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«Wir machen heute das Weizensaatgut für das Brot von morgen»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Mit einem Genossenschaftsfest, einem Kundenanlass und einem Tag der offenen Türen feiert die Saatzuchtgenossenschaft Düdingen in diesen Tagen ihr 100-jähriges Bestehen. Verwaltungsratspräsident Fritz Herren aus Lurtigen erklärt im Gespräch, wie sich die Organisation, die rund einen Viertel des schweizerischen Saatguts produziert, entwickelt hat.

 

Was waren die wichtigsten Meilensteine in der Geschichte der Saatzucht Düdingen?

Die Geschicke der Genossenschaft waren sehr oft von starken Führungsleuten geprägt. Eine dieser Persönlichkeiten war Hans Jungo, Geschäftsführer von 1940 bis 1983. Er war ein vorausdenkender und innovativer Mensch, eine Respektsperson, der die Bauern überzeugen konnte und den Betrieb weiterentwickelt hat. Ihm ist es zu verdanken, dass wir am heutigen Standort gute Betriebsbedingungen haben. Auch der Zusammenschluss mit den Saatzuchtgenossenschaften See 1992 und Saane 2006 war ein wichtiger Entscheid, der sich bewährt hat. Will eine Saatzuchtgenossenschaft den Produzenten und Abnehmern möglichst alles anbieten, braucht sie eine gewisse Infrastruktur. Diese hätte jede für sich nicht so einfach tragen können. Und der Standort Düdingen ist ideal für alle. Der dritte Punkt ist sicher die Weiterentwicklung unserer Strukturen in den letzten 20 Jahren.

Genau, Sie haben rund sieben Millionen Franken in die Anlagen und den Um- und Ausbau der Saatgetreidezentrale sowie in die Erneuerung der Lager- und Speditionshalle gesteckt. Was bedeutet dies für die Saatzucht?

Das war ein wichtiger Schritt, um am Markt zu bleiben, um die Qualität zu sichern und die Effizienz zu steigern. Das neue Arbeitssilo ermöglicht uns mehr Flexibilität. Es werden immer mehr Getreidesorten und -arten – bio oder nicht-bio – angebaut. Sie müssen getrennt verarbeitet werden, dafür braucht es mehr Zellen. Das können wir mit dem neuen Silo anbieten. Die Anlieferung, Abfertigung, Absackung und das Bereitstellen für die Kunden geschieht schneller, es gibt weniger Wartezeiten.

Weiss die Bevölkerung eigentlich, was Ihre Genossenschaft tut?

Einem grossen Teil der Bevölkerung ausserhalb der Landwirtschaft ist wohl nicht klar, warum die Bauern Saatgut für Getreide und Kartoffeln jedes Jahr neu kaufen, statt es selbst zu vermehren. In vielen Ländern ausserhalb der Schweiz wird teilweise noch die Eigenvermehrung praktiziert. Um den Qualitätsansprüchen an unsere landwirtschaftlichen Produkte gerecht zu werden, ist auch einwandfreies Saat- und Pflanzgut gefordert. Wir können eine Garantie abgeben, dass unser Saatgut qualitativ hochwertig ist. So wird jeder Posten Getreide von der Forschungsanstalt Agroscope auf seine Keimfähigkeit geprüft. Das gibt dem Produzenten Sicherheit für die Ernte. Ausserdem erhält er ein standardisiertes Produkt, zum Beispiel gleich grosse Knollen oder Körner. Das ist wichtig, da die Technik zum Pflanzen und Säen eine solche Vereinheitlichung verlangt.

Immer wieder ist das Wetter matchentscheidend. Gibt es Möglichkeiten, wetterunabhängiger zu werden?

Es wird versucht, zum Beispiel Getreide- oder Kartoffelsorten zu züchten, die den veränderten klimatischen Verhältnissen besser angepasst sind. Das ist aber ein Teil der Züchtung und Forschung und liegt ausserhalb der Saatgutproduktion. Wir können einzig versuchen, auf andere Sorten auszuweichen. Das Schwierige ist, dass wir ja immer ein oder zwei Jahre im Voraus planen müssen: Wir machen heute das Weizensaatgut für das Brot von morgen. Man kann auch versuchen, die Anbautechnik zu verbessern, indem etwa die Erosion auf den Feldern verhindert wird oder wo möglich durch Bewässerung den Ertrag zu sichern oder die Qualität der Produkte zu verbessern.

Abhängig sind Sie in wesentlichem Masse aber auch von den Abnehmern?

Ja, es kommt vor, dass gewisse Sorten nicht mehr und andere auf einmal viel stärker gefragt sind. Ein Beispiel ist die Schweizer Weizensorte Nara, für die letzten Herbst eine sehr grosse Nachfrage herrschte, so dass die Ware knapp wurde. Wir bauen nun dieses Jahr mehr davon an und hoffen, dass sie wieder so gut läuft im Herbst. Bei den Kartoffeln bestimmt der Abnehmer entscheidend, was angebaut wird, sei es für Konsumware oder für die Verarbeitungsindustrie. Für Pommes frites ist zum Beispiel die Hauptsorte Agria gefragt, weil sie schön gelb ist. Das Problem ist: Agria ist schwierig im Anbau, es gibt Wachstumsrisse und vielfach auch Probleme mit Schorf. Da diese Sorte nur eine geringe Stückzahl produziert, ist sie für den Pflanzgutproduzenten nicht sehr ertragreich. Obwohl der Absatz gesichert ist, braucht sie viel Pflege. Wir müssen Produzenten manchmal fast überreden, sie anzubauen.

