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«Wir müssen näher am Leben sein»

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Herr Spengler, wie wird die SBK in der Öffentlichkeit wahrgenommen?

Sie wird zu wenig wahrgenommen. Und das ist ein grosses Problem. Die Bischöfe sind sich untereinander nicht einig, wie stark die SBK als geeintes Gremium nach aussen kommunizieren soll. Für einige steht die Autonomie der Diözesanbischöfe im Zentrum. Die SBK soll in ihren Augen nur ein Koordinationsgremium sein, kein Leitungsorgan. Die Innensicht und die Erwartungen der Öffentlichkeit der SBK gegenüber klaffen da weit auseinander.

 

 Das würde ja Ihre Aufgabe überflüssig machen.

Es macht mir meine Aufgabe jedenfalls nicht leicht. Wenn es nach mir ginge, müsste die Bischofskonferenz in der Öffentlichkeit ein ganz anderes Gewicht haben. Natürlich sollte sie sich auch vom Anspruch lösen, immer die absolute Wahrheit verkünden zu wollen. Wenn ein Bischof davon ausgeht, alle seine Worte seien in Ewigkeit gültig, wird es schwierig.

 

 Sie könnten aber dennoch drei Medienmitteilungen pro Woche schreiben. Warum passiert da nichts?

Weil der Absender das nicht wünscht. Es ist nicht wichtig, was ich persönlich denke, sondern was die Bischöfe wollen. Man kann sie nicht zwingen, zu kommunizieren. Einzelne, wie Abt Martin Werlen, Bischof Charles Morerod in der Romandie oder Markus Büchel, sind zwar aktiv. Aber die Bischofskonferenz als Ganzes tritt kaum auf.

 

 Macht das Bistum Chur bessere Medienarbeit als die SBK?

Rein professionell gesprochen sind die Leute in Chur absolute PR-Profis. Sie nutzen jede Gelegenheit, um ihre Position in die Medien zu bringen. Da kann ich nur sagen: Hut ab. Das Problem ist, dass es weder mit den anderen Bischöfen noch mit der SBK abgesprochen ist – und oft sogar gegen sie. Wir sollten nicht interne Konflikte medial bewirtschaften, sondern den Menschen etwas bieten, das ihnen hilft.

 

 Wüssten Sie als ehemaliger «Blick»-Journalist nicht am besten, was die Medien und die Öffentlichkeit wollen?

Offensichtlich nicht, sonst sähe die Bilanz nach drei Jahren nicht so durchzogen aus. Ich gebe mein Bestes, aber es gibt eben auch institutionelle und persönliche Hindernisse, die man nicht einfach aus dem Weg räumen kann. Damit muss man umgehen.

 

 Welche Hindernisse sind das?

Viele Kirchenvertreter haben nach wie vor eine furchtbare Scheu vor Medien. Sie sind von der Einwegkommunikation am Sonntag auf der Kanzel geprägt: Sie predigen, die anderen hören zu. Dass Medien kritisch über sie berichten, passt nicht ins Konzept. Ich glaube, uns als Kirche fehlt noch immer ein Verständnis für die Funktion einer kritischen Öffentlichkeit. Die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils, «Communio et progressio», sind noch nicht in unseren Köpfen verankert. Man braucht die Offenheit, sich auch kritisieren zu lassen. Und diese Kritik als Chance zu sehen, um sich zu verbessern. Dieses Bewusstsein ist bei uns noch nicht genügend ausgereift.

 Ihre französischsprachige Kollegin Laure-Christine Grandjean hat bei der SBK das Handtuch geworfen. Sie sagte kürzlich in einem Interview, es sei ein Ding der Unmöglichkeit, dass die Bischöfe einheitlich kommunizierten. Wann hören Sie auf?

Der Weggang von Frau Grandjean war ein grosser Verlust für uns. Ich bin ein deutscher Sturkopf, ich bin es gewohnt, nicht so schnell aufzugeben. Es ist nicht die Frage, wie lange ich es bei der SBK aushalte, sondern wie lange es die SBK mit mir aushält. Ich war mir bewusst, dass ich mit einigen Widerständen würde leben müssen.

