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Wo erstarrtes Leben neue Form erhält

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

In der alten Zündholzfabrik in Düdingen findet sich ein Atelier der ganz besonderen Art. Zwischen Maschinen und Werkzeugen, wie sie auch in einer Werkstatt zu finden wären, funkeln die Augen von grossen und kleinen Tieren. Erst beim genaueren Hinsehen wird klar, dass die neugierigen Blicke von Mufflon, Stumpfkrokodil und Co. nicht lebendigen Vierbeinern, sondern sorgfältig gearbeiteten Präparaten gehören.

Vor sechs Jahren ist Tierpräparatorin Sabrina Beutler mit ihrem Atelier aus dem heimischen Emmental nach Düdingen gezogen. Hier stellt sie im Auftrag von Museen, Zoos und Privaten Haut- und Skelettpräparate von Säugetieren, Vögeln und Reptilien her. Von der winzigen Fledermaus bis zum gigantischen Walskelett hat sie in ihrem Atelier schon allerhand bearbeitet. Dass sie dabei den ganzen Tag von toter Materie umgeben ist, stört die 32-Jährige nicht. «Der Tod gehört zum Leben», meint die Präparatorin pragmatisch. Sie streicht über das Federkleid eines Rotmilans: «Dass ich den Sterbeprozess der Tiere nicht persönlich miterlebe, macht es mir aber sicher auch leichter, diese Distanz zu wahren.»

Hohe Anforderungen

Lebten Tierpräparatoren früher hauptsächlich von der Arbeit an Jagdtrophäen, bilden heute die Aufträge von Museen und naturwissenschaftlichen Instituten die Haupteinnahmequelle: «Das Berufsfeld hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt.» Geblieben sind die hohen Anforderungen, die der Beruf mit sich bringt. Anspruchsvolle handwerkliche Prozesse, wie das Häuten und Gerben gehören ebenso zum Alltag eines Präparators wie das Modellieren von detailgetreuen Präparatkörpern aus Materialien wie Holzwolle und Kunststoffen.

Neben einer ruhigen Hand sind fundierte anatomische Kenntnisse und Erfindungsreichtum unerlässlich. «Etwa wenn man von einem Museum aus Deutschland den Auftrag bekommt, das fünf Meter hohe Skelett einer Giraffe zum Stehen zu bringen», sagt Sabrina Beutler und muss ob des Gedankens lachen: «Da kommt man ordentlich ins Grübeln – und ins Schwitzen.»

«Zu wenig Lehrstellen»

Von klein auf von der Natur und ihren Lebewesen begeistert, stand für die gebürtige Emmentalerin schon früh fest, in welche berufliche Richtung es für sie einmal gehen würde. Als sie dann im Alter von zehn oder elf Jahren vom Beruf des Tierpräparatoren erfuhr, war es sofort um sie geschehen. «Von diesem Augenblick an wusste ich, dass das meine Berufung ist.» Um sich den ungewöhnlichen Berufswunsch zu erfüllen, zog sie als 19-Jährige nach Deutschland, wo sie – im Gegensatz zu ihrer Heimat – eine entsprechende dreijährige Ausbildung antreten konnte.

Heute sei es etwas leichter, in der Schweiz eine berufliche Karriere als Tierpräparator zu beginnen, erklärt Sabrina Beutler: «Die Strukturen sind besser.» Der grösste Teil der Ausbildung in Theorie und Praxis findet heute in Betrieben im Inland statt. Für die schulische Ausbildung schickt der Verband Naturwissenschaftlicher Präparatorinnen und Präparatoren seine Lehrlinge an die Berufsschule nach Wien.

Obwohl das Interesse am Beruf vorhanden sei, und die Präparatoren eher mit zu viel als mit zu wenig Aufträgen zu kämpfen hätten, würden in der Schweiz dennoch nur sehr wenige junge Leute zu Präparatoren ausgebildet, erklärt Sabrina Beutler: «Momentan sind schweizweit zwei Personen in Ausbildung. Es gibt zu wenig Lehrstellen.» Heute sind in der Schweiz zwischen 30 und 40 professionelle Präparatoren tätig; ein gutes Dutzend von ihnen arbeitet an Museen.

Nur einen Versuch

Sabrina Beutler empfindet ein Präparat dann als gelungen, wenn sich darin die Natur des Tieres widerspiegelt. «Um den Anschein von Leben zu erwecken, braucht es einen anatomisch korrekt nachgebauten Körper.» Mindestens ebenso wichtig wie ästhetische seien aber ethische Grundsätze, sagt die Präparatorin: «Ich stelle ein Tier nicht im Handstand dar, nur weil dies anatomisch möglich wäre.» In dieser Hinsicht unterscheide sich ihre Arbeit auch von der des Künstlers: «In den Werken des Künstlers ist auch immer ein Stück von dessen Persönlichkeit zu finden. Nicht so in den Arbeiten des Präparatoren.» Es sei nicht ihr Anspruch, einen «echten Beutler» zu schaffen: «Sondern eine echte Hirschkuh oder eben einen echten Milan.»

Um dies zu bewerkstelligen, hat Sabrina Beutler genau eine Chance. «Das Tier, mit dem ich arbeite, gibt es nur einmal. Ich muss mir also grosse Mühe geben, dass beim ersten Mal alles passt.» Das verstärke den Druck beim Arbeiten; trotzdem könne sie sich keinen schöneren Beruf vorstellen: «Wo sonst hätte ich schon diese Vielfalt?»

Serie

Ein Blick hinter die Kulissen

Zum Jahresbeginn öffnen die FN Türen: In einer losen Folge erhalten die Leser Einblicke in Bereiche, die sonst öffentlich nicht zugänglich sind.

im

Erschienen sind: In einer Gefängniszelle in Bellechasse (4.1.); Das Warenlager von Manor (5.1.); Mit der Spitex unterwegs (7.1.); Die Grossküche des Campus (13.1.); Das Depot des Naturhistorischen Museums (14.1.); Hinter den Kulissen der Oper (17.1.); Bei der Dargebotenen Hand (18.1.); In der Schiffenensee-Staumauer (27.1.

).

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