Was unterscheidet die Saatzucht heute von jener vor 50 Jahren?

Die Sortenvielfalt hat stark zugenommen, es gibt viel mehr Sorten im Anbau als vor 50 Jahren. Es hat heute weniger Produzenten. Die Betriebe wurden grösser, aber die Anbaufläche ging zurück, weil die Erträge höher wurden. Aus diesen Gründen hat der Ackerbau nicht mehr stark zugenommen. Massiv geändert hat sich die ganze Mechanisierung in der Landwirtschaft, die heute nicht mehr wegzudenken ist.

Solidarität war bei der Gründung ein wichtiger Gedanke. Spielt sie auch heute noch eine Rolle?

Auf jeden Fall. Die Zusammenarbeit unter den Landwirtschaftsbetrieben hat zugenommen. Genossenschaftsintern haben wir ein System, das einen finanziellen Ausgleich beim Anbau von weniger attraktiven Sorten schafft. Ich bin in mehreren Organisationen tätig, aber ich habe noch nie eine erlebt, in der die Mitglieder so stark mit der Organisation verbunden sind. Es ist ihre Genossenschaft, ihr Geld. Jeder hat eine Stimme und kann mitreden. In einer Aktiengesellschaft wäre das weniger möglich.

Wie positioniert sich die Saatzuchtgenossenschaft Düdingen schweizweit?

Sie nimmt auf schweizerischer Ebene eine besondere Stellung ein, weil wir dank unserer Infrastruktur die ganze Saat- und Pflanzgutkette in eigener Hand haben. Wir übernehmen das Saatgut von den Produzenten, unseren Mitgliedern, verarbeiten und lagern es, und schliesslich verkaufen wir die zertifizierte Ware an den Handel. Deshalb haben wir eine besondere Stellung unter den schweizerischen Vermehrungsorganisationen. Wir planen den Anbau nicht zu knapp, das gibt uns mehr Freiheiten in der Planung der Fläche, erhöht aber auch das Risiko. Das heisst, wir nehmen auch mal in Kauf, Überschüsse zu produzieren.

Welche Herausforderungen warten auf die Saatzucht?

Infrastrukturmässig sind wir weitgehend auf dem neuesten Stand. Eine Lücke haben wir noch bei der Übernahmekapazität des Saatgutes von unseren Produzenten. Deshalb lagern einige Landwirte das Saatgut nach der Ernte zuhause. Für uns ist das Personal ein wichtiges Kapital. Wir haben unsere Infrastruktur erneuert, nun wollen wir auch unser Personal auf diesen modernen Anlagen aus- und weiterbilden. Denn es ist schwierig, gute Allrounder zu finden. Ein weiteres Ziel: am Markt zu bleiben, aufmerksam zu sein und uns anzupassen, wenn etwas Neues kommt.

Serie

100 Jahre Saatzucht Düdingen

Die Saatzuchtgenossenschaft Düdingen feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass greifen die FN in einer losen Serie verschiedene Aspekte rund um Getreidesaatgut und Pflanzkartoffeln auf. Alle Artikel sind auf der FN-Homepage nachzulesen: www.freiburger-nachrichten.ch/dossiers.

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Jubiläumsfest

Saatzucht Düdingen: Eine Inspiration für Politiker

«Als ich als Gymnasiast bei einem Landwirt in der Gemeinde arbeitete, fuhren wir jeweils mit Traktor und Wagen nach Düdingen, um den Saatzüchtern unsere Ernte zu präsentieren.» Grossratspräsident Bruno Boschung schwelgte am Jubiläumsfest der Saatzucht Düdingen in Erinnerungen. 450 Leute hatten sich am Donnerstagabend dort versammelt – Bauern, Bäuerinnen, Genossenschafter und Gäste –, um das 100-jährige Bestehen der Genossenschaft zu feiern. Die Saatzucht habe seine Liebe zur Landwirtschaft entfacht, sagte Boschung weiter. «Es braucht engagierte Leute wie euch – die Pioniere, die die Saatzucht gegründet haben –, um so ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen. Genau so, wie es ein gutes Saatgut für eine reichliche Ernte braucht.» Auch der Gemeindeammann von Düdingen Kuno Philipona fand nichts als lobende Worte für die Genossenschaft: «Der Bau des Silos hat mich als Junge wahnsinnig fasziniert. Vielleicht habe ich sogar darum beschlossen, einen Beruf im Bauwesen zu ergreifen.» Die Saatzucht sei sehr wichtig für Düdingen, schon nur deshalb, weil sie gute Arbeitsplätze generiere wie auch erhalte.

kf

 

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