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«Wir können die Hand hinhalten oder wir können selber Gewinn erzielen»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

 

Als «Revolution» bezeichnete TPF-Verwaltungsratspräsident Christian Castella vergangenen Mai die Umstrukturierung der Freiburgischen Verkehrsbetriebe TPF an einer Pressekonferenz. Vor einem Monat hat diese Revolution nun stattgefunden: Die TPF ist seit dem 1. Januar kein einzelnes Unternehmen mehr, sondern eine dem Privatrecht unterstehende TPF Holding AG mit drei Tochtergesellschaften. Dies erlaubt es den TPF, ins Immobiliengeschäft einzusteigen. Damit verfolgt das Unternehmen zwei Ziele: Es will sich selbst Kunden und Geld beschaffen. Im FN-Interview spricht TPF-Generaldirektor Vincent Ducrot über die Zukunft des Unternehmens.

 

 Vincent Ducrot, wie ist der erste Monat mit der neuen Struktur gelaufen?

Gut. Im Moment bringt die neue Struktur noch viel Aufwand, das ist klar. Wir müssen unsere IT-Systeme anpassen, unseren Lieferanten mitteilen, dass sie die Rechnungen an eine neue Firma schicken sollen, es braucht neue Verträge, die Mitarbeiter müssen sich umgewöhnen und so weiter. Die neue Struktur bringt aber auch sehr viele Vorteile.

 

 Welche?

Es ist jetzt alles viel transparenter, niemand kann sich mehr verstecken. Bisher war nicht klar ersichtlich, wie viel Cashflow wir beispielsweise im Infrastrukturbereich generierten und wie viel im Verkehrsbereich; das Gesamte war ersichtlich. Jetzt können wir alles viel besser kontrollieren, die Steuerung wird einfacher. Das steigert auch die Verantwortung der Mitarbeiter. Darüber bin ich froh. Ich bin ein Fan von klaren Strukturen und klarer Verantwortung bis auf die unterste Ebene.

 

 Es tönt so, als hätten die TPF da einen Nachholbedarf gehabt.

Nein, das stimmt nicht. Die TPF waren buchhalterisch und administrativ immer gut geführt. Wir haben jetzt einfach einen Schritt gemacht hin zu einer moderneren Führung. Wir arbeiten neu nach der Rechnungslegungsnorm FER und nicht mehr nur nach dem Obligationenrecht. Es ist alles viel strenger, aber das war mein Wille. 70 Prozent unserer Einnahmen sind Staatsgelder, da können wir nichts verstecken.

 

 Die TPF wollen jetzt aber nicht mehr länger nur vom Staat Geld erhalten?

Das ist richtig. Wir haben die Gesamtstrategie mit unserem Hauptbesitzer, dem Staat Freiburg, diskutiert. Das Ziel ist klar: Wir wollen den öffentlichen Verkehr im Kanton entwickeln, dazu braucht es mehr Mittel. Wir können die Hand hinhalten oder selber mithelfen, indem wir Gewinn erzielen.

 

 Und das wollen Sie mit dem Immobiliengeschäft erreichen?

Genau. Dafür war die neue Struktur notwendig. Denn mit der alten Unternehmensform durften wir gemäss Gesetz keinen Gewinn erzielen. Durch die Aufteilung in verschiedene Unternehmen ist dies nun möglich. Wenn wir mit der Immobilienfirma Gewinn machen, geht dieser an die Aktionäre. Die Aktionäre sind zu 95 Prozent Stadt und Kanton. Sie werden die Rendite anschliessend wieder in den öffentlichen Verkehr investieren. Ich habe in Japan gesehen, dass dieses Modell funktioniert, und die SBB generieren mit ihren Immobiliengeschäften ebenfalls hohe Dividenden. Ich bin überzeugt, dass das Modell auch für uns gangbar ist.

 

 Ihre Immobilienprojekte in Bulle, Estavayer-le-Lac und Châtel-St-Denis sollen also schon bald Gewinn bringen?

Der Zeitrahmen wird sich zeigen. Es ist auch noch zu früh, um zu sagen, wie viel Rendite wir erzielen werden. Das Gute ist, dass wir Zeit haben. Das Land gehört uns, wir mussten dafür also noch nichts investieren. Die Wirtschaftslage wird bestimmen, wann und wie viel wir bauen. Mit den Immobilienprojekten wollen wir aber mehr, als einfach Gewinn erzielen.

 

 Was sind denn die weiteren Ziele?

Indem wir in den Zentren Wohnungen bauen, schaffen wir uns auch Kunden. Wer gleich neben einem Bahnhof wohnt, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit auch die Bahn benutzen, um zur Arbeit zu fahren. Damit entsprechen wir dem neuen Raumplanungsgesetz. Wir verdichten im Innern, nahe beim öffentlichen Verkehr. Wir haben zudem im- mer gleich die ganzen Quartiere geplant, auch wenn diese nach und nach entstehen. So bilden sich kohärente Quartiere. Plant man nicht so, wird es unschön, das will ich nicht.

