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Wo die Grenzen verschwimmen

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In einer Sonderausstellung, die noch bis zum 6. Januar zu sehen ist, zeigt das Greyerzer Museum in Bulle die Geschichte der psychiatrischen Klinik Marsens und die Welt der «Asyle für Geisteskranke», die im 19. Jahrhundert an vielen Orten eingerichtet wurden. Diese Asyle nahmen geistig kranke und behinderte Menschen auf, die früher von ihren Familien betreut wurden und oft in erbärmlichen Verhältnissen leben mussten. Die psychiatrische Klinik in Marsens wurde 1875 nach einem Entschluss des Grossen Rats gegründet. Sie war anfangs für die Aufnahme von bis zu 125 Männern und Frauen eingerichtet, wobei die Patienten je nach ihren finanziellen Verhältnissen in drei Klassen aufgeteilt wurden.

Die Ausstellung «Mondes inté­rieurs» erzählt anhand von Texten, Fotografien, Objekten und Dokumenten von diesen Anfängen der Klinik, von ihrer Entwicklung und von den Modernisierungen ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Foto­grafen Mélanie Rouiller und Nicolas Repond tragen einen Blick auf die Gegenwart bei. Drei Installationen bringen den Besucherinnen und Besuchern die Komplexität geistiger Krankheiten näher: Das Video «Mondes intérieurs» zeigt, wie fliessend die Grenzen zwischen «krank» und «gesund», zwischen «verrückt» und «normal» sind und wie sie von kulturellen, gesellschaftlichen oder persönlichen Prämissen abhängen. Eine Spiegel-Installation macht den Realitätsverlust mancher psychisch Kranker greifbar. Ein weiteres Video zeigt Auszüge aus dem Stück «L’homme qui penchait», das die Regisseurin Sylviane Tille im vergangenen Juni am Festival Altitudes inszenierte.

Den Blickwinkel psychisch Kranker zeigen Kunstwerke von Patientinnen und Patienten, Leihgaben der Collection de l’Art Brut in Lausanne. Zu sehen sind insbesondere Arbeiten von zwei Patienten der psychiatrischen Klinik Marsens: von Gaspard Corpataux (1838–1917) aus Freiburg und von Justine Python (1879–?) aus Villariaz.

Greyerzer Museum, Bulle. Bis zum 6. Januar. Di. bis Fr. 10 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr, Sa. 10 bis 17 Uhr, So. 13.30 bis 17 Uhr. Silvester und Neujahr geschlossen; Mi., 2. Januar, 13.30 bis 17 Uhr.

Fotografie

«Les frères»: Eine Bildreportage von Marcel Imsand

Parallel zur Ausstellung «Mondes intérieurs» ist im Greyerzer Museum ebenfalls noch bis zum 6. Januar die Fotoarbeit «Les frères» von Marcel Imsand (1929–2017) zu sehen. Die Reportage ist in den Achtzigerjahren entstanden, nachdem Marcel Imsand in Vaulruz die betagten Zwillinge Louis und Emile Vionnet getroffen hatte. Während sieben Jahren besuchte er die über Neunzigjährigen regelmässig und dokumentierte ihr Leben am Rande der Gesellschaft. Die Ausstellung zeigt 47 Originalabzüge aus der Sammlung des Museums, welche dieses vom Fotografen selbst erhalten hat. Die Reportage war zuvor bereits in der Maison européenne de la Photographie in Paris und in der Fondation Gianadda in Martigny ausgestellt.

Marcel Imsand wurde 1929 in Pringy geboren und wuchs in Pringy und in Broc auf. Mit 15 Jahren verliess er das Greyerzerland und zog zuerst nach Neuenburg und später nach Lausanne. Er arbeitete in verschiedenen Berufen, bevor er seine Leidenschaft für die Fotografie als Autodidakt zum Beruf machte. Er war Landschafts- und Porträtfotograf, arbeitete in Werbung und Kultur, und er suchte immer wieder die Nähe von Menschen am Rande der Gesellschaft, denen er mit seinen einfühlsamen Bildern die Ehre erwies. Imsand starb 2017 in Lau­sanne. Seine Archive befinden sich heute im Musée de l’Elysée in Lausanne.

cs

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