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Wo bist du, Mensch?

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wort zum sonntag

Wo bist du, Mensch?

Autor: Hildegard Schmittfull

Ich war es nicht, die anderen sind schuld!» So fängt es schon bei Adam und Eva an – die Geschichte der menschlichen Ausreden, die Weigerung, für die eigenen Taten geradezustehen, Verantwortung zu übernehmen. Von der Sündenfallgeschichte ist die Rede. Sie ist ein Teil der «Urgeschichte», die den Fragen nachgeht, woher wir kommen und woher das Böse in der Welt kommt.

Es sind Fragen, die uns auch heute bewegen. Die Bibel versucht, in mythischer Weise eine Antwort zu geben. In den Kapiteln Gen. 1–11 werden die beiden Pole menschlicher Existenz treffend beschrieben: Grösse und Elend, Würde und Schuld, Licht und Schatten. Diese Grundspannung wird besonders in den Kapiteln zwei und drei zum Ausdruck gebracht. Direkt nach der Schilderung des Menschen im Paradies, der eine herausragende Berufung inmitten der Schöpfung hat, folgt der Sündenfall.

Der Weg führt aus der ungetrübten Beziehung mit Gott über das Misstrauen gegenüber Gott (warum dürfen wir nicht vom Baum der Erkenntnis essen?), über die Versuchung, klug zu werden und autonom zu sein, zur Erfahrung der eigenen Blösse und Hilflosigkeit (sie erkannten, dass sie nackt waren) und hinein in die Trennung.

Indem Adam und Eva ihre Brüchigkeit und ihr Nacktsein erkennen, erfahren sie sich entfremdet von sich selbst und von Gott. Der Blick auf ihre eigene Würde ist verstellt. Voller Scham verstecken sie sich, und Gott wird zum strafenden Richter. Die Beziehung zwischen Gott und Mensch ist in ein Missverhältnis geraten. Es gibt, so Gen. 3, eine Tendenz in uns, uns dem ursprünglichen Ruf zur Gemeinschaft mit Gott, den Mitmenschen und der Schöpfung zu verweigern. Wenn wir ihr entsprechen, werden wir schuldig.

Der Urspannung zwischen den beiden Polen unserer Existenz, zwischen Licht und Schatten, sind wir weiterhin ausgesetzt. Die Versuchungen sind auch für uns vielfältig. Die Frage ist: Nehmen wir die uns geschenkte Freiheit wahr und entscheiden uns für Gott und für die Verantwortung für seine Schöpfung?

Oder verstecken wir uns, wenn Gott heute die Frage an uns stellt: «Wo bist du, Mensch?» Wenn uns der Spiegel unserer Gesellschaft vorgehalten wird im Umgang mit Armut und dem Hunger vieler Menschen, mit den Mitgeschöpfen unserer Erde, mit unseren Ressourcen?

Gebe Gott, dass auch wir uns schämen.

 

Hildegard Schmittfull ist Theologin und Kontemplationslehrerin und lebt in Teufen AR.

«Gebe Gott, dass auch wir uns schämen.»

 

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