 

 Sie werden also zu Raumplanern. Nehmen Sie da nicht anderen das Geschäft weg?

Nein, überhaupt nicht. Das Land gehört uns. Wir haben einige Raumplaner und Architekten geholt, grösstenteils arbeiten wir aber mit externen Büros aus der Region zusammen. Wir haben mit der Umstrukturierung auf 800 Stellen nur 1,5 Stellen mehr geschaffen, die Verwaltung bleibt schlank. Die Gemeinden begrüssen unsere Projekte, sie sind immer auch mit einbezogen. In den Arbeitsgruppen ist jeweils mindestens die Hälfte der Mitglieder aus der Gemeinde. Und wir unterstehen wie alle anderen auch den Regeln des öffentlichen Beschaffungswesens.

 

 Aber Sie entfernen sich von Ihrem Kerngeschäft, dem öffentlichen Verkehr?

Nein, überhaupt nicht. Der öffentliche Verkehr bleibt unser Kerngeschäft. Die Immobilienprojekte sind wichtig, aber sie sind ein Nebengeschäft. 80 Prozent unserer Energie gehen immer noch in den Verkehr und die Bahn.

 

 Bevor Sie mit den Immobilien Gewinn erzielen können, müssen Sie investieren.

Ja, das braucht Zeit. Ich werde die Resultate der neuen Strategie wohl nicht mehr sehen, aber ich habe die Marschrichtung vorgegeben.

 

 Mit welchen Investitionen rechnen Sie in den kommenden Jahren?

Wie gesagt, die Wirtschaft, also die Nachfrage, wird das Tempo bestimmen. Ohne den Wert des Landes planen wir insgesamt Investitionen von 800 Millionen Franken für die Immobilienprojekte. Aber es eilt nicht. Wenn wir die Hälfte davon in den nächsten fünf bis zehn Jahren investieren, ist das okay. Wir planen unsere Quartiere so, dass wir sie in kleinen Schritten realisieren können. Für einen Wohnblock werden wir zwischen 10 bis 20 Millionen Franken aufwenden. Das können wir uns leisten, auch wenn es zu Beginn nicht rentieren sollte.

 

 Planen Sie auch Immobilienprojekte in Deutschfreiburg?

Nein, das hat aber nichts mit der Sprache zu tun. Wir besitzen in Deutschfreiburg kein Land. In den nächsten Jahren wird uns der Ausbau der Linie Freiburg–Murten–Ins beschäftigen, und wir werden die Bahnhöfe umgestalten, aber dort gehört uns kein Land.

 

 Das Immobiliengeschäft soll den Ausbau des öffentlichen Verkehrs ermöglichen. Weshalb haben Sie nicht schon früher damit begonnen?

Ich bin seit vier Jahren bei den TPF, schneller wäre es nicht gegangen. Das Immobiliengeschäft ist auch die Konsequenz unseres Ziels, die Produktion zu rationalisieren. Indem wir uns künftig auf die Standorte Bulle und Givisiez konzentrieren, wird an anderen Orten Platz frei.

 

 Das Immobiliengeschäft trägt die Handschrift Ducrot?

Nicht nur meine, das ist keine Ein-Mann-Leistung. Ich bin stolz, dass ich es mit den Leuten machen kann, die schon zuvor da waren. Das Team hat sich weiterentwickelt, es herrscht jetzt eine Gewinnermentalität. Die ganze Umstrukturierung ist mit der Politik abgesprochen; würden Kanton und Stadt sie nicht stützen, wäre es nicht möglich.

Zahlen und Fakten

160000 Quadratmeter Land, 2200 Wohnungen

Statt des einzelnen Unternehmens TPF mit den Bereichen Verkehr, Infrastruktur und Immobilien gibt es seit dem 1.Januar die TPF Holding AG mit den Gesellschaften TPF Infra AG, TPF Verkehr AG und TPF Immo AG. Die Immobiliengeschäfte unterstehen dem freien Markt, die Infrastruktur wird mit Fabi über den Bund finanziert, und der Verkehr wird von Bund, Kanton, der Agglo und den Gemeinden getragen. Die TPF haben bereits Immobilienprojekte in Bulle, Châtel-St-Denis und Estavayer-le-Lac lanciert (die FN berichteten). Insgesamt wollen die TPF 160000 Quadratmeter ihres Landes bebauen; das entspricht 250000 Quadratmetern Wohnfläche oder etwa 2200 Wohnungen. Die Projekte sindauf die nächsten 20 Jahre hinaus geplant. Als Standorte der Unternehmen sollen in Zukunft Bulle und Givisiez dienen. So werden beispielsweise auch Flächen im Juraquartier frei, wo sich momentan das Bus-DepotChandolan befindet.mir

 

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