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Wo Fotografie und Grafik sich begegnen

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Fotomontagen, Retuschen und Filter aller Art: Mit modernen Bildbearbeitungsprogrammen ist solches heute selbst für Laien kein Problem. Früher aber, als Filme, Fotopapier und Entwicklungschemikalien teuer und schwierig zu handhaben waren, waren solche Foto-Experimente wenigen avantgardistischen Künstlern vorbehalten. Diese Experimente bewegten sich an der Schnittstelle zwischen Fotografie und grafischer Gestaltung. Ab dem frühen 20. Jahrhundert entwickelten sich die beiden Disziplinen Hand in Hand. Dies intensivierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Ausdrucksformen immer experimenteller wurden. Drei Beispiele für die Bewegung sind der Amerikaner William Klein (geboren 1928), der Basler Gérard Ifert (geboren 1929) und der Pole Wojciech Zamecznik (1923–1967). Diese drei Pioniere der 1950er- und 1960er-Jahre stehen jetzt im Mittelpunkt der Ausstellung «Fotografik», die das Museum für Gestaltung Zürich in seinen Räumen auf dem Toni-Areal zeigt.

Fotogramme und Lichtmalerei

Die 2017 vom Centre Pompidou in Paris konzipierte und vom Museum für Gestaltung adaptierte Schau erhellt anhand von über hundert Werken ebenjenen Dialog zwischen abstrakter Fotografie und kreativer Grafik. Es handelt sich grösstenteils um selten gezeigte Originale aus den Archiven der Gestalter, die sich heute im Besitz des Centre Pompidou und des Studio William Klein in Paris sowie der Archeology of Photography Foundation in Warschau befinden. Zudem zeigt das Museum für Gestaltung aus seiner eigenen Sammlung einige Exponate des ungarisch-amerikanischen Malers, Fotografen und Bauhaus-Lehrers László Moholy-Nagy (1895–1946), der wie sein Landsmann György Kepes (1906–2001) eine wichtige Inspirationsquelle für Künstler wie Klein, Ifert und Zamecznik war.

So sehr sich diese drei in Herkunft, Ausbildung und Berufstätigkeit unterschieden, so sehr einte sie ihre offene Haltung gegenüber den neuen Technologien und Möglichkeiten, die diese für den künstlerischen Ausdruck boten. Sie experimentierten mit Fotomontagen, Fotogrammen (direkte Belichtung des Fotopapiers) oder Lichtmalerei (Spur einer bewegten Lichtquelle auf dem Fotopapier). Ihre dynamischen Bilder waren Ausdruck der Empfindungen ihrer Zeit rund um Geschwindigkeit, Mobilität und Massenbewegungen – und sie schlugen sich in der Alltagsgrafik, in der Werbung oder auf Schallplatten-Covers nieder.

Eine neue visuelle Sprache

Geboren wurden Zamecznik, Klein und Ifert zwischen 1923 und 1929; die beiden Letzteren sind heute noch am Leben. Sie trafen sich in der Avantgarde ihrer Zeit, doch ihre Wege dorthin unterschieden sich. Wojciech Zamecznik stammte aus Warschau und war gelernter Architekt. Innerhalb der malerisch-expressiven polnischen Plakat-Schule war er der Einzige, der die abstrakte Fotografie als Mittel der grafischen Gestaltung verwendete. «Seine ersten Lichtzeichnungen von 1956 gelten als symbolische Geste der Befreiung vom sozialistischen Realismus», schreibt das Museum für Gestaltung zur Ausstellung. William Klein wurde in New York geboren und zog kurz nach dem Krieg nach Paris, wo er bis heute lebt. Seine künstlerische Karriere begann er als Maler, er nahm jedoch auch Werbe- und Innendekorationsaufträge an. Diese führten zu seinen ersten abstrakten Fotogrammen zu Beginn der 1950er-Jahre. Etwas später gab er die Malerei ganz zugunsten der Fotografie und des Films auf. Auch den Basler Gérard Ifert verschlug es nach Paris, wo er ab 1960 ein Grafik- und Produktentwicklungsbüro führte. Von der Gebrauchsgrafik herkommend, entwickelte er etwa funktionale, minimalistische Trägersysteme für Bücher und Ausstellungen. Schon früh verband er die Disziplinen Grafik, Fotografie und Film; seine abstrakten Architektur- und Bewegungsaufnahmen der 1950er-Jahre stehen in enger Beziehung zur konkreten Kunst.

Beeinflusst von Bauhaus, konkreter und kinetischer Kunst und sogar von lichtkinetischen Experimenten aus der Wissenschaft, fanden Leute wie Ifert, Klein und Zamecznik eine zeitgemässe visuelle Sprache, die auch die Generationen nach ihnen prägte. Wojciech Zamecznik schrieb im Jahr 1961: «Was Grafikdesign, Fotografie und Film vereint, ist das Inte­resse an einer kreativen Gestaltung, die mit der technologischen Entwicklung und einer zeitgenössischen künstlerischen Sprache zu tun hat.» Die Ausstellung im Museum für Gestaltung gibt dieser Sprache ein Gesicht.

Museum für Gestaltung, Standort Toni-Areal, Pfingstweidstrasse 96, Zürich. Bis zum 9. Februar. Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mi. 10 bis 20 Uhr.

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