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«Wir leben in einer Macho-Gesellschaft»

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«Wir leben in einer Macho-Gesellschaft»

Stimmen von Frauen – und Männern – zum Internationalen Frauentag

Frauen jeden Alters und sogar einige Männer nahmen gestern an der Protestaktion «Wir Frauen sind wütend» teil. Sie sagten gegenüber den FN, was sie sich für eine gerechtere Zukunft wünschen.

Von ILONA STÄMPFLI

Alljährlich am 8. März setzen sich Frauen weltweit für Chancengleichheit ein und rücken die Situation von Frauen ins Licht der Öffentlichkeit. Die Bundesratswahlen im Dezember verliehen dem Internationalen Frauentag in der Schweiz besondere Brisanz. Auch in Freiburg gaben gestern zahlreiche Frauen ihrer Wut Ausdruck. Demonstriert wurde für die Gleichberechtigung von Mann und Frau, für die Mutterschaftsversicherung und gegen die elfte AHV-Revision.

Sowohl Studentinnen und Schülerinnen, als auch Mütter, ältere Frauen und sogar einige Männer nahmen an der ganztägigen Veranstaltung teil. Der Umzug wurde von verschiedenen Gewerkschaften, der Bewegung für den Sozialismus und anderen Frauenbewegungen organisiert und startete um neun Uhr beim Bahnhof Freiburg.

«Unsere Mütter und Grossmütter
haben schon dafür gekämpft»

Die «wütenden Frauen» begaben sich am Vormittag ins Kantonsspital, auf die Redaktion der Zeitung «La Liberté» und auf die grosse Baustelle in der Perollesstrasse. An diesen verschiedenen Arbeitsorten machten sie auf ihre Anliegen aufmerksam. «Während dem Demo-Umzug haben wir gemerkt, dass die Leute grundsätzlich für eine Gleichberechtigung von Mann und Frau sind», sagte Wyna Giller aus Freiburg. «Unsere Mütter und Grossmütter haben sich schon für mehr Rechte eingesetzt, aber leider hat sich nie viel geändert.»

Am Mittag fanden sich die Frauen und die mit den Frauen solidarisierenden Männer im Bahnhof ein. Dort wurde gratis die «Suppe des Zorns» verteilt und eine Gruppe von jungen Studenten führte ein Strassentheater auf. Für Angela Mattli von der Gleichstellungskommission Femco der Universität Freiburg ist es wichtig, dass auch Studentinnen auf ihre Anliegen aufmerksam machen. «Nach dem Universitätsabschluss verdienen wir Frauen zehn Prozent weniger als unsere männlichen Mitstudenten. Der Frauentag ist auch eine Gelegenheit dieses Problem zu thematisieren», meinte sie.

Mehr Betroffenheit seit den
Bundesratswahlen

Viele teilnehmende Frauen waren sich einig, dass die Betroffenheit der Frauen seit dem 10. Dezember zugenommen hat. Plötzlich interessieren sich wieder vermehrt junge Menschen für die Anliegen der Frau. Gleichberechtigung wurde wieder zu einem Thema. «Ja, es ist ein Anfang, aber wir sind noch lange nicht dort, wo wir hin wollen», bemerkte Mattli hierzu.

Marinette Rossier aus Villars-sur-Glâne findet es schade, dass gerade jüngere Frauen die Probleme nicht wahrnehmen. «Seit den Bundesratswahlen hat sich aber einiges geändert. Die Frauen haben gemerkt, dass wir in einer Macho-Gesellschaft leben.»
Denise Chervet aus Sugiez hatte eine Erklärung, warum nur wenig junge Mädchen an der Demonstration mitmachten: «Erst wenn sie in die Arbeitswelt treten, sehen sie, dass die Männer bevorzugt werden und eine Ungleichheit besteht. Heute glauben die Mädchen noch, in der Schweiz herrsche Gerechtigkeit.»
Die Schülerin Salomé Donzallaz ist sich der Ungerechtigkeit, die die Frauen in der Schweiz erfahren, sehr wohl bewusst. Sie forderte ihre Klassenkolleginnen des Kollegiums St. Michael dazu auf, sich für einen Tag rot zu kleiden. «Etwa 80 Prozent meiner Mitschülerinnen kamen heute tatsächlich in Rot», berichtete sie stolz.
Roland Graf, einer der wenigen männlichen Demonstranten glaubte, dass vielen jungen Frauen der Mut fehlt, auf die Strasse zu gehen. «Die Betroffenheit ist zwar vorhanden, aber viele wagen sich einfach nicht, etwas zu unternehmen.»

«Ich schäme mich zutiefst»

Dass das Gleichstellungsproblem nicht nur ein Frauenthema ist, wusste auch der Student Fabian Dreher aus Freiburg: «Wir Männer befinden uns in der Machtposition und müssen deshalb Konzessionen eingehen. Wir profitieren von der Ausbeutung der Frauen.»

«Wir tun so, als wäre in der Schweiz alles perfekt», meinte Roland Graf weiter. Er schäme sich zutiefst dafür, dass es heute noch eine Demonstration wie diese brauche. «Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es genauso viele unfähige Frauen auf wichtigen Positionen gibt, wie es heute für die Männer selbstverständlich ist.»

Davoine Ildiko wünscht sich, dass die Arbeit der Frau besser angesehen und honoriert wird. Obwohl die Frauen dieselbe Ausbildung und dieselbe Arbeit leisteten wie die Männer, verdienten sie weniger, stellte die Mutter einer kleinen Tochter fest. An der geschlechtlichen Aufgabenteilung gibt es ihrer Meinung nach wenig zu rütteln. «Die Verantwortung für den Haushalt und die Kinder ist der Frau überlassen. Das wird sich nicht ändern, auch wenn die Frauen emanzipiert sind.»

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