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«Wir hüten ein reiches kulturelles Erbe»

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Wie sehr die Kathedrale St. Nikolaus einheimischen und auswärtigen Besuchern am Herzen liegt, zeigt sich in diesem Jahr ganz besonders: Zu seinem 500-jährigen Bestehen hat das Domkapitel ein Programm mit Führungen, Konzerten, Publikationen und vielem mehr auf die Beine gestellt, und das Interesse des Publikums ist riesig. Doch was wird eigentlich 2012 genau gefeiert? Welche Funktionen haben die Domherren? Und welche Aufgaben hatten sie früher, als St. Nikolaus noch keine Kathedrale war und sie selbst noch keine Dom-, sondern Chorherren? Auf diese und andere Fragen gibt Claude Ducarroz, Dompropst seit 2004, im Gespräch mit den FN Antwort.

 

 Seit 500 Jahren gibt es das Domkapitel St. Nikolaus; seine Rolle hat sich im Laufe der Zeit immer wieder geändert. Welche Funktionen haben die Domherren heute?

Wir haben vier wichtige Funktionen. Erstens eine liturgische, indem wir das tägliche Morgen- und Abendgebet in der Kathedrale sicherstellen und Gottesdienste halten. Zweitens stehen wir in enger Beziehung zum Bistum, helfen dem Bischof bei seinen Aufgaben und beraten ihn; mehrere Domherren sind enge Mitarbeiter des Bischofs. Drittens–und das ist typisch freiburgisch–sorgen wir für ein gutes Verhältnis zwischen Kirche und Staat, indem wir bei verschiedenen Gelegenheiten mit den Stadt- und Kantonsbehörden zusammenarbeiten. Und viertens hüten wir ein reiches kulturelles Erbe, das wir pflegen und für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Dieser Punkt ist im Rahmen des Jubiläumsjahres besonders wichtig: Wir profitieren von dem Anlass, um dem Publikum unsere Schätze zu zeigen.

 

 Im Jahr 1512, als Papst Julius II. der Klerikergemeinschaft von St. Nikolaus die päpstliche Approbation als Chorherrenstift erteilte, sah das noch etwas anders aus …

Die Chorherren hatten damals eine nahezu bischöfliche Macht, denn der Bischof selbst war weit weg: Sein Sitz war in Lausanne, und Lausanne befand sich unter savoyischem Einfluss, während Freiburg seit 1481 zur Eidgenossenschaft gehörte. Zudem ging es bei der Gründung des Kapitels nicht zuletzt um handfeste politische Interessen. Die Stadt Freiburg erhoffte sich davon eine Stärkung ihrer Position; Vorbild war das 1484 errichtete St.-Vinzenz-Stift in Bern.

 

 Die Gründung des Kapitels selbst war ein hochpolitischer Akt.

Zentrale Figur war der Staatsmann Peter Falck, der damals als Diplomat die Interessen Freiburgs beim Papst in Rom vertrat. Papst Julius II. hatte kurz vorher, im Jahr 1506, vor dem Hintergrund der italienischen Kriege die Schweizergarde zum Schutz des Vatikans ins Leben gerufen. Er brauchte die Schweizer Söldner und war damit für Druckversuche von eidgenössischer Seite anfällig. Peter Falck wusste das auszunutzen und bedrängte den Papst geschickt. Und Falck war hartnäckig: Papst Julius II. starb im Februar 1513, noch bevor er die Anerkennung des Freiburger Kapitels bestätigen konnte. Kaum war sein Nachfolger, Papst Leo X., gewählt, reiste Falck erneut nach Rom, um die Bestätigung zu erhalten.

 

 Mit der fast grenzenlosen Autonomie der Chorherren war es vorbei, als der Bischof sich in Freiburg niederliess.

Ja, ab 1601 lebte der Bischof in Freiburg und war daher viel näher bei den Chorherren. Allerdings war er noch nicht Bischof von Freiburg, da St. Nikolaus damals noch keine Kathedrale war. Erst 1924 wurde die Stiftskirche in den Rang einer Kathedrale erhoben–und das Stiftskapitel wurde zum Domkapitel. Für die Chorherren hatte diese Veränderung allerdings nicht nur Vorteile.

