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«Wir sind mehr als beste Freunde»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Als Müslüm im Herbst 2010 und dabei im Vorfeld der Abstimmung über die umstrittene Berner Reitschule mit dem Lied «Erich, warum bisch du nid ehrlich?» erstmals musikalisch in Erscheinung trat, prognostizierten viele der mit Telefonscherzen bekannt gewordenen Kunstfigur keine allzu lange Halbwertszeit in der Musikbranche. Das anatolische Testosteron-Paket mit dem charakteristischen Immigranten-Slang belehrte aber alle eines Besseren: Müslüm befindet sich momentan mit «Apochalüpt»–notabene einem Nummer-eins-Album–auf grosser Schweizer Tournee. Der Mann hinter dem haarigen Klischee heisst Semih Yavsaner, ist ein Berner mit türkischen Wurzeln und erzählt den FN von seiner Beziehung zu Müslüm.

 

 Semih Yavsaner, Sie äussern sich erst seit kurzem gegenüber der Öffentlichkeit. Früher hat im Umgang mit den Medien immer Müslüm das Wort geführt. Woher kommt dieses Umdenken?

Leben ist Wandel …

 

 Was bedeutet es, dass Sie demnächst auch als Semih in der Öffentlichkeit auftreten?

Im Spätherbst werde ich im Theaterstück «Kosmos» von Meret Matter (Tochter von Mani Matter, a.d.R.) mitwirken. Allerdings hat das nichts mehr mit Müslüm zu tun.

 

 Geniessen Sie es denn nicht, auf der Strasse auch einmal unterwegs zu sein, ohne gleich von allen erkannt zu werden?

In Bern wissen die meisten Bescheid über den Türken mit dem «Afro» und dem losen Mundwerk. Anderswo bin ich total anonym; geniessen tue ich aber beides. Entscheidend ist: Die Kunst steht immer im Vordergrund. Ich bin nichts, und auf einmal kommt aus diesem Nichts alles.

 

 Kommt es vor, dass Sie–auch wenn Sie privat «das Kalb machen»–Müslüm werden?

Ich habe da keine Regeln, was vorkommen darf und was nicht. Wenn der Moment stimmt, dann los. Das ist die Devise. Genau so war es damals auch mit Müslüms erstem Telefonscherz beim alternativen Berner Radio RaBe. Er kam aus diesem Nichts. Es wäre jetzt schon vermessen, im Nachhinein Attribute beizufügen und zu interpretieren.

 

 Wie sind Sie denn überhaupt auf die Figur gekommen?

Lass es mich so ausdrücken: Die Frage war «Sein oder Ausländer-Sein?» Seither bin ich.

 

 Welche Beziehung pflegen Sie zu Ihrem Alter Ego? Gehen Sie sich aus dem Weg oder würden Sie zusammen ein Bier trinken gehen?

Für mich gibt es in jeder Alltagssituation einerseits den rationalen Blickwinkel und andererseits den abstrakten; Letzterer ist Müslüm. Unterdessen hat sich vieles vermischt, aber Zoff gibt es deswegen nicht. Wir sind mehr als nur beste Freunde. Wir sind eine Seele.

 

 Müslüm ist eine Person, die offen und ohne jegliche Berührungsängste auf andere Menschen zugeht. Im Fernsehstudio des Jugendsenders Joiz ist er vor kurzem etwa über eine Moderatorin hergefallen. Wie viel Müslüm steckt diesbezüglich eigentlich in Semih?

Die nonverbale Kommunikation ist in unserer Kultur omnipräsent. Da wird geküsst, umarmt und Händchen gehalten. Berührungsängste sind bei uns fremd, würde ich sagen. Das finde ich das Schöne am «Türksein». Mit Müslüm überzeichne ich diese Eigenschaft. Wenn er eine «territöriale Marchierung» zum Besten gibt, dann mag das auf den ersten Blick ultraprimitiv erscheinen. Letztendlich ist es aber der Zeitgeist und die Hyperstimulanz, die mich dazu zwingt, über diese Figur so zu agieren. Die Intention ist«Hallo-hier-passiert-was-ganz-Wichtiges-schaut-hin!».

Müslüm macht Musik für «Herzeli» und «Hüfteli». Aber eben auch für das «Köpfeli». Wer ist für die Denkanstösse, die Message, in Ihren Liedern verantwortlich?

Die Summe aller Erfahrungen, die ich gemacht habe. 98 Prozent sind empirischer Natur, ein Prozent ist angelesen und ein weiteres Prozentli angetrunken.

 

 Im neuen Album «Apochalüpt» plädiert Müslüm dafür, es öfters mal «la bambele». Wie lassen Sie selber es am liebsten bambele?

Für mich ist nicht wichtig, wie oder was es ist. Wichtig ist alleine, dass es ist!

