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«Wir wussten, was möglich war»

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Die Züglete der Katholischen Internationalen Presseagentur (Kipa) steht vor dem Abschluss. Nächste Woche nehmen die beiden neuen sprachregionalen Medienzentren in Zürich und Lausanne den Betrieb auf. Sie entstehen aus der Fusion mehrerer katholischer Medien (siehe Kasten) und der Kipa. Diese hatte die Selbstauflösung im Sommer beschlossen. Lanciert worden war sie 1917 als Informationsdienst der katholischen Zeitungen der Schweiz, die um das Luzerner «Vaterland» ein dichtes Netzwerk gebildet haben.

Chefredaktor geht von Bord

Mit dem Ende der Kipa in Freiburg hört auch der Chefredaktor Josef Bossart auf und lässt sich frühpensionieren. Der Stadtfreiburger war bereits 2009 mit der deutschsprachigen Redaktion nach Zürich gezügelt und hätte mit 64 Jahren die Möglichkeit gehabt, noch ein Jahr im neuen Medienzentrum tätig zu sein. Aber er zog es vor, früher aufzuhören. «Journalismus ist ein hektischer Beruf.» Die Konzentration der Kräfte in den Sprachregionen findet er aber durchaus sinnvoll. «Denn Themen und die Kirchenpolitik unterscheiden sich tatsächlich zwischen West- und Deutschschweiz.» Ein multimedialer Ausbau der Kipa in Freiburg wäre nötig gewesen und hätte grössere Investitionen erfordert. Besser sei es, die Arbeit verschiedener Akteure zu konzentrieren. «Heute muss man als Medium im Internet präsent sein und mit Bild und Ton arbeiten», ist Bossart überzeugt.

Dass mit dem Schritt eine 97 Jahre dauernde Geschichte zu Ende geht, sei ein Einschnitt, so Bossart. Die Nähe der Kipa zur Bischofskonferenz, die in Freiburg ihren Sitz hat, und der Universität mit ihrer katholischen Tradition sei «interessant, aber nicht entscheidend» gewesen. In den letzten Jahren stand die Kipa unter immer stärkerem Druck. Mit ein Grund war das Verschwinden einer betont katholischen Presse, welche die Agentur ja gegründet hatte. «Sie verlor zusehends ihre Kundenbasis.»

Dieser Trend werde weitergehen, befürchtet Bossart. In der Schweiz sei rund ein Fünftel der Bevölkerung konfessionslos, die meisten anderen interessieren sich kaum für die Angelegenheiten von Kirche und Religion. «Deshalb ist es schwierig, diese Themen in den säkularen Medien unter die Leute zu bringen.» Das werde auch den zukünftigen Medienzentren die Arbeit erschweren, denn mit weniger Lesern werde auch der Verkauf von Agenturmaterial schwieriger. Dem neuen Verbund steht unter dem Strich kaum mehr Geld zur Verfügung. Bossart ist skeptisch: «Die Ansprüche sind hoch; es wird sich zeigen, ob man sie erfüllen kann.»

Unabhängigkeit war zentral

Bossart unterstreicht die Unabhängigkeit, die sich die Kipa während Jahren von der katholischen Obrigkeit ausbedungen hatte. Das sei auch sinnvoll, denn: «Die Zeit des Kampfkatholizismus ist definitiv vorbei.» Die Redaktion habe auf die Einhaltung grundlegender journalistischer Richtlinien gepocht und versucht, ausgewogen und «mittig» zu berichten. Das sei nicht einfach gewesen. «Wenn wir sowohl von der konservativen als auch von der progressiven Seite ‹aufs Dach bekommen›, ist das ein gutes Zeichen.»

