im Prozess müssen alle Ansprüche integral zusammengeführt und gegenteilige Interessen aufgezeigt werden. Ein nachhaltiger Entwicklungsplan für die gesamte Region unter Berücksichtigung aller relevanten gesellschaftlichen Anliegen. Ich wünsche mir, dass eine durchdachte Vision für das Dreiseenland entwickelt wird.»

Dreiseenland zu gross

Aus den Befragungen ging hervor, dass der räumliche Perimeter des Vereins kritisch gesehen wird. «Ein grosses Problem ist, dass das Dreiseenland als Gebietsidentität nicht existiert. Die Thematik ‹Dreiseenland› wirkt wie aufgesetzt», zitierte Weingartner. Auch sei die involvierte Region zu gross. «Ich könnte mir Arbeitsgruppen in kleineren geografischen Einheiten vorstellen», hiess es in der Befragung. Oder: «Eine Möglichkeit wäre, den Prozess in Sub-Räumen durchzuführen und dann zu einem Ganzen zusammenzuführen.»

Auch Zweifel am Verein wurden geäussert: «Ich frage mich, ob sich der Verein nicht etwas übernimmt: Die Organisation muss sehr gross sein, um das ganze Dreiseenland abzudecken.» Doch wurde sich auch klar für den Verein Zukunft Drei-Seen-Land ausgesprochen: «Alles andere wäre ein Zeit- und Energie­verlust.»

jmw

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