 

 Im Lied «Seksy» sagt Müslüm, kein Mensch brauche Dinge wie Bling-Bling oder Botox, um sich attraktiv zu fühlen. Sind auch Sie rundum zufrieden mit Ihrem Körper? Gibt es nichts, dass Sie an sich ändern würden, wenn Sie könnten?

Das Lied «Ego» bringt den Konflikt, den ich hin und wieder mit mir selber austrage, auf den Punkt. Wir tanzen hin und her zwischen Minderwertigkeitskomplex und Grössenwahn. Es mag sich kitschig anhören, aber wichtig ist, wie ich mich fühle. Dann strahle ich wie Mühleberg.

 

 Müslüm setzt sich in Ihren Songs auch immer sehr stark für die Völkerverständigung ein. Wieso ist Ihnen dieses Anliegen derart wichtig?

Sich fürs Mensch-Sein zu positionieren, fühlt sich heute so ungut an. Wir schämen uns für ganz natürliche Prozesse. Alles «Tote» aber, das wir von der Industrie serviert erhalten, glorifizieren wir. Das Streicheln beispielsweise ist die sozialste Eigenschaft–wir werden sozusagen von der Mutter auf die Welt gestreichelt. Unterdessen liebkosen die meisten aber nur noch ihr iPhone, also etwas Totes–und keiner sagt was. Wenn aber zwei Liebende ausgiebig zärtlich zueinander sind, dann sind viele irritiert. Ist das nicht seltsam? Wir streicheln was Totes und werden belohnt–wir herzen uns gegenseitig und werden dafür bestraft.

 

 Ein anderer Künstler, der sich mit Nachdruck gegen Fremdenhass einsetzt, ist der deutsche Comedian Bülent Ceylan. Auch er hat türkische Wurzeln. Als er vor wenigen Wochen in Bern aufgetreten ist, hat er Ihren Song «Orang Utan» angesungen und zeigte sich tief beeindruckt von Ihrem Schaffen.

In dem Fall liegt es an der Genetik des Auslandtürken, über den Humor zu verarbeiten, woran er selber am meisten erkrankt. Ich wusste nicht, dass Bülent «Orang Utan» angesungen hat–da bin ich jetzt auch grad tiefstens beeindruckt.

 

 Müslüm tritt am Samstag im Bad Bonn in Düdingen auf. Sein erstes Mal im Bonn?

Nein, da hat er schon mal gespielt, und zwar so, dass wir jetzt wieder hier sein dürfen.

 

 Wenn das Bonn ausverkauft ist, kann es ganz schön eng werden. Das dürfte Müslüm gefallen, oder?

Das Bonn wird ausverkauft sein, und wir werden mit unseren «apochalüptischen» Frequenzen die Materie brechen.

 

 Kennen Sie den Sensebezirk denn ein wenig?

Ist das der neue Stadtpräsident von Freiburg?

 Aber Sie verstehen schon ein wenig Senslerdeutsch?

Gerade eben hab ich die deutsche Sprache geknackt–und jetzt Senslerdeutsch? Nein … keine Ahnung.

 

 Versuchen wir es trotzdem. Was könnte etwa eine «Häppera» sein?

Das klingt nach Ärger …

 

 Nicht unbedingt. So nennen die Sensler die Kartoffel. Und was ist eine «Fageta»?

 Vielleicht die männliche Form von Spaghetti? Die Spaghetti, der Fageta.

 

 Knapp daneben. Es ist die Hosentasche. Was würde sich Müslüm für Semihs Zukunft wünschen, wenn er könnte?

Wichtiger ist doch die Gegenwart, nur sie kann uns zum ultimativen Glück katapultieren. Deshalb: Wunschlos glücklich zu sein.

Dieses Interview wurde schriftlich geführt.

«Wir tanzen hin und her zwischen Minderwertigkeitskomplex und

Grössenwahn.»

Semih Yavsaner

aka Müslüm

«Ist das nicht seltsam?

Wir streicheln was Totes und werden belohnt– 

wir herzen uns gegenseitig und werden bestraft.»

Semih Yavsaner

aka Müslüm

Vorschau

Müslüm kommt am Samstag ins Bonn

Wenn tanzbare Ethno-Pop-Beats mit orientalischen Einflüssen verschmelzen und witzige, in perfektem Immigranten-Slang vorgetragene Textzeilen sich auf Anhieb in den Gehörgängen festsetzen, dann kann nur Müslüm am Werk sein. Am Samstag ist der selbst ernannte «Integratör» im Bad Bonn in Düdingen zu sehen. Mit im Gepäck hat er das seit Februar im Handel erhältliche zweite Studioalbum mit dem klingenden Namen «Apochalüpt».mz

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