Die Redaktion nahm sich die Freiheit, so Bossart, und diese wurde ihnen meistens auch zugestanden. Laut Bossart war es nicht immer einfach, diese Position der Mitte zu halten. «In der oft polarisierten Situation der katholischen Kirche in der Schweiz war das eine ständige Herausforderung.» Zwar sei in Konflikten klar gewesen, dass das Herz der Redaktoren für die progressive Seite schlug, doch: «Das schimmerte nie durch. Wir nahmen in kirchenpolitischen Konflikten praktisch nie offen Stellung. Wir wussten, was möglich war und was nicht.» Ab und zu nahm die Kipa aber dennoch auch brisante Themen auf. Dabei verwendete sie aber andere Instrumente: «In Glossen hatten wir die Möglichkeit, freier zu schreiben. Auf die humoristische Art war es auch möglich, jemanden in die Pfanne zu hauen. Via Kommentar war das schwieriger.»

Konflikte oft vermieden

Bossart hatte ein eigenes Geheimnis, wie er die Unabhängigkeit wahrte: «Ich bin nicht mit irgendjemandem verflochten. Ich sitze in keinem Pfarreirat. Ich habe immer eine distanzierte Haltung zu den Akteuren bewahrt, niemand geduzt und mich mit niemandes Sache gemeingemacht.» Anrufe oder Anweisungen von Würdenträgern habe es nie gegeben, so Bossart weiter. «Sie scheuen die direkte Auseinandersetzung.» Druck habe es gegeben, aber hinten herum, über Umwege oder schriftlich.

Die Kipa hatte eine Achillesferse: die Finanzierung. Wenn es Drohungen gab, erinnert sich Bossart, waren sie materieller Natur. «Es hiess dann: ‹Wenn ihr so weitermacht, kappen oder kürzen wir euch die Beiträge›. Das war eine subtile, aber wirksame Möglichkeit, Druck auszuüben.» Erfolgreich sei sie aber nie gewesen, so Bossart.

Die Geschichte der Kipa: Ein medialer Brückenschlag für die katholische Schweiz

M itten im Ersten Weltkrieg hoben die katholischen Tageszeitungen der Schweiz in Freiburg eine Presseagentur aus der Taufe, um ihre Basis zu stärken und sich gegen die liberale und sozialistische Presse behaupten zu können. Die Kipa entwickelte sich mit den Jahren zu einer internationalen Drehscheibe spezifisch katholischer Berichterstattung, vor allem jener aus dem Vatikan. Eine Reform erhielt sie mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Doch mit dem Bedeutungsrückgang der Meinungspresse und der Digitalisierung verlor die Kipa zusehends an Boden.

Seit 2009 arbeitet der deutschsprachige Dienst in Zürich, der französische Dienst Apic und die Administration der Genossenschaft sind in Freiburg geblieben. Nun gehen auch sie. Die Verantwortlichen beschlossen, die katholischen Medien zusammenzulegen. Die Kipa und der Katholische Mediendienst werden in Zürich zusammengeführt. In der Westschweiz gilt dies für die Apic, das Radio- und Fernsehzentrum CCRT und das Internetportal Catholink.

Für den früheren Geschäftsführer der Kipa, Walter Buchs, ist der Schritt aus inhaltlicher Sicht zwar nachvollziehbar, «man kann sich ja nicht gegen den Fortschritt stellen». Aber mit der Aufteilung gehe die Klammerwirkung der Kipa verloren, was dem nationalen Zusammenhalt schade. «Es ist sinnvoll, wenn die Katholiken in der Deutschschweiz erfahren, was in der Westschweiz passiert und umgekehrt.» Das zweisprachige Freiburg sei damals bewusst als Standort für eine nationale Agentur gewählt worden. Sie hatte ihren Sitz lange an der Universität, bis sie 1974 ein Sekretariat erhielt. Dort wiederum war dann auch die Internationale Föderation der katholischen Nachrichtenagenturen eingerichtet, deren Generalsekretär Buchs war.

Er verweist darauf, dass die Kipa eine private Gründung war, während Schwesteragenturen im Ausland in der Regel von der kirchlichen Obrigkeit lanciert wurden. Für die Finanzierung der Kipa war der Katholische Presseverein zuständig, zusammen mit kirchlichen Organen. Die Kipa finanziert sich zu einem Drittel über Abonnemente, der Rest stammt aus verschiedenen Quellen. fca

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