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«Wo das Leben seinen Lauf nimmt»

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Berlin. Wedding. 2012.»So heisst das Fotoprojekt der Freiburgerin Mélanie Rouiller, das sie derzeit im Schloss Greyerz ausstellt. Der Titel sagt eigentlich schon alles: Es handelt sich um eine Bilderserie, die 2012 im Berliner Ortsteil Wedding entstanden ist und die ebendiesen Ortsteil porträtiert. Ganz so einfach sei es aber nicht gewesen, sagt Mélanie Rouiller, zumindest nicht, als sie im Januar 2012 im Wedding angekommen sei. Die Fotografin hatte die Gelegenheit, für ein halbes Jahr das Atelier «im Wedding» zu nutzen, das der Kanton Freiburg Künstlerinnen und Künstlern zur Verfügung stellt. Sie hatte dafür ein Projekt eingereicht, das eine Reportage über die Idee der Zugehörigkeit zu Europa vorsah.

Geschichten des Alltags

Und dann kam die Greyerzerin mitten im Winter in diesen Ortsteil des Bezirks Mitte, geprägt von Sozialbauten und einem hohen Ausländeranteil. Kalt sei es gewesen, erzählt Mélanie Rouiller, die Strassen leergefegt, und sie habe sich zuerst neu orientieren müssen. «Ich brauchte Zeit, um mich einzuleben, und ich wusste eine Weile nicht, wie ich mein Projekt angehen sollte.» So habe sie etwa versucht, Studierende verschiedener Nationalitäten zu porträtieren, sei von dem Ansatz aber nicht überzeugt gewesen. «Irgendwann merkte ich, dass ich mein Thema die ganze Zeit vor den Augen gehabt hatte: den Wedding, diesen Ortsteil, in dem auf den ersten Blick nicht viel passiert und wo das Leben einfach seinen Lauf nimmt.» Dieses Einfache, Unprätentiöse, Authentische habe sie schon immer angezogen, «Motive, die nicht darauf warten, fotografiert zu werden».

So fing Mélanie Rouiller an, mit dem Velo die Strassen des Wedding abzufahren und zu fotografieren, was sie inspirierte: Strassen, Gebäude und vor allem Menschen. Dabei sei sie mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen, erzählt sie. Allerdings habe sie die Menschen immer fotografiert, bevor sie mit ihnen gesprochen habe. Nur so sei es ihr gelungen, den ersten, frischen Eindruck aufs Foto zu bannen.

 Rouiller hat Momente des Lebens eingefangen, die simpel wirken und doch ganze Geschichten erzählen. So erinnert sich die 34-Jährige besonders an zwei Frauen mittleren Alters, die sie eng aneinandergeschmiegt auf einer Mauer sitzend porträtierte. «Les Amies» nannte sie das Bild, und die Geschichte dahinter ist die Geschichte einer Deutschen und einer Osteuropäerin, die sich anfangs reserviert begegneten und die heute eng befreundet sind. Wie die zwei Freundinnen gehören auch die junge Russin mit Sonnenschirm, die Freunde, die zusammen Pause machen, oder der Autostopper auf dem Weg nach Hamburg zum Alltag im Wedding. Und so fand Mélanie Rouiller, fast ohne es zu merken, zu ihrer Ausgangsidee zurück: «Trotz der Umwege, die ich gemacht habe, habe ich am Ende europäische Identitäten gefunden.»

Analog fotografiert

Eine Besonderheit von Rouillers Wedding-Projekt ist, dass es sich ausschliesslich um analoge Fotos handelt, aufgenommen mit einer alten Yashica-Kamera. Sie arbeite zwar auch digital, erklärt die Fotografin, doch für persönliche Arbeiten sei ihr das Analoge lieber. «Zu wissen, dass man nur ein- oder zweimal abdrückt, erhöht die Konzentration und den Respekt vor dem Motiv und vor dem Bild.» Zudem erhielten die Bilder durch das leicht Körnige eine besondere Tiefe und Poesie, die gut zum Thema passten.

Erste Ausstellung

Im Schloss Greyerz zeigt Mélanie Rouiller die Bilder aus Berlin jetzt zum ersten Mal öffentlich. Parallel zur Ausstellung sei auch noch eine Publikation geplant, sagt sie. Und vielleicht ergebe sich dereinst die Gelegenheit, die Fotos dort zu zeigen, wo sie entstanden seien, in Berlin, im Wedding.

Schloss Greyerz. Bis zum 3. August. Täglich 9 bis 18 Uhr.

Zwischen Banalität und Poesie: Ansichten des Ortsteils Wedding.

Ergänzung: Einblicke in andere Fotoarbeiten

V erteilt im zweiten Wechselausstellungssaal und in anderen Räumen des Schlosses Greyerz zeigt Mélanie Rouiller in Ergänzung zu den Bildern aus Berlin weitere Fotografien. Darunter finden sich Motive aus einer Serie über am Strassenrand abgestellte Schrottautos, welche die Fotografin in verschiedenen Ländern abgelichtet hat. Eine andere Serie besteht aus drei Stillleben im Gegenlicht, entstanden in Freiburg, in Sarajevo und in Sibirien.

In einem Nebenraum finden sich zwei Grossformate, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: die Aufnahme eines Pferdes namens Attila aus dem Wallis und das Bild eines Bootes, das mitten in einem Wohnquartier in Nowosibirsk gestrandet scheint. Die Holzsäulen auf dem einen und die Baumstämme auf dem anderen Bild schaffen aber nicht nur eine Verbindung zwischen den beiden Fotos, sondern auch mit dem Saal, in dem ebenfalls eine Holzsäule steht.

Einen kleinen Scherz haben sich Mélanie Rouiller und der neue Schloss-Konservator Filipe Dos Santos mit einigen Porträts aus der Serie «Les Barbus de la Gruyère» erlaubt: Diese haben sie gut versteckt in verschiedenen Räumen im Schloss verteilt, jeweils anstelle von historischen Porträtbildern, die dort normalerweise hängen. cs

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