Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Wir pflücken die Früchte von den Bäumen»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Wir pflücken die Früchte von den Bäumen»

Serie «Schüler führen Interviews»: im Gespräch mit Maria Brügger-Münoz

Maria Brügger-Münoz lebt seit 31 Jahren in Plaffeien. Ihre Kindheit erlebte sie aber in Ecuador (Südamerika). In einem Gespräch erzählt sie von den Unterschieden zwischen den beiden Ländern und ihren Kulturen.

Mit MARIA BRÜGGER-MÜNOZ
sprachen NADJA SCHÖNBERG UND CORINA RAMSEIER

Ihre Kindheit in Ecuador ist bestimmt anders verlaufen als die Ihrer Kinder in der Schweiz. Wie leben Kinder in Südamerika?

Ich hatte eine schöne Kindheit. Wir lebten nicht in der Stadt, in der Hunger und Armut herrscht. Wir Kinder auf dem Land waren frei und konnten spielen. Ich hatte zehn Geschwister und natürlich hatten auch die Kinder ihre Aufgaben: waschen, kochen… Doch die Armut kannten wir nicht!

Und die Schule, wie sind die Schulen in Südamerika aufgebaut?

Ähnlich wie hier. Zuerst gibt es die erste bis sechste Klasse, darauf folgen drei Jahre, ähnlich wie die hiesige Sekundarschule. Weitere zwei Jahre ging ich auf eine Schule wie das Gymnasium. Wollte man an der Universität studieren, so musste man eine Aufnahmeprüfung bestehen. Ich habe fünf Jahre an einer Schule für Krankenschwestern studiert.

In Ecuador gibt es viele Studierte. Die meisten studieren, weil sie sich schämen, eine Lehre als Ausbildung zu geniessen. Sie würden sich minderwertig fühlen. Also studieren
sie und finden später keine Anstellung. Die Stellen sind in Ecuador sehr rar.

Bereuen Sie es manchmal, dieses Leben aufgegeben zu haben?

Ja, manchmal. Das Leben in Südamerika ist sehr schön. Ich hatte einen 100-jährigen Grossvater, der immer noch fit und gesund war. Doch wo die Armut ist, ist auch die Kriminalität. Da die Grenzen zu Ecuador offen sind, gibt es Kolumbianer, die kommen und jungen Menschen eine Narkose geben, ihre Organe stehlen und sie nach Nordamerika transportieren. Das ist schrecklich.

Es gibt zwei Gesellschaftsspal-
ten: Arm und Reich. Die Reichen
leben wie die Könige. Trotzdem würde ich gerne in Südamerika leben. Doch hier habe ich meine Familie. Vielleicht kehren wir zurück, wenn unsere Kinder erwachsen sind…

Ist Ihnen der Entschluss zum Auswandern schwer gefallen?

Ja, aber eigentlich wollte ich nur ein Jahr hier bleiben. Als mein Schwiegervater krank wurde, wurde die
Mithilfe meines Mannes in der Schreinerei benötigt. Später war unsere Tochter Angelina im Kindergarten, hatte Anschluss gefunden und so wollten wir sie nicht mehr herausreissen. Doch mein Gatte hatte mir die Rückkehr nach einem Jahr versprochen. Nun lebe ich seit 31 Jahren hier…

Hatten Sie in Südamerika bestimmte Traditionen?

Eine der schönsten Traditionen in Ecuador war es, wenn Ende der Woche alle Verwandten und Bekannten zusammensassen. Man fragte nicht danach, ob man auf einen Besuch kommen könnte. Es ist schade, dass man hier telefonieren muss, um sich anzukündigen.

Was würden Sie als den grössten Unterschied zwischen der Schweiz und Südamerika bezeichnen?

Die Natur, die Wirtschaft und die Kultur. In Südamerika gab es damals zum Beispiel nicht so hoch entwickelte Maschinen. Oder die Früchte, die die Schweizer im Coop kaufen, pflückten wir von den Bäumen…

Nadja Schönberg und Corina Ramseier sind Schülerinnen der Klasse 21 der OS Plaffeien. Unter der Leitung ihres Lehrers Gabriel Aebischer führten sie im Rahmen des Deutschunterrichts Interviews mit selbst gewählten Personen aus der Region.

Mehr zum Thema