 

 Sie als ehemaliger Boulevard-Journalist: Wie viel «Blick» steckt in der SBK?

Zu wenig. Der «Blick» muss sich jeden Tag neu darum bemühen, seine Botschaft so zu formulieren, dass die Leute das Blatt kaufen. Dieses Bewusstsein muss die SBK noch entwickeln.

 

 Was hat die SBK dem «Blick» voraus?

Die Institution Kirche bietet mehr Freiheiten. Mir wird von den Bischöfen sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Es gibt keine strikten Direktiven von oben, wenn es beispielsweise um die Neustrukturierung der katholischen Medienlandschaft geht. Man vertraut in meinen Sachverstand. Die Arbeit in einem grossen Medienhaus ist viel autoritärer, der Chefredaktor bestimmt von oben. Im Vergleich zur Redaktion des «Blick» ist die SBK ein liberaler Verein.

 

 Aber ein gemeinsames Abendmahl zwischen katholischen und reformierten Gläubigen wird von den Oberen untersagt. Ist das nicht autoritär?

Es gibt gewisse Regeln, die man akzeptieren muss. Das ist bei jeder Bank oder Versicherung genauso. Was das gemeinsame Abendmahl betrifft, habe ich auch da nicht die Hoffnung aufgegeben, dass wir irgendwann noch vorankommen. Obwohl es im Moment nicht gut aussieht. Ich spüre Stagnation und Mutlosigkeit.

Die Kirche hat in den letzten Monaten und Jahren teils massiv an Glaubwürdigkeit verloren. Was werden Sie tun, um diese Glaubwürdigkeit wiederherzustellen?

Es schiene mir wichtig, einen Dialog zwischen Kirchenleitung und den Menschen auf der Strasse zu initiieren. Die Kirche sollte viel weniger von oben herab predigen, sondern erst einmal zuhören. Und dann versuchen, aus ihrem reichen Fundus Antworten auf die Nöte der Menschen und die Fragen der Zeit zu geben.

 

 Wie stellen Sie sich das konkret vor?

Die Bischöfe könnten beispielsweise die Tradition der Wandermönche Kolumban und Gallus wieder aufnehmen und mit dem Bischofsstab durch das Land marschieren. Als Zeichen dafür, dass sie mit den Menschen in Kontakt kommen wollen – jenseits von offiziellen Einladungen und kirchlichen Events. Auch der Kontakt zur Jugend sollte gesucht werden. Nicht nur bei Weltjugendtagen in Brasilien, sondern auch in der Schweiz. Etwa, indem ein Bischof mit den Jugendlichen ins Zeltlager fährt. Ich fand es beispielsweise sehr gut, dass Abt Martin Werlen die Pressekonferenz zur Asylgesetzrevision in einem Asylzentrum abhielt statt in einem Konferenzraum. Das ist viel näher am Leben. Und Papst Franziskus macht es uns vor.

 

 Wie sähe die ideale Zukunft der Medien und der Bischofskonferenz aus?

Ich wünsche mir, dass die Medien sich nicht nur für die internen Streitigkeiten, sondern auch für die Botschaft der Kirche interessieren. Aber der Ball liegt zuerst bei uns: Wir müssen unsere Botschaft in die heutige Zeit predigen. Es sollte nicht im Vordergrund stehen, ob der Mensch homo- oder heterosexuell ist, verheiratet, geschieden oder Single. Im Zentrum sollten die Sorgen, Nöte und Hoffnungen der Menschen stehen, welche Fragen sie täglich beschäftigen, und wie die Botschaft Jesu da helfen kann. Wir verstecken uns noch zu sehr hinter unseren Dogmen, anstatt die Menschen in den Vordergrund zu stellen.

Zur Person

Geschäftsführer und Info-Beauftragter

Simon Spengler ist geschäftsführender Sekretär der Kommission für Kommunikation und Medien der Schweizer Bischofskonferenz SBK mit Sitz in Freiburg. Er ist ebenfalls einer der drei Informationsbeauftragten der Kommunikationsstelle der SBK. Spengler lebt in Schmitten.Kipa

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