 

 Inwiefern?

Das Kapitel gewann zwar an Bedeutung, büsste aber viel von seiner Autonomie ein. Nicht alle sahen diese Veränderungen positiv. Bezeichnend ist vielleicht, dass der damalige Dompropst Léon Esseiva am 2. Februar 1925 starb, einen Tag nachdem der Bischof die Kathedrale St. Nikolaus in Besitz genommen hatte. Dennoch durfte der Dompropst weiterhin die bischöflichen Insignien Mitra, Stab und Kreuz tragen. Und der Staat behielt gemäss einer Konvention mit dem Vatikan das Recht auf die Nominierung der Domherren, wenn auch auf Vorschlag des Bischofs. Noch mein Vorgänger wurde vom Grossen Rat nominiert. Ich bin der erste Dompropst, den die Domherren selbst gewählt haben; die Domherren wiederum werden heute vom Bischof nominiert.

 

 Das ist gerade erst passiert: Am siebten September werden sieben neue Domherren installiert.

Das ist richtig, und fünf davon kommen von ausserhalb des Kantons Freiburg: je zwei aus Genf und der Waadt und einer aus Neuenburg. Vorher hatten wir keine ausserkantonalen Domherren mehr. Es war uns wichtig, das im symbolträchtigen Jubiläumsjahr zu ändern, um zu zeigen, dass das Domkapitel nicht nur freiburgisch ist. Mit der Installation werden wir 18 Domherren sein, zehn residierende (die maximale Anzahl) und acht nichtresidierende. Gewählt sind die Domherren auf Lebenszeit.

 

 Wie muss man sich den Alltag der Domherren vorstellen?

Das hängt von ihrem Alter und ihren Funktionen ab. Die meisten arbeiten hauptsächlich in ihren Pfarreien oder für das Bistum. Der Dompropst hat weitere traditionelle Aufgaben, zum Beispiel an hohen kirchlichen Feiertagen, bei der Vereidigung der Grossräte oder beim Gedenktag zur Murtenschlacht.

 

 Dieses Jahr beschäftigen Sie sich ausserdem stark mit dem 500-Jahr-Jubiläum des Domkapitels, das Sie bewusst für eine Öffnung gegenüber dem Publikum nutzen.

Ja, wir haben ein sehr reichhaltiges Programm ausgearbeitet, das es den Leuten ermöglichen soll, die Kathedrale neu zu entdecken. Das Interesse ist gewaltig: Die Führungen zu bestimmten Themen wie den Kirchenfenstern, den Orgeln oder den Glocken laufen sehr gut, und unsere Teilnahme an der Museumsnacht war ein Riesenerfolg. Viele Leute sagen nach dem Besuch, sie hätten viel gelernt, obwohl sie die Kathedrale bereits gekannt hätten.

 

 Wie erklären Sie sich dieses grosse Interesse?

St. Nikolaus ist eine sehr schöne Kathedrale, und zudem ist sie hervorragend erhalten. Das verdanken wir nicht zuletzt dem Kanton, der jedes Jahr eine Million Franken in ihren Unterhalt steckt. Umso mehr verdient sie es, dass wir von unserem Jubiläum profitieren, um sie noch besser in Szene zu setzen.

Sommerserie

Die Kathedrale und ihre Schätze

2012 feiert das Freiburger Domkapitel St. Nikolaus sein 500-jähriges Bestehen: Aus Anlass des Jubiläums erzählen die FN diesen Sommer Geschichten und Geschichtliches rund um das Domkapitel und die Kathedrale.cs

Programm

Noch viele Anlässe bis Ende Jahr

Das vielfältige Programm rund um die Kathedrale, welches das Domkapitel dem interessierten Publikum anbietet, geht noch bis zum Ende des Jubiläumsjahres weiter. Einige Höhepunkte:

•Führungenzu speziellen Themen (z.B. Restaurationen, Skulpturen, Chorgestühl) auf Deutsch und Französisch: 7. Okt. bis 30. Nov.

•Präsentation der restaurierten Antiphonarien(liturgische Bücher aus dem frühen 16. Jh.): Do., 1. Nov., 14 bis 18 Uhr und Sa., 3. Nov., 10 bis 17 Uhr.

