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Rekordbelegung Frauenhaus:«Wissen nicht, warum die Zahlen explodieren»

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In diesem Jahr wird das Angebot des Frauenhauses und der Opferberatungsstelle überdurchschnittlich stark genutzt. Selten kommen die Frauen dabei aber aus den deutschsprachigen oder ländlichen Kantonsteilen.

«Vor 15 Minuten stand eine Frau vor unserer Tür und musste sofort ins Frauenhaus überwiesen werden – manchmal muss alles ganz schnell gehen.» Ramona Polzer sitzt in einem der kleinen, liebevoll eingerichteten Beratungszimmer der Opferhilfe-Beratungsstelle Freiburg und erzählt von ihrer Arbeit. Die Sozialarbeiterin ist seit fünf Jahren für den Verein Frauenhaus Freiburg tätig. Der Verein unterhält unter anderem eine Opferhilfe-Beratungsstelle inklusive Hotline sowie das Frauenhaus Freiburg.

3307 Übernachtungen zählt das Frauenhaus Freiburg im laufenden Jahr. Das sind bereits jetzt 1353 mehr als im gesamten letzten Jahr. «Wir können im Moment nicht erklären, warum es dieses Jahr eine Art Explosion gegeben hat bei den Aufnahmen im Frauenhaus», sagt die Sozialarbeiterin. Oft habe man Frauen und ihre Kinder in Hotels platzieren müssen, weil es im Frauenhaus keinen Platz mehr gegeben habe. Und dies, obwohl das Frauenhaus erst vor knapp einem Jahr neue Räumlichkeiten bezogen hatte. «Der neue Standort bietet Platz für sechs Frauen, und es gibt noch ein Notfallzimmer.» Das neue Frauenhaus sei vor allem für die Kinder eine viel bessere Umgebung, erzählt Ramona Polzer. «Es gibt einen Spielplatz, und die Umgebung ist viel idyllischer – genügend Zimmer haben wir aber immer noch nicht.»

Häusliche Gewalt liegt vor, wenn Personen innerhalb einer bestehenden oder aufgelösten familiären, ehelichen oder eheähnlichen Beziehung physische, psychische oder sexuelle Gewalt ausüben oder androhen.
Symbolbild Keystone

Ein genauerer Blick in die Zahlen zeigt: 2019 – vor Corona – zählte das Frauenhaus 120 Frauen, die insgesamt 3158 Übernachtungen im Frauenhaus oder in Hotels generierten. Während den beiden letzten Corona-Jahren (2020 und 2021) war das Frauenhaus weniger intensiv belegt. Aktuell aber sind die Auslastungszahlen wieder auf Rekordhöhe.

Dabei kommen rund die Hälfte der Frauen aus dem Saanebezirk. Nur 13 der 61 Frauen, die in diesem Jahr im Frauenhaus empfangen wurden, kommen aus dem deutschsprachigen Kantonsteil. «Natürlich wohnt rund ein Drittel der Bevölkerung des Kantons im Saanebezirk – trotzdem kommen aber eher weniger Frauen aus den anderen Kantonsteilen», relativiert Ramona Polzer.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der polizeilich registrierten Straftaten auf nationaler Ebene.
Bundesamt für Statistik

Wenig Deutschsprachige

Die Verantwortlichen der Beratungsstelle und des Frauenhauses haben unterschiedliche Hypothesen, warum verhältnismässig wenig Frauen aus den ländlichen und deutschsprachigen Gebieten zu ihnen kommen. «Auf dem Land herrscht möglicherweise noch eine andere Mentalität», mutmasst Polzer. «Früher sprach niemand über häusliche Gewalt – es passierte in den eigenen vier Wänden und blieb auch dort – vielleicht denkt man auf dem Land immer noch so.» Denn dass es sich bei häuslicher Gewalt in erster Linie um ein urbanes Problem handelt, sei eine völlig falsche Schlussfolgerung.

Ramona Polzer und ihr Team würden gerne auch im deutschsprachigen Kantonsteil ein Beratungsangebot aufbauen.
Sarah Neuhaus

Die Frage ist wohl eher, ob die Beratungsstelle und das Frauenhaus in ländlichen Gebieten gut genug bekannt sind. «Wir fragen uns oft, ob wir auf dem Land genügend sichtbar und gut genug erreichbar sind», betont Ramona Polzer. Was es bedeuten kann, wenn ein solches Angebot gut sichtbar ist und in der Nähe existiert, zeigt ein aktuelles Pilotprojekt des Vereins: Seit rund zwei Jahren bietet die Opferhilfe-Beratungsstelle an einen halben Tag pro Woche Beratungen in Bulle an. «Wir sind in Bulle ständig ausgebucht. Woche für Woche», erzählt die Sozialarbeiterin. Schliesslich sei es auch die Sprache, die möglicherweise als Hürde wahrgenommen werde. «Mehrere von uns auf der Beratungsstelle und im Frauenhaus sind deutschsprachig – die Sprache darf keine Barriere sein.»

Anteil häuslicher Gewalt auf nationaler Ebene.
Bundesamt für Statistik

Man wünsche sich sehr, dass man ein ähnliches Angebot wie in Bulle auch für den deutschsprachigen Kantonsteil auf die Beine stellen könne. Aber noch wisse man nicht einmal, ob der Versuch in Bulle überhaupt langfristig weitergeführt werden könne. «Das Thema Geld ist allgegenwärtig.» Der Verein wird zu grossen Teilen vom Kanton subventioniert. 2021 waren es 750’000 Franken, die das Frauenhaus und die Beratungsstelle vom Kanton bekamen. Das bei einem Gesamtaufwand von rund 1,6 Millionen Franken. Die Loterie Romande und private Spenden sowie Mitgliederbeiträge sorgten dafür, dass der Verein das Jahr 2021 mit einem Verlust von «nur» 17’000 Franken beendete.

Vortrag

Die Bäuerinnen und das Frauenhaus

Im Rahmen des Froue-Zmorge des Freiburger Bäuerinnen- und Landfrauenverbands werden das Frauenhaus Freiburg und die Opferhilfe-Beratungsstelle ihre Arbeit vorstellen. Der Anlass findet am 29. Oktober um 9 Uhr im Behindertenzentrum SSEB Muntelier statt. Alle interessierten Frauen können teilnehmen. Für Nichtmitglieder kostet die Teilnahme 35 Franken. Die Platzzahl ist beschränkt und eine Anmeldung bis zum 21. Oktober unter info@landfrauen-fr.ch notwendig. san

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