•Galakonzertmit Werken von G.F. Händel und C.P.E. Bach: Do., 6. Dez., 20 Uhr.

•Jubiläumsgottesdienste:Sa., 8.Dez., 10.15 Uhr (Messe) und 17 Uhr (Vesper).cs

Geschichte: Vom Kollegiatsstift zum Domkapitel der Kathedrale

A ls Gründungsdatum des Domkapitels St. Nikolaus gilt der 20. Dezember 1512. Von diesem Tag datiert die Bulle «Injunctum nobis», mit der Papst Julius II. die Pfarrkirche St. Nikolaus zur Stiftskirche erhob. Die bereits bestehende Klerikergemeinschaft wurde damit zum «ehrwürdigen und exempten» Kollegiatsstift mit damals 15 Chorherren. Nach dem Tod von Julius II. war es dessen Nachfolger Leo X., der die Bulle am 15. April 1513 bestätigte.

Das Recht, die Chorherren und den Propst zu wählen, stand dem Staat zu. Die ersten Chorherren von St. Nikolaus wählte der «Rat der Zweihundert» am 12. April 1515; der erste Propst war Bernard Taverney. Das Wahlrecht des Staates illustriert die enge Verflechtung des Kapitels mit den politischen Behörden, wie es auch in den anderen «Stadtstiften» Bern, Luzern und Solothurn der Fall war. Eine Freiburger Besonderheit war hingegen die autonome Stellung des Kapitels gegenüber dem Bischof, der zwar seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts in Freiburg residierte, jedoch über keine Kathedrale und kein Domherrenstift verfügte.

Mit der Revolution und der politischen Neuorganisation verlor nach 1798 auch das Kapitel an Ausstrahlung. Die Erhebung der Stiftskirche zur Kathedrale im Jahr 1924 brachte zwar neues Ansehen, jedoch ebenfalls den Verlust der Autonomie gegenüber dem Bischof. Am 1. Februar 1925 nahm Bischof Marius Besson die Kathedrale in Besitz. Der Grosse Rat behielt jedoch bis zum Ende des Jahrhunderts das Privileg, Domherren und Dompropst zu no minieren. cs

Jubiläumswein: Das Weingut, das einst den Domherren gehörte

E r widme sich im Jubiläumsjahr nicht nur dem «service divin», dem Gottesdienst, sondern ein bisschen auch dem «service du vin», dem Dienst am Wein, sagt Dompropst Claude Ducarroz mit einem Schmunzeln. Tatsächlich verkauft das Domkapitel zum 500. Geburtstag Jubiläumsweine, einen Chasselas und einen Pinot Noir mit eigens entworfenen Etiketten.

Der Weinverkauf ist allerdings mehr als ein Jubiläumsgag. Dahinter steckt eine Geschichte, die weit in die Vergangenheit zurückreicht. Der Wein stammt vom Weingut Domaine du Daley in Lutry, das sich während Jahrhunderten im Besitz des Kapitels St. Nikolaus befand. Die Klerikergemeinschaft hatte das Gut kurz nach dessen Gründung 1392 gekauft, also lange vor der Erhebung zum Kollegiatsstift. Erst 1937 verkaufte das Domkapitel das Gut an eine Winzerfamilie, die es 2003 weiterverkaufte.

Der neue Eigentümer war ein gewisser Marcel Séverin, dessen Vater einst auf dem Weingut gearbeitet hatte, anfangs sogar noch für die Domherren. Séverin selbst ist auf dem Gut geboren worden. Gekauft hat er es für seinen Sohn Cyril, einen ausgebildeten Önologen, der es bis heute führt. Die Verbundenheit mit dem Domkapitel ist geblieben: Die Idee für den Jubiläumswein stammte von Marcel und Cyril Séverin; die Domherren liessen sich gerne dafür begeistern. cs

Die Weine sind exklusiv erhältlich beim Domkapitel und beim Weingut: Domkapitel: Telefon 026 321 27 04 oder Mail an cl.ducarroz@bluewin.ch. Weingut Domaine du Daley: Telefon 021 791 15 94 oder Mail an info@daley.ch.

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